Die Nonnen von Clichy / Les démons / The Demons

Frankreich zur Zeit der Inquisition: Richter Jeffries lässt eine Hexe hinrichten und auf dem Scheiterhaufen verbrennen. Kurz vor ihrem Tod verflucht die Frau ihre Peiniger. Der Fluch soll sich in Form der beiden Töchter der Hexe, Kathleen und Margaret, erfüllen, die keusch in einem Kloster als Nonnen leben. Dies beunruhigt Lady de Winter, die daraufhin Nachforschungen anstellt. Als Kathleen den Jungfrauentest Lady de Winters nicht besteht, lässt diese sie der Hexerei anklagen und foltern. Derweil erhält Margaret Besuch vom Teufel, der sie über ihre Herkunft und ihre Aufgabe als Instrument der Rache aufklärt. Kathleen scheint verloren, doch was Lady de Winter nicht weiß: Ihr Ehemann, der sanftmütige Lord de Winter, ist der leibliche Vater der beiden Hexentöchter. Er ermöglicht Kathleen die Flucht, während ihre Schwester Margaret die Hinrichtung ihrer Mutter rächen will. (Wicked Vision)

Könnte es möglich sein, dass Ken Russells The Devils (Die Teufel, 1971) einen gewissen Jess Franco dazu inspiriert hat, The Demons (Die Nonnen von Clichy, 1973) zu drehen? Ja, könnte es, doch wenn es tatsächlich so gewesen sein sollte, so spielt es trotzdem kaum eine Rolle. Warum? Weil das Thema, abgesehen von einigen sehr kleinen frühen Projekten in Francos Werk eine ganz andere Funktion innehat. Was auch immer das gewählte Thema sein mag, Franco verwendet es im Wesentlichen nur als Ausgangspunkt für die Erschaffung eines einzigartigen Ambientes, das seinen Film mit Stil und Identität ausstattet. Der genau entgegengesetzte Prozess kommt in Mainstream-Filmen zum Vorschein, da dort das Thema im Wesentlichen alles andere bestimmt (den visuellen Stil, das Ambiente, die Music usw.). Zu Beginn von Die Nonnen von Clichy wird eine Frau beschuldigt eine Hexe zu sein und bei lebendigem Leibe auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Kurz bevor sie stirbt, verflucht sie den Hexenjäger und seine vertrauenswürdigen Assistenten.

Einige Jahre später scheint der Fluch bereits den beabsichtigten Schaden zu verursachen, als der Hexenjäger Lord Justice Jeffries (Cihangir Gaffari) und seine ungesund abnormalen Komplizen Lady De Winter (Karin Field) und Priester Thomas Renfield (Alberto Dalbes) allmählich die Kontrolle über ihre Emotionen verlieren und sich dabei selbst stark kompromittieren. Ihr Schicksal ist besiegelt, als Lady De Winter beschließt, Schwester Margaret (Britt Nichols) zu besuchen, die möglicherweise vom Teufel besessen ist. Da sie große Freude daran hat, das Böse in so jungen und schönen Kreaturen wie Margaret zu zerstören, arrangiert Lady De Winter schnell eine Untersuchung durch Lord Justice Jeffries, der Margaret sofort zur Hexe erklärt. Etwa zur gleichen Zeit sieht sich Margarets Schwester, die Nonne Kathleen (Anne Libert), satanischen Visionen ausgesetzt. Es entstehen Gerüchte, dass die beiden Frauen die Töchter derselben Hexe sein könnten, die vor Jahren ihre Henker verflucht hat.

Eine Reihe von wilden Ereignissen entlarvt die Henker letztendlich als Heuchler und führt zu ihrem Tod. Wie bereits angedeutet wurde, ist die Hauptgeschichte, die sich aus The Demons ergibt, kaum als aufregend oder originell zu bezeichnen, da die gesamte Hexenjagerei nämlich nur als eine Fassade für einige sehr verdrehte Charaktere fungiert, die sich dabei im Grunde genommen genau das holen, nach was sich ihre kranken Gehirne verzehren, ähnlich wie bei Junkies. Nun, es gibt auch einige Abschnitte, in denen es den Anschein haben mag, dass Franco wirklich daran interessiert ist, die Psyche seiner Charaktere zu erforschen, doch seine einzige Absicht ist es, das Ambiente der Zeit, in der sie existierten, so gut wie möglich zu rekreieren. Verständlicherweise liegt der Fokus der Aufmerksamkeit auf den einzigartigen Tests, die durchgeführt werden, um festzustellen, ob eine Frau in eine Hexe verwandelt worden sein könnte oder nicht sowie auf den aufwändigen Folterungen, die dann angewendet werden, um das Opfer dazu zu bringen, sich als Hexe zu bekennen. Die erotischen Spiele, welche die Verderbtheit der angeblich moralisch überlegenen Henker aufzeigen, dürfen selbstverständlich auch nicht fehlen.

