Der Phantom-Killer schlägt zu / Viaje al vacío / Shadow of Death

Denise (Teresa Gimpera) führt schon lange eine intensive Beziehung mit ihrem Schwager Peter (Larry Ward). Als ihr reicher Ehemann John dahinter kommt, dass seine Frau ihn mit seinem eineiigen Zwillingsbruder betrügt, rastet er völlig aus. Das Paar befürchtet daraufhin einen zukünftigen finanziellen Engpass und beschließt den Betrogenen in den Wahnsinn zu treiben, um so eine Entmündigung in die Wege zu leiten. Der Plan wird durch die Mithilfe eines mysteriösen Dritten durchgeführt, der vorgibt ein Ex-Lover von Denise zu sein. In Kürze glaubt John unter Wahnvorstellungen zu leiden, doch ein falscher Schachzug der gegnerischen Partei dreht den Spieß um… (Cineploit Records)

Der Phantom-Killer schlägt zu repräsentiert einen brauchbaren, doch letztendlich ziemlich absurden Giallo von Regisseur Javier Seto, der am Drehbuch mitgeschrieben hat und sich auch für einen Teil der ursprünglichen Geschichte verantwortlich zeichnet. Anfangs stellt der Film ein faszinierendes Setup dar, das viele Möglichkeiten offenbart, doch der fertige Streifen ähnelt eher einer ausgedehnten Folge, die für eine Krimi-Anthologie-Show entworfen wurde. Vielleicht wäre Viaje al vacío besser in einem solchen Format und in der Länge solcher Formate veröffentlicht worden.

Die junge Denise (Teresa Gimpera) hat ein Problem. Sie hat das Leben in der Kleinstadt mit ihrem erfolgreichen, jedoch langweiligen Geschäfts- und Ehemann John (Larry Ward) satt und sehnt sich nach Glamour, Aufregung und den hell grellen Lichtern von Paris. Eine Affäre mit Johns Zwillingsbruder Peter (auch Larry Ward) hilft nicht wirklich viel, wobei sich die beiden danach sehnen, frei von Johns Kontrolle zu sein. Ihre gemeinsame Verschwörung gegen John gerät allerdings arg ins Stocken, bis sich ihnen neue Gelegenheiten in Form von Gert Müller (Giacomo Rossi Stuart) bieten. Der ist nämlich eine alte Flamme aus Denises trüber Vergangenheit und verlangt Geld, um über Denises und Peters Geheimnis zu schweigen. Also setzen unsere beiden „Unzertrennlichen“ einen lang gehegten Plan in die Tat um und nutzen sowohl Peters Job als Apotheker (der für John in dessen Apotheke arbeitet), als auch Johns Epilepsie dafür aus.

Als Peter bei seinem Bruder einen Anfall auslöst, um John ein paar Tage lang unter Verschluss halten zu können, kann er sich als sein Bruder ausgeben. In dieser Gestalt schläft er mit seiner eigenen gelegentlichen Freundin Annie (Silvana Venturelli) und trifft sich „rein zufällig“ mit Rossi Stuart bei der Geldübergabe. Danach wenden er und Denise eine Mischung aus Medikamenten, Elektroschocktherapie und nachgestellten Szenen (von Peters Aktionen) an, um John davon zu überzeugen, dass er es war, der all diese Dinge getan hat. Später, als John aus seinem Zustand der „Bewusstlosigkeit“ heraus manövriert wird, glaubt er, Rossi Stuart getötet zu haben und der Plan John in eine Institution für Geisteskranke zu stecken, so dass Peter die Finanzen seines Bruders übernehmen kann, kommt langsam ins Rollen.

Ja, es stimmt, die Prämisse ist etwas schwer zu schlucken. Anscheinend ist Peter mit Gehirnwäsche-Techniken vertraut, weil er sah, wie sie in Vietnam praktiziert wurden. Allerdings ist dieser Aspekt als ein wenig zu schwammig zu bezeichnen, da man keine weiteren Informationen über seine Erfahrungen erhält. Außerdem springt die Glaubwürdigkeit während des letzten Aktes förmlich aus dem Fenster, wobei der Plot auf der dünnen Linie zwischen dem Unwahrscheinlichen und dem Unglaublichen hin und her taumelt. Der konsequente Fokus auf die Hauptfiguren verleiht den Ereignissen zusätzlich ein Gefühl von Begrenztheit. Sicher, es werden ein paar Ärzte konsultiert und die Polizei schnüffelt ein bisschen herum, doch letztendlich können die sich kein vernünftiges Bild machen. Auf der positiven Seite kann vermerkt werden, dass Teresa Gimpera ganz ausgezeichnet eine eiskalte Femme Fatale abgibt, während Larry Ward in seiner Doppelrolle eigentlich nur angemessen agiert.

