Die Mafia kennt keine Gnade – Mean Johnny Barrows

Unehrenhaft aus dem Militärdienst entlassen kehrt Vietnamveteran Johnny Barrows in seine Heimatstadt Los Angeles zurück. Bei der Ankunft wird er gleich ausgeraubt und hat mangels Alternative keine andere Wahl als sich mit einem undankbaren Job als Putzmann bei einer Tankstelle abzufinden. Er könnte mit einem Schlag 100.000 US-Dollar verdienen, wenn er sich als Killer für einen italienischen Gangster anheuern lassen würde… (Cargo Records)

Wer ist Johnny Barrows? Blaxploitation-Ass Fred Williamson spielt den ehemaligen Football-Star Johnny Barrows, der nach seiner NFL Karriere in Vietnam diente und dort mit mehreren Silbersternen ausgezeichnet wurde. Als Soldat hat er unzählige Menschen getötet, doch er erklärt immer sofort, dass er als Zivilist nicht das Gleiche tun würde. Sogar nach Kriegsende blieb Johnny in der Armee und unterrichtete neue Rekruten. Er war gut in seiner Arbeit, eines Tages jedoch beschloss ein rassistischer Offizier Johnny einen dummen Streich zu spielen. Während einer Trainingsübung versteckte dieser Offizier eine scharfe Landmine auf dem Trainingsgelände. Nachdem Johnny auf die Mine getreten war und sie glücklicherweise entschärfen konnte, schlug er sofort auf den Offizier ein. Das Ergebnis? Eine unehrenhafte Entlassung und die Lehre, dass Frieden die Hölle ist. Nun kehrt Johnny nach Los Angeles zurück und muss feststellen, dass das Land, für das er gekämpft hat, nicht bereit ist, für ihn zu kämpfen. Wegen seiner unehrenhaften Entlassung ist Johnny nicht in der Lage einen guten Job zu finden. Weil er keinen Job finden kann, ist es ihm nicht möglich sich eine Wohnung zu leisten, weswegen Johnny auf der Straße leben muss. Sein einziger Freund ist ein selbst beschriebener Philosophieprofessor (Elliott Gould, in einem amüsanten Cameo-Auftritt), der Johnny alles über Suppenküchen beibringt.

Als Johnny ein italienisches Restaurant betritt, um nach Essen zu fragen, muss er schockiert feststellen, dass der Besitzer Mario Racconi (Stuart Whitman) ihn erkennt. Mario meint, er hätte in einem High-School-Footballspiel gegen Johnny gespielt. Vielleicht ist Johnnys Schock darauf zurückzuführen, dass Mario mindestens zehn Jahre älter zu sein scheint als er. Mario gibt Johnny etwas zu essen und bietet ihm sogar einen Job an. Johnny erkennt, dass die Arbeit mit dem Mob zu tun hat und sagt Mario ab, da er nicht gegen das Gesetz verstoßen möchte… An dieser Stelle stößt man nun auf ein Problem mit dem Originaltitel des Films, der Film trägt nämlich den Titel Mean Johnny Barrows, doch bisher war Johnny alles andere als gemein oder fies. Andererseits hört sich Mild Johnny Barrows auch irgendwie unpassend an. Wie auch immer es sei, Johnny versucht Ärger aus dem Weg zu gehen. Es gelingt ihm sogar einen erniedrigenden Job zu ergattern und zwar als Kloputzer bei einer Tankstelle. Sein Chef (R.G. Armstrong) stellt sich jedoch als echter Idiot heraus und Johnny möchte seine Würde gerne behalten, egal wie sehr die Welt ihm diese nehmen will. Schließlich willigt Johnny ein mit der Racconi-Familie zusammenzuarbeiten. Letztendlich freundet er sich nicht nur mit Mario an, sondern verliebt sich auch in Marios Freundin Nancy (Jenny Sherman).

