Die fliegende Guillotine 3 / Xue fu rong / The Vengeful Beauty

Um seine Verbrechen zu vertuschen, lässt Kaiser Yung Cheng seinen Chefoffizier und dessen Familie umbringen. Dessen Ehefrau Rong Qiu-Yan überlebt das Massaker jedoch und begibt sich in der Folgezeit auf einen blutigen Rachefeldzug, der sie direkt in den Kaiserpalast und in einen ultrablutigen Showdown führt. (Shock Entertainment)

Die fliegende Guillotine der Shaw Brothers Studios aus dem Jahr 1975 war ein großer Erfolg und brachte eine verworrene Reihe von Fortsetzungen und Rip-Offs hervor. Das Studio ließ sein eigenes offizielles Sequel, Can ku da ci sha (Die fliegende Guillotine 2, 1978), nach Problemen am Set und einem Wechsel des Regisseurs ab der Mitte des Drehs, erst verhältnismäßig spät veröffentlichen. Dies öffnete Jimmy Wang Yu (Wang Yu – Sein Schlag war tödlich, Eine Faust wie ein Hammer) die Türen, um seinem ehemaligen Studio eins auszuwischen und seine eigene inoffizielle Fortsetzung, Duell der Giganten (1976), zu drehen. Vier stahlharte Fäuste (1977), ein freches taiwanesisches Knock-Off, schlich sich sogar noch ein, bevor Die fliegende Guillotine 2 schließlich fertig war.

Der Regisseur des ersten Flying Guillotine-Films, Meng Hua Ho, hatte jedoch das letzte Wort und schloss 1978 die lose verwandte Filmsammlung mit Die fliegende Guillotine 3 ab. 2012 gab es ein Remake, was allerdings einer Katastrophe gleich kommt, weswegen es hier ignoriert werden soll. Wie die meisten Filme der Shaw Brothers war The Vengeful Beauty in Deutschland lange Zeit nur recht schwierig zu bekommen, doch Shock Entertainment haben den Flick zu ihrer Collection hinzugefügt und Nischenkino hat sich ein Exemplar besorgt, um mal ein kritisches Auge darauf zu werfen.

Die fliegende Guillotine 3 spielt in einer Zeit, in der Kaiser Yung Cheng (Hung Wei) vorgibt, China friedlich zu regieren, aber heimlich die Ermordung von Personen (sowie ihrer Familien und Mitarbeiter) anordnet, die seine Herrschaft auch nur im Entferntesten in Frage stellen. Diese Morde werden von der gut ausgebildeten Truppe der Fliegenden Guillotinen begangen, die mit ihren Mord-Geräten Menschen aus der Ferne enthaupten können. Han Tien-Te (Sung-Ling Li) ist eines ihrer Opfer. Als seine Frau Yung Chiu-Yen (Ping Chen) nach Hause zurückkehrt und ihn dort tot auffindet, macht sie sich auf den Weg, um den Truppenführer Jin Gangfeng (Lieh Lo) zu finden sowie ihn für seine Tat zu bestrafen. Sie ist eine hochqualifizierte Kampfkünstlerin und steht kurz davor Jin zu besiegen, da sie jedoch schwanger ist und ihrem Ehemann schwor, ihr ungeborenes Kind um jeden Preis zu schützen, zieht sie sich vom Kampf zurück und versteckt sich stattdessen, um zu planen, wie Jin zu einem späteren Zeitpunkt am besten getötet werden kann.

Auf ihrem Weg trifft Yung auf Wang Chun (Hua Yueh), einen alten Verehrer, der einst mit ihr gemeinsam Kampfkunst trainiert hat und lernt Ma Shen (Norman Chu) kennen, einen Überläufer der Fliegenden Guillotinen, der ebenfalls vor Jin und seinen Männern auf der Flucht ist. Beide Männer stehen mehr als nur vorübergehend auf Yung, was zu Komplikationen führt. Dennoch hält das Trio zusammen, um regelmäßige Angriffe abzuwehren und einen Weg zu finden, um Jin nahe zu kommen, der in der Zwischenzeit seine zwei Söhne und seine einzige Tochter losgeschickt hat, um sie zu töten.

