Die Stunde, wenn Dracula kommt

Die Stunde, wenn Dracula kommt (La maschera del demonio) ist ein Horrorklassiker von Mario Bava (Hatchet for the Honeymoon) – sein Erstlingswerk – aus dem Jahr 1960. International ist der Film, der außer dem deutschen Titel und kleinen Modifikationen in der Synchronfassung mit Dracula nichts zu tun hat, auch als Black Sunday (vor allem in den USA) und als Mask of Satan (England). Er erscheint nun restauriert als erster Teil einer neuen Mario Bava Collectors Edition (#1) bei Koch Media auf BluRay mit 2 DVDs im Handgepäck. Da bricht cineastische Freude aus, und wir haben uns das mal genauer angesehen.

Zweihundert Jahre, nachdem sie mit ihrem Liebhaber 1630 zum grausamen Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt wurde, wird die Hexe Asa (Barbara Steele) durch einen Zufall wieder zum Leben erweckt. Um ihre schreckliche Rache an den Nachfahren ihrer Peiniger verüben zu können, vertraut sie auf die vampirischen Fähigkeiten ihres ebenfalls von den Toten wieder auferstandenen Geliebten. Ihr Ziel: Die schöne Fürstentochter Katia (Barbara Steele in einer Doppelrolle), deren Blut die Hexe vollends wiederherstellen soll.

Mitten hinein in diesen dämonischen Komplott geraden der Professor Kruvajan (Andrea Checci) und sein Assistent Gorobec (John Richardson), doch die satanischen Kräfte die hier am Werk sind können nur mit der Macht des Kreuzes und etwas Erfindungsreichtum in Schach gehalten werden….

Die Stunde, wenn Dracula kommt

Was gleich zu Anfang des Films auffällt, ist die unglaublich künstlerisch-einfallsreiche Inszenierung des Films. Sehr wenige Locations, aber dafür mit viel Liebe zum Detail, großartigem Licht-Schatten-Spiel, stilechtes Makeup und eine erstklassige musikalische Untermalung machen diesen Film  zu einem handwerklichen Augen- und Ohrenschmaus – wenn man sich drauf einlässt. Dabei lässt Mario Bava schon von Anfang an seine Muskeln spielen und schafft eine „gothic horror“ Atmosphäre, zu deren Elemente Katholizismus, Mystik, Geographie (Osteuropa als damalige Unbekannte bzw. zum Release-Zeitpunkt ja hinter dem eisernen Vorhang) und Natur (dunkle Wälder) gehören.

Bava etablierte sich natürlich erst in den Jahren darauf als ernst zu nehmende Größe, aber man muss die 60er zur Geburtsstunde seines Schaffens zählen. Heute gilt der Filmemacher als einer der wichtigsten der Welt, und vor allem des Horror-Genres. Damals eher im Trash Bereich angesiedelt, gilt er heute als stilbildend und richtungsweisend. Schlenker wie mit Danger: Diabolik oder anderen Genre-Crossovers haben seine Filmografie über die Jahre hinweg bereichert. Ein paar Ausflüge in den Western fand ich persönlich auch sehr gut.

Die Stunde, wenn Dracula kommt

Die Maske des Dämonen ist in meinen Augen aber nicht nur ein gelungener Start einer neuen Heimkino Reihe bei Koch Media, sondern auch generell ein sehr interessanter Einstieg in das Werk eines Regisseurs, an dem Neulinge und Cineasten-Veteranen viel Freude finden können. Mit Nichten ist Bava ein Splatter-Regisseur, auf keinen Fall sind seine Filme B-Movies, und ich würde auch mich davor scheuen, ihn als reinen Italohorror-Regisseur abzutun. Spätestens mit Wild Dogs, als sein Schaffen dem Ende zu ging, ist dem Filmhistoriker klar, dass es sich vielleicht um eine Art frühe italienische Version eines Brian De Palma handelte, oder vielleicht einen europäischen Vorboten von Horror der Cravenschen Prägung, aber vielleicht interpretiere ich hier ein wenig zu viel rein. Jedenfalls lohnt es sich diesen Film zum Anlass zu nehmen, sein Schaffen neu zu entdecken. Die restaurierte Originalversion des Films ist jedenfalls eine wahre Freude, und Barbara Steele zu Recht hier die absolute Entdeckung in einer teuflischen Doppelrolle.

