Blutspur im Park / Una farfalla con le ali insanguinate

Eine Stadt unter Schock: Eine französische Studentin wird ermordet in einem Park aufgefunden – ihr Körper übersäht mit Messerstichen. Der Verdacht fällt auf den Fernsehmoderator Alessandro Marchi. Dieser beteuert zwar seine Unschuld, doch die Indizien scheinen eindeutig, sodass er trotz der engagierten Verteidigung seines Anwalts Giulio Cordaro und der entlastenden Aussage des rätselhaften Giorgio, der gerade erst in das Leben von Marchis Tochter Sarah getreten ist, schuldig gesprochen wird. Doch Inspector Berardi muss seine Ermittlungen schon bald wieder aufnehmen, als weitere Frauen tot aufgefunden werden. Es scheint, als wäre der Falsche verurteilt worden. Doch wer ist dann der wahre Mörder? (Camera Obscura)

Ähnlich wie Michele Lupos Konzert für eine Pistole (1970) wird auch Blutspur im Park mit Klängen von Tschaikowskys Klavierkonzert Nummer 1 eröffnet, doch während der Lupo-Streifen damit von Anfang an einen verspielten Ton etablierte, wird die Stimmung im Tessari-Film viel nüchterner gehalten. Duccio Tessaris zweiter Giallo nach Das Grauen kam aus dem Nebel (1970) präsentiert sich genauso düster wie sein Vorgänger, mit komplizierter Struktur, die Rückblenden in Rückblenden und viele Hinweise beinhaltet, die im Offenen verborgen liegen. In der Eröffnungsmontage werden alle Hauptfiguren vorgestellt und mit Hilfe von Untertiteln erläutert in welcher Beziehung sie zueinander stehen. Eine neuartige und gleichzeitig sinnvolle Idee, denn die Liste der Verdächtigen ist lang und die Geschichte so strukturiert, dass man ohne „Notizblock“ möglicherweise den Überblick über das Geschehen verlieren könnte. Dieser Aspekt kann auf Erstbetrachter ein wenig befremdlich wirken, weswegen Blutspur im Park mit wiederholter Sichtung an Qualität gewinnt. Weiß man bereits, wie sich die Handlung entwickelt, kann man das Geschick und die Kunstfertigkeit, mit der der Film montiert wurde, besser zu schätzen wissen. Wie schon in Tessaris oben erwähntem Death Occurred Last Night gestaltet sich die Stimmung auch hier sehr melancholisch. Die verschiedenen Charaktere stechen sich gegenseitig in den Rücken, während sie in sexuellen Affären und anderen zwielichtigen Geschäften involviert sind, doch das zentrale Drama hat eine gewisse Gefühlstiefe zu bieten, die man in diesen Filmen normalerweise nicht finden kann. Hinsichtlich dessen präsentiert sich besonders das Finale äußerst kraftvoll, da es sich sowohl als herzzerreißend, sowie dramatisch befriedigend erweist und gleichzeitig auch die Logik nicht aus den Augen verliert.

Tessari lässt enormen Stil und Elan in den Film einfließen, während die Nachbearbeitung von Gian Maria Messeri gelegentlich als wagemutig zu bezeichnen ist und sich der Ansatz des Rätsels zuweilen etwas verwirrend gestaltet. Am Ende fügt sich dann jedoch alles auf zufriedenstellende Art und Weise wieder zusammen. Der Regisseur versteht es dabei das Breitbildformat hervorragend zu nutzen, indem er seine Einstellungen mit visuell interessanten Details versieht und sich mit zahlreichen markanten Kamerabewegungen beschäftigt. Gianni Ferrios Musik ist sehr effektiv und bewegt sich von den klassischen Tönen Tschaikowskys hin zu funky 70er-Jahre-Vibes, ohne dass sie veraltet oder aufdringlich wirkt. Die Besetzung wird von Helmut Berger angeführt, der in den 60er-Jahren der Geliebte von Regisseur Luchino Visconti war, welcher die Präsenz seiner jungen Entdeckung in Filmen wie Die Verdammten (Götterdämmerung, 1969) und Ludwig II (1972) hervorhob. Es handelte sich dabei um eine turbulente Beziehung, die viel Aufmerksamkeit von den Skandalblättern auf sich zog, doch Bergers attraktive Erscheinung und seine enigmatische Präsenz sicherten ihm auch viele Rollen in Filmen anderer Regisseure.

In Genre-Filmen wie Massimo Dallamanos Das Bildnis des Dorian Gray (1970) und Sergio Griecos Der Tollwütige (1977) entwickelte er sich zu einer auffallenden Präsenz, trat aber auch weiterhin in anspruchsvolleren Werken wie Vittorio De Sicas Der Garten der Finzi Contini (1970) und Joseph Loseys Die romantische Engländerin (1975) auf. Nach Viscontis Tod im Jahr 1976 erwiesen sich Bergers Karriereentscheidungen als unberechenbarer, weswegen er als exzentrischer Off-Screen-Schnösel mehr Bekanntheit erlangte, als seriöser Schauspieler auf der Leinwand. Berger hat hier für einen Großteil des Films nicht viel zu tun, doch sein Charakter gewinnt in der zweiten Hälfte des Streifens an Persönlichkeit. Er macht das Beste aus seinen Möglichkeiten und hat ein paar denkwürdige Momente zu bieten. Später sollte er noch im Grenz-giallo Act of Revenge (1989) auftauchen. Bekannte Giallo-Gesichter wie Ida Galli (Un bianco vestito per Marialé) und Silvano Tranquilli (La tarantola dal ventre nero) spielen ihre Rollen in guter Form, während die deutsche Ko-Finanzierung zu Auftritten für Günther Stoll (Cosa avete fatto a Solange?) und den ehemaligen Dr. Mabuse Wolfgang Preiss führte.

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Darsteller: Helmut Berger, Carole Andre, Günther Stoll, Wolfgang Preiss
Regisseur(e): Duccio Tessari
Format: Breitbild
Sprache: Italienisch (PCM2 .0), Deutsch (PCM2 .0)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 2.35:1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Camera Obscura
Produktionsjahr: 1971
Spieldauer: 99 Minuten

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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