Der Mann mit der Stahlkette / Cha chi nan fei / The Convict Killer

Der wegen Mordes verurteilte Teng Piao schafft es mit Mühe aus einem Straflager zu fliehen. Angetrieben von Rache und bewaffnet mit der Stahlkette, die ihn Jahre lang an die Gefängnismauern gebunden hat, macht er sich auf die Suche nach dem Mann, der ihn in diese fatale Lage gebracht hat. Lan Fei, ehemaliger Freund und Verbündeter, soll für seinen Verrat und die Qualen, die Teng Piao erleiden musste, büßen – und zwar mit dem Tod! (filmArt)

Nachdem der stoische Ex-Häftling Teng Piao (ein eiskalter Ti Lung) 15 Jahre (die dt. Synchro macht komischerweise fünf Jahre daraus!?) lang wegen Opiumschmuggels (aufgrund falscher Beweise) im Gefängnis gesessen hat, schwört er denjenigen zu finden, der ihn betrogen hat. Dabei handelt es sich nämlich um eine Person, die sich Schwarzer Leopard (dt. Synchro = Schwarzer Panther!?) nennt. Das einzige Problem unseres hartnäckigen Antihelden ist jedoch, dass niemand außer dessen geheimnisvollem Sextett von Killern die wahre Identität von Schwarzer Leopard kennt. Teng Piao erreicht einen Ort, den er mit dem Namen seines Ziels in Verbindung gebracht hat, wobei es nicht lange dauert, bis seine Aktionen den ansässigen Gangster-Boss stark verärgern. Zur etwa gleichen Zeit kommen in der Stadt auch eine trauernde Witwe, die verzweifelt auf der Suche nach dem Mörder ihres Ehemanns (in der dt. Synchro geht es um ihren Vater!?) ist und ein frecher Messerwerfer an, dessen Gründe im Dunklen verborgen liegen. Teng Piao muss im Folgenden nun mehrere Mordversuche verhindern sowie Doppelkreuze (die in Hülle und Fülle vorhanden sind) vereiteln, wobei er zu erkennen beginnt, wem er vertrauen kann und wem nicht, während er sich Schwarzer Leopard langsam nähert.

Chor Yueng stellt mit Der Mann mit der Stahlkette einen interessanten film noir Kung-Fu-Film auf die Beine. Femme fatales, junge Damen mit verborgenen Motiven, Helden, denen Unrecht angetan wurde und eine Menge an Täuschungen – der Plot könnte beinahe aus der Feder von Dashiell Hammett stammen, wenn auch in entschieden fern-östlichem Stil. Er präsentiert sich zwar nicht ganz so wasserdicht, wie der von The Maltese Falcon, doch hier wird zumindest versucht eine spannende Geschichte auszubalancieren, ohne das Ganze zu komplex oder zu schwierig zu Folgen zu gestalten. The Convict Killer mischt die üblichen McGuffins und twists&turns in die Handlung ein, während diese gleichzeitig auch noch mit dem unvergleichlichen Chor Yueng-Stil gewürzt wird. Eine Szene grenzt bereits an Selbstparodie (eine ganze Abfolge von Verrat und Schurkerei in einer bestimmten „kurzen“ fünfminütigen Sequenz), obwohl hier viel weniger parodiert wird, als in einigen von Chor Yuengs Gu Long-inspirierten Schwertkampf-Extravaganzen.

Der Regisseur nutzt eine Reihe von sound stages, um diese Geschichte mit unterschiedlichem Erfolg zu erzählen. Da The Convict Killer zu einer Zeit entstanden ist, in der Golden Harvest und verschiedene andere unabhängige Studios externe Örtlichkeiten nutzten, vermittelt der Streifen ein sehr nostalgisches Gefühl. Einige Szenen fühlen sich durch die Indoor-Sets eingeschränkt an und möchten sich scheinbar verzweifelt aus dieser Eingeschränktheit befreien, um die Landschaft der Welt, in der sie existieren, erkunden zu können. Währenddessen andere Momente eindeutig von der künstlerischen Inszenierung des Films profitieren, insbesondere das Ende, wo sich die Charaktere in einer schneebedeckten Lichtung gegenüberstehen. Diese Sequenz mag zwar so künstlich aussehen wie eine West End Produktion, doch in diesem Fall funktioniert der Effekt gut genug, um als etwas Positives für den Film gewertet werden zu können.

