Django – Die Totengräber warten schon / Quella sporca storia nel West / Johnny Hamlet

Hamlet im Wilden Westen: Django ist erschüttert, als er erfährt, dass sein Vater ermordet wurde. Das Vermögen der Familie ist während seiner Abwesenheit an seinen Onkel Claude überschrieben worden, der Djangos Mutter geheiratet hat. Das heitere glückliche Zuhause von einst ist vorbei, stattdessen herrschen Machthunger und Gewalt. Bis Django durch einen Hinweis von Horatio, einem Freund seines Vaters, Nachforschungen anstellt, um dem unerträglichen Zustand auf den Grund zu kommen. Sein Hass ist grenzenlos und seine Rache ohne Gnade. (Koch Media GmbH)

Ein Soldat der Konföderierten, Johnny Hamilton (Andrea Giordana, in der dt. Version Django), kehrt nach dem Bürgerkrieg nach Hause zurück und entdeckt, dass sein Vater getötet wurde. Während er das Grab besucht und darüber nachdenkt, wer der Täter sein könnte, wird er von zwei lokalen Schlägern, Guild (Pedro Sanchez) und Ross (Ennio Girolami), angegriffen. Johnnys alter Freund und Mentor, Horatio (Gilbert Roland), hilft ihm die Schläger zu vertreiben und berichtet anschließend, dass sein Vater von einem mexikanischen Banditen namens Santana (Manuel Silvester Serrano) getötet wurde und dass sein Onkel Claude (Horst Frank) ihn bereits gerächt hat. Johnny findet heraus, dass seine Mutter (Francoise Prevost) Claude kurz nach dem Tod seines Vaters geheiratet hat und beginnt zu zweifeln, ob Santana wirklich der Schuldige ist, besonders als sich herausstellt, dass der Bandit noch lebt.

Onkel Claude und Santana haben nämlich eine Ladung Gold gestohlen, die Johnnys Vater zum Wohle der Konföderation zusammengetragen hatte. Claude hat die Beute danach unterschlagen und seinem kriminellen Partner mitgeteilt, sie sei verloren gegangen. Johnny gelingt es, die beiden gegeneinander aufzuhetzen, doch inzwischen hat Claude Johnnys ehemalige Freundin Ophelia (Gabriella Grimaldi) getötet und dem jungen Mann die Schuld in die Schuhe geschoben. Nach den Sitten der Region wird Johnny nun von Ophelias Vater (Giorgio Sammartino, der auch der Sheriff ist) sowie Guild und Ross gekreuzigt (!). Seine Mutter Gertrude (Francoise Prevost) beginnt zu bereuen Claude vertraut zu haben, wird aber unnötigerweise von Guild angeschossen, als sie sich gerade mit ihrem neuen Ehemann im Streit befindet. Während Claude und Santana jetzt ihre Differenzen klären möchten und gegeneinander antreten, versucht die schwer verwundete Frau ihren gekreuzigten Sohn zu retten…

Johnny Hamlet repräsentiert eine angemessene Version von Shakespeares Stück, obwohl der Film nur gelegentlich wahre Shakespeare-Atmosphäre versprüht. Die Stärke des Films liegt unbestreitbar in seinem visuellen Stil. Was beweist, dass Enzo G. Castellari schon in jungen Jahren ein ausgeprägtes Gespür für pfiffige Kamerawinkel und rasante Zooms entwickelt hatte. Die Eröffnungssequenz, in der Johnny an einem Strand aufwacht (umgeben von Schaustellern), nachdem er einen Albtraum von seinem Vater gehabt hat, kann als ziemlich gelungen bezeichnet werden. Noch besser gestaltet sich jedoch die nächste Szene (die nach dem Vorspann im Grottenfriedhof spielt), in der Johnny über den gewaltsamen Tod seines Vaters sinniert. Für diese Szene war Andrea Giordana an eine sehr komplizierte rotierende Holzkonstruktion gebunden worden, die von Hand bewegt wurde, wobei die Kamera in ihrer Achse fixiert war. Dabei sieht man Giordana in der Luft schweben, die Welt um ihn herumkreisend, während er von seinem Vater halluziniert.

Beide Szenen (die erste sehr lebhaft, die zweite fast hypnotisierend) spiegeln auf fantasievolle Art und Weise das Gefühl von Shakespeares Gothic-Geschichte wider, doch schon bald darauf befindet sich das Publikum auf typischen Italo-Western Territorium, mit einer Vielzahl an Faustkämpfen, Schießereien und den bekannten extremen Nahaufnahmen. Woran natürlich überhaupt nichts auszusetzen ist. Castellari hat seine Geschichte mit mehreren Actionszenen angereichert, die von Giorgio Ubaldi konzipiert wurden, der sich später für die Actionszenen der Trinità-Filme verantwortlich zeichnete. Obwohl sie sich manchmal etwas leichtherzig gestalten, gehen sie doch in Ordnung, wobei eine Schießerei, die eine baufällige Treppe involviert, ein echtes Highlight repräsentiert. Die Außenszenen mit den fabelhaften pilzförmigen Felsen der Ciudad Encatada in der Nähe von Cuenca Minera (Zentralspanien), sind als besonders schön zu beschreiben, während Enzo Bulgarellis fabelhaftes Kostümdesign dem ohnehin schon prächtig aussehenden Film eine besondere visuelle Note verleiht.