Beim Start der BluRay besteht die Auswahl zwischen der US Version und der europäischen Version. Warum man den etwas kürzeren, abgewandelten US Cut überhaupt inkludiert ist natürlich fraglich, ich denke nicht dass man das außer als Kuriosum sich antun will, die genauen Unterschiede kann man hier bei Schnittberichte nachlesen. Man kommt übrigens relativ leicht wieder zu dieser Auswahl zurück.

Die Stunde, wenn Dracula kommt

In Sachen Bonusmaterial ist auf der BluRay einiges geboten. Trailer (italienischer, britischer und amerikanischer – leider kein deutscher), TV-Spot, deutscher Vorspann, Audiokommentar von Filmhistoriker Tim Lucas (von Video Watchdog und Autor eines kommenden Buches über Mario Bava) Der Kommentar ist auf Englisch und hochgradig informativ, sehr motiviert und unterhaltsam, ein erstklassiges Extra für Bava Fans. Letztlich noch eine Bildergalerie.

Auf der DVD die uns noch vorlag ist nur die US Fassung enthalten (Ton in Deutsch und Englisch, keine Untertitel) zusammen mit dem Featurette „Eine Schauergeschichte“ (10min), essentiell ein Interview mit Lamberto Bava und sehr interessant, dem umfangreichen Interview mit Barbara Steele (29min), ein sehr umfänglicher Einblick in ihre Karriere, dem deutschen Vorspann, einer entfallenen Szene (2min, man ist sich nicht ganz eilig wo sie hingehört, eine Texttafel informiert über die Hintergründe), und „vom Schneidetisch“ (knapp über 3min einige Outtakes).

Die Stunde, wenn Dracula kommt

Das Bild der BluRay weiß zu überzeugen. Zwar kann der Transfer das alter seines Materials nicht verbergen, und ich vermute eher einen 2K Scan als einen 4K Scan, doch ist das Bild weitgehend frei von Schäden, Kratzern oder Dreck, und sieht hervorragend plastisch, kontrastreich und scharf aus. Bei schwarz-weiß Filmen ist ja auch immens wichtig, dass die komplette Palette an Graustufen gut zur Geltung kommen, das sehe ich hier gewahrt. Wermutstropfen ist, das es viele Momente gibt zu denen das Bild einfach zu hell wird, außerdem sind Elemente in den Randbereichen des Bilds oft weniger scharf.

Der Ton klingt prima, bringt Musik und Stimmung wunderbar zur Geltung und ist frei von störenden Schäden oder Rauschen. Getestet habe ich hier in erster Linie die englische Tonspur, wobei die anderen qualitativ auch sehr in Ordnung sind. Man muss bei den Sprachoptionen aufpassen. Die Deutsche Spur weicht an einigen Stellen eben vom Original stark ab, indem ein Bezug zu Dracula herbei erfunden wird. Die englische und italienische Spur sind sich hingegen sehr originaltreu, weitestgehend. Qualitativ (in Bezug auf Realismus und Inhalt), finde ich die englische am besten. Es gibt zudem Untertitel um das Ganze so oder so zu erleben.

Zur Aufmachung oder Klappentexte etc, kann ich nichts sagen an der Stelle, da uns hier wie meistens kein Verkaufsexemplar vorliegt sondern nur Screener. Es handelt sich aber um den Auftakt der schönen neuen Bava Reihe, wir freuen uns auf eine glorreiche Zukunft, in der wir eine ganze Regalzeile nur für Bava Filme reserviert haben.

Sowohl für Fans von Mario Bava als auch für Neueinsteiger und werdende Cineasten ist der Film – und diese Edition – ein absolutes Muss. Koch beweist ein sehr gutes Händchen und beweist mal wieder dass sie zu den besten Labels für Filmklassiker gehören. Eine absolute Kaufempfehlung!

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Mario Bava Dracula

Die Veröffentlichung wurde uns von Koch Films zur Verfügung gestellt.

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info und FuriousCinema.com

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1 Antwort

  1. 13. Februar 2018

    […] Die Stunde, wenn Dracula kommt ist Mario Bavas Erstlingswerk aus dem Jahr 1960. International ist der Film, der außer dem deutschen Titel und kleinen Modifikationen in der Synchronfassung mit Dracula nichts zu tun hat, auch als Black Sunday (vor allem in den USA) und als Mask of Satan (England) bekannt….. weiterlesen (komplette Kritik auf Nischenkino) […]