Dealer Connection – Die Straße des Heroins / La via della droga / The Heroin Busters

VHS – Edition

Rom ist zwar nur eine unbedeutende Drehscheibe im Heroinkarussell zwischen Asien, den USA und Europa, doch trotzdem setzt Mike Hamilton, Leiter streng geheimer Undercover-Operationen in der italienischen Hauptstadt, alles daran, den italienischen Drahtzieher zu schnappen. Ihm zur Seite steht der Drogenfahnder Fabio, der sich das Vertrauen des lokalen Drogenbarons Gianni erschleicht, um die Spitze zu enttarnen. Als in Rom eine Heroinknappheit droht, soll Fabio mit zwei Gangstern für Gianni die Asservatenkammer der Stadt ausrauben. Doch der Stoff ist mit einem Peilsender präpariert, den die Gangster bei der ersten „Qualitätsprobe“ finden. Damit ist Fabios Tarnung erledigt! Mit offenem Visier schreitet er zur Tat, um den obersten Boss zu erwischen…

Kurzinhalt inkl. Spoiler !!!

Das von Mike Hamilton (David Hemmings) geleitete Bureau of International Narcotics and Law Enforcement Affairs in Rom, ist davon überzeugt, dass sich das Distributionszentrum des internationalen Drogenhandels in der italienischen Hauptstadt befindet und schleust deswegen den Undercover-Agenten Fabio (Fabio Testi) in die kriminelle Organisation ein. Fabio, der eine Menge Drogen von Hongkong nach Fiumicino geschmuggelt hat, gelingt es sich am Flughafen verhaften zu lassen. Auf diese Weise kommt er mit den kleinen Drogendealern Gilo (Wolfango Soldati) und Vera (Sherry Buchanan) in Kontakt, die weniger kriminell als selbst Opfer sind. Über die beiden gelingt es Fabio Giannis (Gianni Orlando) Bande zu infiltrieren. Hinter der Fassade eines pharmazeutischen Konzerns in Rom versteckt, verteilt Giannis Organisation das Heroin, das in einem geheimen Labor hergestellt wird. Obwohl er unter Mikes Beobachtung steht, stellt sich Fabios Aufgabe alles andere als einfach heraus, da Giannis Männer ihm misstrauen und der Polizei seine Mission nicht bekannt ist, die ihm deshalb mehrmals in die Quere kommt. Um Giannis Vertrauen gewinnen zu können, muss Fabio als Drogenkurier fungieren. Letztendlich von den Kriminellen entlarvt und gezwungen allein weiter zu kämpfen, wird Fabios Einsatz dennoch von Erfolg gekrönt sein.

Direkt nach Castellaris elegischem Western-Meisterwerk Keoma (1976) entstanden, bedeutet Dealer Connection – Die Straße des Heroins eine Rückkehr zum Lieblingsgenre des Regisseurs. Im Gegensatz zu Il grande racket (Racket) aus dem Vorjahr stellt das Ergebnis eine kalte und technisch zwar einwandfreie, jedoch übertrieben formalistische Stilübung dar, bei der es Castellaris dynamische Visuals und Adrenalin-geladene Actionsequenzen nicht vermögen die vielen Löcher in einem Comic-artigen Skript, das vor langweiligen Charakteren nur so strotzt, zu stopfen. Angefangen mit Fabio Testi als Undercover-Cop mit ungewöhnlichem Aussehen, der gegen einen in Rom ansässigen internationalen Drogenring kämpft, der Heroin aus der Dritten Welt in die USA vertreibt. Es ist kein Zufall, dass die meisten Nebenrollen von Castellaris regulären Stuntleuten gespielt werden, denn was hier zählt, sind im Wesentlichen die Action-Sequenzen.

Die aufwendige sowie spannende Eröffnungssequenz, in der Mike (David Hemmings, der hier einen fast identischen Charakter wie in Bruno Corbuccis Squadra antitruffa / Der Superbulle schlägt wieder zu spielt) und seine Männer einen Drogenkurier zu einem Hotel verfolgen, ist in seiner komplexen Konzeption Brian De Palma würdig, wobei die stilvolle Ausführung zu Castellaris Besten zählt. Doch selbst die normalerweise scharfen Schnitte des Regisseurs – insbesondere der Dialogaustausch zwischen Testi und Gilo auf der Treppe, zwischengeschnitten mit schnellen Einblendungen von Sherry Buchanan und Patrizia Webley, die sich dem lesbischen Liebesspiel hingeben sowie Soldatis Ermordung im Schmuckgeschäft – wirken am Ende eher künstlich und hastig arrangiert. Ganz besonders in einer affigen Storyline, die wenig überzeugend auf Tagesnachrichten zurückgreift und mit eklatanten Banalitäten angefüllt ist, wie der üblich ignoranten Sicht auf leichte Drogen. Dem Film zufolge wird jeder, der einmal einen Joint raucht, letztendlich Heroin drücken.

Schließlich zerfällt La via della droga als Film buchstäblich in seine Einzelteile. Die letzte halbe Stunde repräsentiert quasi eine lange, ununterbrochene Verfolgungsjagd – zu Fuß, mit dem Motorrad, Auto und Flugzeug (!?) – zwischen Testi (der mit Sicherheit in keinem anderen Film so viel Rennen musste, wie hier) und den Drogendealern, die am Stadtrand von Rom beginnt, durch den U-Bahnhof, die Thermen von Caracalla, den Flughafen und schließlich auf eine Autobahn führt. Das Ganze stellt eine wahre tour-de-force an Regieführung dar, eine Reihe von Bravourstücken, die auf der einen Seite Castellaris Status als einen der größten europäischen Actionfilmer des Jahrzehnts bestätigen sowie die Fähigkeit des Regisseurs aufzeigen, banal geschriebene Szenen in etwas wirklich Spannendes verwandeln zu können. Man nehme nur die Szene, in der Testi einen Drogendealer durch ein Stahlrohr erschießt oder das Segment, das sich in der römischen U-Bahn abspielt. Auf der anderen Seite betont all dies jedoch nur die Verbindlichkeit der Geschichte, die nicht einmal einer theoretischen Lesart standhält, wie es bei der narrativen Stilisierung von Racket noch der Fall gewesen war.

Goblins unvergesslicher (wenn auch nicht ganz auf Augenhöhe mit dem, den die Band gerade für Dario Argentos Suspiria geschrieben hatte) Score, der Funk, Psychedelia und Rock mit wilder Hingabe verbindet, passt perfekt in den Film. Dealer Connection – Die Straße des Heroins schnitt an den Kinokassen mäßig gut ab, allerdings nicht so gut, wie erwartet. Eventuell lag das an seiner Freigabe ab 18 Jahren.

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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