Als ebenso beeindruckend erweist sich die Verwendung von Farben: eine sanfte Palette von Gelb, Violett und Ocker für die Friedhofsszenen und eine Vielzahl von viel harscheren Blautönen für Johnnys Ankunft auf seiner Heimatranch und die letzte Schießerei, die sich bei Nacht in der verlassenen Westernstadt abspielt. Trotzdem kam der Film beim Publikum zunächst nicht gut an. Marco Giusti schreibt in seinem Buch Dizionario Del Western All’Italiana, dass er den Film als junger Mann zum ersten Mal als etwas langsam und theatralisch empfunden hat. Die Entscheidung, den Arbeitstitel Johnny Hamlet in den rätselhaften Quella sporca storia nel West umzuändern, ist vielleicht auch nicht gerade die weiseste gewesen. Oft ungenau übersetzt als Die schmutzige Geschichte des Westens, verwirrt der Titel sogar diejenigen, deren Muttersprache Italienisch ist. Korrekt und wörtlich übersetzt bedeutet der Titel nämlich Diese schmutzige Geschichte im Westen, wobei das Demonstrativpronomen diese/quella auf eine bestimmte, bekannte Geschichte hinweist. Sollte man allerdings nicht wissen, dass der Film auf Shakespeares Stück basiert, kann man auch keine Ahnung haben, genau welche Geschichte denn nun tatsächlich im Westen spielen soll.

Doch es wurden auch noch weitere Einwände vorgebracht, hauptsächlich in Bezug auf Giordanas und Grimaldis Schauspielerei und natürlich die Kreuzigungssequenz. Giordana stellt sicherlich keinen Clint Eastwood dar, liefert aber dennoch ziemlich gute Arbeit ab, obwohl er vielleicht ein wenig zu jung für die Rolle gewesen ist. Gabriella Grimaldi war für die Rolle der Ophelia von Anfang an umstritten (die Produzenten wollten zunächst ihre ältere Schwester engagieren), wobei ihre schwache schauspielerische Leistung nicht ihr allein zuzuschreiben ist. Ophelia repräsentiert eine der rätselhaftesten Figuren Shakespeares. Gleichzeitig haben ihr Wahnsinn und das rätselhafte Geheimnis ihres Todes (sie wird tot im seichten Wasser aufgefunden) viele Dichter und Maler inspiriert. Das Autorentrio hatte offensichtlich keine Ahnung was es mit der gesamten Storyline ihrer Familie anfangen sollte und hat Johnnys Kreuzigung vermutlich eingeworfen, um einige Lücken im Drehbuch schließen zu können.

Alles, was die arme Gabriella tun kann ist seufzen sowie weinen und da ihr Bruder aus der Geschichte geschrieben wurde und ihr Vater nur ab und zu mal auftaucht (sein Shakespeare– Gegenstück Polonius ist viel wichtiger für den Plot), haben Castellari & Co Ophelia von Onkel Claude (mit Johnnys Waffe) umbringen lassen, um den dramatischen Impuls erzeugen zu können, der die Handlung zu ihrem Höhepunkt führen soll. Alles außer Shakespeare, der Kreuzigungssequenz und alle damit verbundenen Komplikationen, wirkt schwerfällig und fehl am Platz. Andererseits stellen starke visuelle christliche Metaphern im Kontext eines italienischen Actionfilms nichts Ungewöhnliches dar. Selbstverständlich muss abschließend noch Francesco DeMasis wunderbarer Soundtrack mit dem Kracher-Titelsong „Find a Man“ gesungen von Maurizio Graf lobende Erwähnung finden.

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  • Seitenverhältnis: 16:9 – 2.35:1, 16:9 – 1.77:1
  • Alterseinstufung: Freigegeben ab 16 Jahren
  • Regisseur: ‎Enzo G. Castellari
  • Medienformat: Dolby, HiFi-Sound, PAL
  • Laufzeit: ‎1 Stunde und 36 Minuten
  • Darsteller: ‎Andrea Giordana, Gilbert Roland, Horst Frank
  • Untertitel: ‎Deutsch
  • Sprache: ‎Italienisch (Dolby Digital 2.0), Deutsch (Dolby Digital 2.0)
  • Studio: ‎Koch Media GmbH

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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