Der Film ist voller Kampfszenen mit relativ wenigen Ausfallzeiten zwischen den Zusammenstößen. Die Choreografie stellt wohl nichts Besonderes dar, ist allerdings als recht solide zu bezeichnen und bereitet trotzdem eine Menge Spaß. Ping Chen versteht es als Kampfkünstlerin auch nicht immer ganz zu überzeugen, doch sie liefert eine angemessen gute Vorstellung ab, also kommt sie damit durch. Was die Actionszenen jedoch unvergesslich gestaltet, sind einige der ungewöhnlichen und oftmals geradezu albernen Vorgänge. Zu den verrückten fliegenden Guillotinen selbst gesellen sich Bösewichte, die sich in Statuen verstecken; Kämpfer, die lebensechte Masken ihres Meisters tragen und sogar eine „überflüssige“ Oben ohne Kampfszene mit einer Attentäterin.

Wer schon immer eine besondere Vorliebe für die „Alles geht“-Haltung von Hongkong-Actionfilmen dieser Ära hatte, wird sich hier im Himmel wähnen. Bemerkenswert sind auch einige Sequenzen, die Szenen aus dem neueren Tiger & Dragon (2000) ähneln. In einer kann man beobachten, wie unsere Heldin bei einem Nachtangriff über die Dächer schleicht und springt, während man in einer anderen einen Kampf in einem Bambuswald bewundern kann, einschließlich einiger schwerkraftwidriger Kletteraktionen auf den schlanken Stämmen.

Der Film sieht auch gut aus, mit attraktiver Rahmung, die das breite Spektrum und das übliche farbenfrohe und aufwändige (wenn auch eher künstlich aussehende) Produktionsdesign der Shaw Brothers nutzt. Die Aspekte des Liebesdreiecks und der Schwangerschaft verleihen der ansonsten standardisierten Rachegeschichte etwas mehr Würze. Natürlich erweist sich die gesamte Angelegenheit als ziemlich melodramatisch, was jedoch bedeutet, dass man hier auch Charaktere hat, mit denen man mitfiebern kann. Das Schwangerschaftsthema ebnet auch den Weg für eine zutiefst schockierende Sequenz, die hier nicht gespoilert werden soll. Shaw Brothers Filme sind bekannt dafür manchmal auch etwas blutig zu sein, doch diese Szene erweist sich selbst für ihre Verhältnisse als recht verstörend, insbesondere bei einer ansonsten unkomplizierten Darstellung von Schwerthieben und den kuriosen Enthauptungen.

Alles in allem beschreitet Die fliegende Guillotine 3 innerhalb seines Genres keine neuen Wege und wird diejenigen ohne eine Vorliebe für Kung-Fu-Filme nicht überzeugen, doch er repräsentiert einen soliden, actiongeladenen Rachefilm aus den Tresoren der Shaw Brothers Studios, den man durchaus sehr genießen kann. Mit lustigen Tricks in der Hinterhand, einem rasanten Tempo und einer entsprechend toughen sowie klugen Heldin stellt der Streifen ein wahres Vergnügen für Hongkong Actionfans dar.

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  • Seitenverhältnis : 16:9 – 2.35:1
  • Alterseinstufung : Nicht geprüft
  • Regisseur : Meng-Hua, Ho
  • Medienformat : Breitbild
  • Laufzeit : 1 Stunde und 23 Minuten
  • Darsteller : Lieh, Lo, Yin-Yin, Shaw, Siu-Keung, Norman Chu, Hua, Yueh, Ping, Chen
  • Untertitel: : Deutsch
  • Sprache, : Mandarin (DTS-HD 2.0), Deutsch (DTS-HD 2.0)
  • Studio : Shock Entertainment

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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