Leider sind nicht alle Mafia-Familien so gutherzig und großzügig wie die Racconi-Familie. Die Familie der Da Vincis will Los Angeles mit Drogen überfluten, denn dabei handelt es sich um Tony Da Vincis (Roddy McDowall) Masterplan. Tony ist bestrebt sich seinem Vater zu beweisen und wie könnte man das besser machen, als Heroin zu schmuggeln? Tony liebt auch Blumen, weil … nun, warum nicht? Wie auch immer, als die Racconis gegen Tonys Plan protestieren, bricht ein Mafia-Krieg aus. Beinahe alle Racconis werden getötet, weswegen es für Johnny Barrows jetzt an der Zeit wäre, seinen weißen Anzug anzuziehen, eine Waffe zu nehmen und sich für seine Ersatzfamilie zu rächen.

Es gibt einige ziemlich offensichtliche Probleme mit Mean Johnny Barrows, nicht zuletzt die Besetzung von Roddy McDowall – dem wahrscheinlich am wenigsten italienischen Schauspieler in der Geschichte des Kinos – als skrupellosen Mafioso. Nachdem Fred Williamson in mehreren erfolgreichen Blaxploitation Filmen mitgespielt hatte, gab er mit Mean Johnny Barrows sein Regiedebüt. Williamsons Unerfahrenheit als Regisseur scheint in fast jeder Minute von Die Mafia kennt keine Gnade durch. Obwohl er mit den Actionszenen gut zurechtkommt, scheint sich Williamson in anderen Teilen des Films nicht einmal sicher zu sein, wohin er die Kamera richten soll. Beinahe jede Rolle wurde fehlbesetzt, weswegen sich die schauspielerischen Leistungen ziemlich inkonsistent präsentieren. Williamson selbst liefert allerdings eine recht gute Vorstellung ab (es ist offensichtlich, dass ihm seine Stärken und Schwächen als Schauspieler bewusst gewesen sind), während Elliott Gould eine unterhaltsame Kuriosität als Professor darstellt.

Wenn irgendetwas den Film retten kann, dann ist es, dass sich Williamsons Wut über den Umgang Amerikas mit seinen Veteranen aufrichtig anfühlt. Das Herzstück des Films liegt in der ersten Hälfte, in der Johnnys Kampf ums Überleben von einem Tag auf den anderen beschrieben wird. Auch wenn Williamsons Regie oft auf wackeligen Beinen steht, kommt der Zorn des Films so authentisch rüber, dass man sich in Johnnys Geschichte verlieren kann. Der Film endet mit einer richtig deprimierenden Erkenntnis, was darauf hindeutet, dass es keine Hoffnung gibt, Männer wie Johnny Barrows in Amerika finden zu können.

Cargo Records bringt Die Mafia kennt keine Gnade auf DVD heraus. Allerdings kann die DVD auf technischem Gebiet nicht sonderlich überzeugen. Das Bild wird in 1,78:1 Format präsentiert und kann durchaus als brauchbar bezeichnet werden. Es macht den Anschein, als würde es sich hier um einen noch recht guten VHS-Rip handeln. Beim Ton (DD 2.0) steht die deutsche Spur zur Verfügung, die sich gut hören lässt. Untertitel können nicht zugeschaltet werden. Ein Wendecover ohne FSK Logo ist vorhanden. Letztendlich kann man bei diesem Produkt nur eine bedingte Kaufempfehlung aussprechen. Der Film ist zwar gut konsumierbar und die technische Qualität der DVD geht auch noch in Ordnung, doch gerade bei einem Blaxploitation Streifen darf auf keinen Fall die Original-Tonspur fehlen.

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Darsteller: Fred Williamson, Elliott Gould, Roddy McDowall, Stuart Whitman, Leon Isaac Kennedy
Regisseur(e): Fred Williamson
Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0)
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 18 Jahren
Studio: Cargo Records DVD
Produktionsjahr: 1975
Spieldauer: 85 Minuten

Diese DVD wurde uns freundlicherweise von Cargo Records zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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