Während die Schauplätze von ablenkend künstlich bis atmosphärisch reichen, bewegt sich auch die Choreografie der Action zwischen komplexer Innovation und vorhersehbarem Schwertkampf, doch die Geschichte sowie ihre Ausführung befinden sich dort, wo Chor Yuengs Herz schlägt. Die zahlreichen Konflikte zwischen dem Helden und einer Vielzahl von Angreifern wirken oft älter, als es der 41 Jahre alte Film vermuten lässt. Obwohl Der Mann mit der Stahlkette keinen Streifen darstellt, der diejenigen zufriedenstellen wird, die den kinetischen Rausch von Shaw Brothers bemerkenswerteren Filmen suchen, ist er doch so konstruiert worden, sodass man ihn sehr leicht zu schätzen wissen kann.

Cha chi nan fei wird durch das Selbstvertrauen des Mannes hinter der Linse und die hervorragende Besetzung zusammengehalten. Ti Lung spielt passend launisch als der aufgewühlte Teng Piao, während ihm mit Jason Piao Pai ein adäquater Gegenspieler entgegen gestellt wird. Ching Li wird in einer unterentwickelten Rolle leider eher verschwendet, obwohl sie eine Figur spielt, die sogar zur letzten Wendung beiträgt. Der Mann mit der Stahlkette mag vielleicht nicht in jedem Bereich gelungen sein, die Produktion hat jedoch dennoch genügend Qualität zu bieten, um beeindruckende 96 Minuten zu gewährleisten.

Die Nummer 11 der Shaw-Brothers-Collector’s-Edition ist bereits eingetroffen !!! filmArt bringt Der Mann mit der Stahlkette in Form einer Blu-Ray Veröffentlichung heraus, die wieder einmal über eine hervorragend saubere Bildqualität (2,35:1; 1080p) verfügt. Der Ton bietet mit der deutschen und der kantonesischen zwei Spuren, die befriedigend gut klingen. Hierfür können deutsche sowie englische Untertitel zugeschaltet werden. Als Extras beinhaltet die VÖ ein Artbook mit dem kompletten deutschen Aushangfotosatz des Films, eine Bildergalerie, eine Trailershow und den Originaltrailer. Die original deutsche Kinofassung kann auch in HD abgespielt werden. Ach ja, an ein Wendecover mit alternativem Covermotiv (deutsches Kinoplakat) ist ebenfalls gedacht worden. Chor Yueng bringt dem geneigten Martial-Arts-Fan mit Der Mann mit der Stahlkette zwar keinen außerordentlich brutalen oder emotional harten Kung-Fu-Film, doch der Streifen versteht es dafür weitgehend mit exzellenter Martial Arts zu überzeugen. filmArt präsentiert den Film erstmals in HD und bringt ihn erstmals offiziell (nach der VHS) in Deutschland in den Handel. Ungeschnitten!

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  • Seitenverhältnis: 16:9 – 2.35:1
  • Alterseinstufung: ‎Nicht geprüft
  • Regisseur: Yuan, Chu
  • Medienformat: ‎Breitbild
  • Laufzeit: 1 Stunde und 36 Minuten
  • Darsteller: Lung, Ti, Piao, Jason Pai, Lau, Anthony, Li, Ching, Miao, Ching
  • Untertitel: ‏Deutsch, Englisch
  • Studio: ‎ filmArt

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Die Screenshots stammen nicht von dieser Edition !!!

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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