Der Großteil dieses Films hat also recht viel grafischen Inhalt und, wenn überhaupt, nur sehr wenig ernsthafte Charakterentwicklung zu bieten. Man könnte sich jetzt fragen, ob all das oben Genannte den Film entweder ausmacht oder doch eher kaputt macht, da die Verschiebung zu den verschiedenen Ritualen und erotischen Spielen sofort seinen Rhythmus beeinflusst. Einerseits platziert Franco den Betrachter inmitten seiner persönlichen Interpretation des Wahnsinns, andererseits eliminiert er praktisch alle realisierbaren Möglichkeiten für den Betrachter, mit einer der Hauptfiguren zu sympathisieren. Der Kompromiss stellt sich nicht als unvermeidbar dar, doch repräsentiert er wahrscheinlich die einzige Möglichkeit, einen Film über Hexenjagd zu legitimieren.

Wicked-Vision veröffentlicht Die Nonnen von Clichy als Nummer 41 ihrer Collector’s Edition im Mediabook (BluRay), mit drei verschiedenen Cover-Motiven, die jeweils auf unterschiedliche Stückzahl limitiert sind. Bild (2,35:1 / 1080p) und Ton (Deutsch, Französisch und Englisch DTS-HD Master Audio 2.0) bewegen sich auf solidem Niveau, da kann man sich, wenn überhaupt, nur wenig beschweren. Deutsche oder englische Untertitel können auch zugeschaltet werden. Jess Francos Skandal-Film erscheint bei Wicked-Vision erstmals in der ungekürzten Fassung in High Definition, knapp 30 Min länger als die deutsche Kinofassung und komplett synchronisiert. Die fehlenden Minuten wurden unter Leitung von Dr. Gerd Naumann aufwendig nachsynchronisiert. Insgesamt handelt es sich bei Die Nonnen von Clichy wieder einmal um eine äußerst gelungene Mediabook-Edition mit enorm umfangreichem sowie interessantem Bonusmaterial. Über den Film selbst muss sich jedoch letztendlich jeder sein eigenes Urteil bilden.

Bonusmaterial:
• 24-seitiges Booklet mit einem interessanten sowie lesenswerten Essay von David Renske mit dem Titel K(l)eine Nonnenklischees in Clichy und einem kurzen Text zur Synchronfassung von Dr. Gerd Naumann
• 3 Schnittfassungen in High Definition plus Director’s Cut in SD auf Blu-ray
• Französische Langfassung erstmals komplett deutsch synchronisiert (118 Min.)
• Exportfassung in deutscher und englischer Sprache (88 Min.)
• Rekonstruierte deutsche Kinofassung (85 Min.)
• Director’s Cut in SD (101 Min.)
• Audiokommentar zur franz. Langfassung mit Dr. Rolf Giesen, Matthias Künnecke und Dr. Gerd Naumann
• Featurette: „Jess’s Demons“ – Ein Interview mit Jess Franco
• Featurette: „Exorcising Demons“ – Filmhistoriker Stephen Thrower über den Film
• Outtakes
• Deutscher Vorspann
• Vorspann ohne Credits
• Deutscher Trailer
• Französischer Trailer
• Englischer Trailer
• Bildergalerie

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  • Seitenverhältnis : 16:9 – 2.35:1
  • Alterseinstufung : Nicht geprüft
  • Regisseur : Franco, Jess
  • Medienformat : Breitbild
  • Laufzeit : 1 Stunde und 58 Minuten
  • Darsteller : Libert, Anne, Thomas, Doris, Field, Karin, Nicholas, Britt, Libert, Anne
  • Untertitel: : Deutsch, Englisch
  • Studio : Wicked Vision Distribution GmbH

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Diese Edition wurde uns freundlicherweise von Wicked Vision zur Verfügung gestellt.

Das Bildmaterial stammt nicht von dieser Edition!

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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