Ward war ein amerikanischer Schauspieler, der hauptsächlich fürs Fernsehen arbeitete. Zunächst in Western, wo er auch eine Hauptrolle in der kurzlebigen Serie The Dakotas von 1962 bis 1963 innehatte. Im Laufe des Jahrzehnts diversifizierte er sich und trat in Serien wie Lost In Space (Verschollen zwischen fremden Welten, 1965-1968), The Fugitive (Auf der Flucht, 1963-1967), The Outer Limits (1963-1965), The Time Tunnel (1966-1967), The Invaders (Invasion von der Wega, 1967-1968) und vielen anderen auf. In den späten 60er Jahren übernahm er einige Rollen in italienischen Filmen, hauptsächlich in Western Flicks wie Dio non paga il sabato (Die sich in Fetzen schießen, 1967) und Sapevano solo uccidere (Mein Leben für die Rache, 1968), bevor er in den 70er Jahren wieder ins US-Fernsehen wechselte. Außerdem spielte er im schlecht angesehenen philippinischen Horrorfilm The Deathhead Virgin (1974) mit, für den er auch das Drehbuch mit verfasst hat. Teresa Gimpera war nach einer langen Karriere noch bis 2016 aktiv. Sie tauchte u.a. in Jess Francos schwachem Eurospy-Thriller Lucky, el intrépido (Lucky M. füllt alle Särge, 1967) auf und konnte auch eine Hauptrolle in Victor Erices gefeiertem Arthouse-Film El espíritu de la colmena (Der Geist des Bienenstocks, 1973) ergattern. Einem Film, den Guillermo Del Toro als maßgeblichen Einfluss auf seine Arbeit anerkannt hat.

Giacomo Rossi Stuart begann seine Karriere mit biblischen Epen, Schwert- und Sandalenfilmen sowie Western, bevor er in The Last Man on Earth (Ich bin Legende – Last Man on Earth, 1964) neben Vincent Price auftrat. Es folgten Rollen in Filmen von Horror-Maestro Mario Bava wie I coltelli del vendicatore (Eine Handvoll blanker Messer, 1966) und Operazione paura (Die toten Augen des Dr. Dracula, 1966) vor dem Eurospy-Thriller Perry Grant, agente di ferro (Die Waffe des Teufels, 1966) und einigen Auftritten als heldenhafter Commander Rod Jackson in Weltraumopern unter der Regie von Antonio Margheriti (Il pianeta errante / Orion 3000 – Raumfahrt des Grauens und La morte viene dal pianeta Aytin / Dämonen aus dem All). Das nächste Jahrzehnt brachte eine Reihe von weiteren Giallo-Ausflügen mit sich, darunter Concerto per pistola solista (Konzert für eine Pistole, 1970) und Sette scialli di seta gialla (The Crimes of the Black Cat, 1972). Bis zum Ende des Jahrzehnts wurde er jedoch zu Material wie Alfonso Brescias schrecklichem Star Wars (Krieg der Sterne, 1977) Rip-Off La guerra dei robot (Krieg der Roboter, 1978) herabgestuft. Er blieb bis Ende der 80er Jahre aktiv und starb 1994. Letztendlich repräsentiert Der Phantom-Killer schlägt zu einen mittelmäßigen Giallo, der ein akzeptables Maß an Unterhaltung bietet, gegen Ende allerdings eine absichtliche Vermeidung von kritischem Denken und Logik erfordert.

Ausstattung:

  • Weltweite 2K Blu-Ray Premiere!
  • Exklusiv produziertes Featurette mit Christian Keßler (24 Minuten, wie gewohnt unterhaltsam und enorm informativ)
  • Internationale Bildergalerie
  • Vollständiger separat abspielbarer Score
  • Hardcover Mediabook mit partieller Veredelung
  • 28 Seiten Booklet mit einem interessant geschriebenen Essay von Udo Rotenberg in deutsch und englisch veredelt mit internationalem Werbematerial.
  • Doppelseitiges Poster mit den beiden italienischen Locandias.
  • 4 verschiedene Covervariationen, 2 italienische, 1 spanisches, 1 deutsches Motiv in einer nummerierten & limitierten Auflage von 300/300/300/250/300 Stück.

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  • Seitenverhältnis : 16:9 – 1.66:1
  • Alterseinstufung : Freigegeben ab 16 Jahren
  • Regisseur : Seto, Javier
  • Medienformat : Breitbild
  • Laufzeit : 1 Stunde und 25 Minuten
  • Darsteller : Stuart, Giacomo Rossi, Ward, Larry, Polack, Sanchez, Venturelli, Silvana, Gimpera, Teresa
  • Untertitel: : Deutsch, Englisch
  • Sprache, : Italienisch (DTS-HD 2.0), Deutsch (DTS-HD 2.0), Englisch (DTS-HD 2.0), Französisch (DTS-HD 2.0)
  • Studio : Cineploit Records

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Die Szenenbilder stammen nicht von dieser Edition !!!

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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