Destroyer

Ein Mordfall wie jeder andere – so scheint es. Erin Bell (Nicole Kidman), Polizistin in Los Angeles wird schnell eines Besseren belehrt: Indizien am Tatort deuten darauf hin, dass eine verschollen geglaubte Person aus ihrer Vergangenheit wieder zurück ist. Silas (Toby Kebell) ist der Grund, warum Erin heute ein Schatten ihrer selbst ist, eine gebrochene, innerlich wie äußerlich zerstörte Frau, die durch ihr Leben stolpert wie eine Untote. 17 Jahre sind vergangen, seit Erin als verdeckt arbeitende FBI-Agentin Silas zum ersten Mal auf der Spur war. Damals endete die Ermittlung in einer Katastrophe. Jetzt sieht Erin die Gelegenheit gekommen, ihre Sünden von einst wieder gut zu machen und Silas zur Strecke zu bringen. Koste es, was es wolle… (Concorde Home Entertainment)

Erin Bell wird zum Tatort eines Mordes gerufen. Die Sonne brennt an diesem Morgen bereits unerbittlich vom Himmel, etwas zu grell für die heruntergekommene Erin, die zum Tatort torkelt und längst zum Gespött ihrer Kollegen geworden ist, die nur ungern mit ihr zusammenarbeiten. Im ausgetrockneten Kanalbecken liegt eine männliche Leiche. Ein lilagefärbter 100-Dollar-Schein zieht Erins Aufmerksamkeit auf sich. Beim genaueren Hinsehen erkennt sie außerdem ein von Haaren verdecktes Nacken-Tattoo, Hinweis auf eine Gang-Zugehörigkeit des Erschossenen – ein Zeichen, das schnell übersehen werden kann und Erin schlagartig 17 Jahre zurück katapultiert, in eine Zeit, wo sie noch nicht ungepflegt, in speckigen Jeans mit blutunterlaufenen, leeren Augen und versoffenem Blick umherwankte.

Das Skript von Phil Hay und Matt Manfredini stellt eine Kombination aus Burnout-Cop-Charakter-Studie und zwanghafter Suche nach Vergeltung dar – mit einer kniffligen Strukturierung, die dem scheinbaren Zyklus der Selbstzerstörung der Protagonistin einen Aspekt von Schlange-frisst-ihren-eigenen-Schwanz verleiht, der ziemlich clever entwickelt wurde, jedoch gleichzeitig auch ein bisschen mogelnder Natur ist. Es ist schon beinahe als komisch schmierig anzusehen, wenn Erin einem sterbenden Gauner (James Jordan) einen Hand-Job verabreicht, um Informationen zu erhalten oder einen Leibwächter durch Kotzen auf dessen Schuhe ablenken kann und dann aus dem Weg räumt. Allerdings gönnt sich die Handlung des Öfteren eine Auszeit vom hardboiled-noir, um das Publikum an den Überbleibseln ihrer zwischenmenschlichen Beziehungen teilhaben zu lassen. Diese Sequenzen beschäftigen sich mit Erins Ex-Freund (Scoot McNairy), ihrer entfremdeten Teenie-Tochter (Jade Pettyjohn), die offensichtlich unter schlechtem Einfluss steht und damit wie Erin gerade noch so ihr Leben sowie ihr Vorhaben auf die Reihe bekommt. Letztendlich hat sie sich einer letzten Konfrontation zu stellen, von der sie nicht erwartet, als endgültiger Sieger hervorzugehen.

Karyn Kusamas Stil verleiht dem Film eine gemächliche, düstere, beton-mäßig graue Atmosphäre, dreht aber mächtig auf, wenn unerwartete Gewalt losbricht. Destroyer repräsentiert dabei allerdings nicht den ersten weiblichen Cop-Film a la Bad Lieutenant, da Jennifer Jason Leigh in Rush (Fieberhaft – Undercover in der Drogenhölle, 1991) sowie Theresa Russell in Impulse – Von gefährlichen Gefühlen getrieben (1990) diese Wege bereits schon beschritten hatten und versprüht auch nicht ganz die Art von Authentizität, die in James Ellroys oder Abel Ferraras Filmen zu finden ist. Das Publikum befindet sich während des gesamten Streifens in Erins Kopf, wodurch ihre Obsessionen in den Vordergrund treten und weswegen es Kebbell schwer gemacht wird, Silas als enigmatisch unwiderstehlichen Meisterschurken, irgendwo zwischen Charles Manson und Keyser Soze, zu etablieren. Erins Verwandlung von einer ziemlich normalen Verliererin in eine verbitterte Rächerin hätte noch etwas ausgefeilter gestaltet werden können, um ihrem Niedergang und ihrer Entwürdigung (die, wie sich herausstellt, lange vor ihrem Undercover-Dasein eingesetzt hat) einen heldenhafteren Bogen zu gewähren. Trotzdem erweist sich Destroyer als ein spannender und harter, gleichzeitig aber auch als recht gefühlvoller sowie berührender Film, den man durchaus empfehlen kann.

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Darsteller: Nicole Kidman, Tatiana Maslany, Sebastian Stan, Toby Kebbell, Bradley Whitford
Regisseur(e): Karyn Kusama
Format: Breitbild
Sprache: Englisch, Deutsch (Dolby Digital 2.0)
Region: Alle Regionen
Bildseitenformat: 16:9 – 2.40:1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Concorde Home Entertainment
Produktionsjahr: 2018
Spieldauer: 122 Minuten

Diese BluRay sowie das Bildmaterial wurde uns freundlicherweise von Concorde Home Entertainment zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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