Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer / Gojira, Ebirâ, Mosura: Nankai no daiketto

Auf der Suche nach seinem vermissten Bruder strandet ein junger Mann mit seinen Begleitern auf der Teufelsinsel. Hier ist die militärische Geheimorganisation ROTER BAMBUS aktiv. Zu allem Schrecken wird die Insel außerdem von dem krebsartigen Monster Ebirah bewacht, das jeden Eindringling angreift. Als die Gestrandeten und ein Eingeborenenmädchen immer mehr durch die schiesswütigen Soldaten des ROTEN BAMBUS gefährdet werden, wecken sie das in einer Höhle schlafende Monster Godzilla. Godzilla schreitet zum Kampf der Giganten gegen Ebirah und den ROTEN BAMBUS. Die Insel versinkt im Chaos und nur das friedliche, einer riesigen Motte gleichende Monster Mothra könnte die Rettung sein. Doch wird sie rechtzeitig erwachen, bevor die Insel zur Hölle wird? (Anolis Entertainment)

Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer fühlt sich ganz anders an, als die vorangegangenen Godzilla-Filme. Anstatt, dass Japan von zerstörerischen Monstern bedroht wird, während Wissenschaftler sowie Reporter und das Militär versuchen, den Tag zu retten, bekommt man hier eine viel kleinere Angelegenheit präsentiert. Nämlich eine Abenteuergeschichte, in der einige Jugendliche und ein Gauner auf einer Insel Schiffbruch erleiden, wo sie auf alle möglichen Arten von Gefahren treffen. Godzilla selbst spielt in diesem Streifen wirklich nur eine Nebenrolle und zwar noch mehr als in Frankensteins Monster im Kampf gegen Ghidorah und Befehl aus dem Dunkel. Man könnte ihn sogar, mit minimalen Änderungen am Skript, aus den ersten drei Vierteln der Geschichte entfernen. Trotzdem handelt es sich um einen lustigen Film, der seinen vergleichbaren Mangel an Spektakel mit ununterbrochener Aktion wettmacht, wobei die menschlichen Protagonisten die meiste Zeit über auf der ganzen Insel hin und her gejagt werden, was beträchtlichen Charme besitzt.

Der Film verschwendet nicht viel Zeit und benötigt nur 15 Minuten, um zur Insel Letchi zu gelangen und uns den ersten Blick auf Ebirah zu ermöglichen, wenn dies auch erstmal nur eine riesige Klaue ist. Die Teenager werden zwar nur minimal charakterisiert, doch sie wirken sympathisch, und sogar der Gaunercharakter entwickelt sich, obwohl anfangs etwas einschüchternd, zu jemandem, den man mögen kann. In einer schönen Variation der Situationen, die bereits in früheren Filmen zu sehen waren, ist sein Know-how, sich herumzuschleichen und einzubrechen, genau das, was die Schiffbrüchigen im Umgang mit dem Roten Bambus gebrauchen können. Nun, der Rote Bambus, eventuell von den Chinesen inspiriert und sicherlich unheimlich glaubwürdig, ist eine Gruppe von Terroristen, die ein großes Atomarsenal ihr Eigen nennen. Ihre Basis, von innen sowie von außen, sieht aus wie etwas, in dem ein Bond-Schurke leben könnte, obwohl eher einer mit begrenzten Mitteln. Ebirah stellt ein riesiges Krebstier dar, eine Kreuzung zwischen Krabbe und Garnele, das die Insel bewacht. Der Streifen verbindet den Lauf der Dinge auch bald mit Mothra, um einige Kontinuität mit den vorherigen Ereignissen zu gewährleisten. Der Rote Bambus nämlich „beschäftigt“ Eingeborene, die einen gelben Saft zuzubereiten haben, um Ebirah damit in Schach halten zu können. Allerdings stammen diese „Sklaven“ eigentlich von Infant Island, weswegen das übliche Tanzen und Singen beginnt, damit Mothra aufwacht. Man kann sich nun berechtigterweise fragen, warum der dümmliche Rote Bambus beschlossen hat, gerade das eine Volk zu versklaven, das einen Monstergott verehrt, der dazu neigt, ihnen bei Bedarf zur Seite zu stehen.

Der erste Blick auf Godzilla zeigt dem geneigten Zuschauer, dass er unterirdisch begraben ist, doch wie er dort hinkam, nachdem er letztes Mal ins Meer gestürzt war, kann man nur vermuten. Danach dauert es wirklich ewig, bis Godzilla endlich aus seinem Schlaf erwacht, der Film jedoch schleudert seinem Publikum so lange Aktion um die Ohren, bis unsere Helden beschließen, ihn mit einem Schwert als Blitzableiter aufzuwecken. Obwohl der Anzug aus Befehl aus dem Dunkel ziemlig zerlumpt aussieht, weiss die Darstellung von Godzilla in diesem Film im Allgemeinen zu gefallen. Er ist weder gut noch böse und hat sogar seine komischen Momente, zum Beispiel als er sich an seiner Nase kratzt, kommt aber ansonsten auch sehr angsteinflößend rüber. Letztendlich zerstört er die Terroristen und besiegt Ebirah, aber eigentlich nur, weil sie ihm mehr oder weniger im Weg sind. Die beiden Kämpfe mit Ebirah sind zumeist komisch und cheesy, machen allerdings großen Spaß. Die Aktion muss oft unter Wasser stattfinden, da Ebirah sonst nicht mit seinem Gegner mithalten könnte. Godzilla darf zusätzlich einige Flugzeuge zerstören, einen großen Kondor töten und sogar kurz Mothra bekämpfen, die auch schon bessere Tage gesehen hat. Zumindest ist Ebirah gut konzipiert und gespielt.

Akira Takarada scheint es zu genießen, den Räuber zu spielen und es ist großartig Jun Tazaki zur Abwechslung mal als einen bösartigen Charakter zu sehen. Kumi Mizunos letzte Rolle in einem Toho-Monsterfilm, als die Eingeborene Daiyo, ist dagegen leider nicht als stark zu bezeichnen. Die Darsteller der Teenager gehen in Ordnung, sind jedoch auch nicht besonders toll. Obwohl Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer nicht ganz in der obersten Liga der Godzilla-Filme spielt, gehört er vielleicht zu den schier sympathischsten, da er anderthalb Stunden vollkommen harmlosen Eskapismus beschert.

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Darsteller: Akihiko Hirata, Jun Tazaki, Akira Takarada, Toru Watanabe, Hideo Sunazuka
Regisseur(e): Jun Fukuda
Format: Widescreen
Sprache: Japanisch (DTS 2.0 Mono), Deutsch (DTS 2.0 Mono)
Untertitel: Deutsch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 2.35:1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Anolis Entertainment
Erscheinungstermin: 14. Dezember 2018
Produktionsjahr: 1966
Spieldauer: 87 Minuten

Anolis Entertainment bringt Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer nach der limitierten 2-Disc-Steelbook-Edition auf DVD nun auch auf BluRay heraus und leistet damit, wie bereits gewohnt, hervorragende Arbeit. Das Bild präsentiert sich im 2,35:1 / 16:9 (1920x1080p) Format und sieht absolut klasse aus. Es zeigt sich sehr gut restauriert, farbenfroh, enorm scharf und wunderbar detail- und kontrastreich. Beim Ton kann man zwischen den Sprachen Deutsch und Japanisch (beide DTS-HD-MA 2.0 Mono) wählen, wobei deutsche Untertitel zuschaltbar sind. Außerdem gibt es als Extra einen Trailer des Films, der der zwar weit von den richtig guten Kaijus entfernt ist aber trotzdem noch ein unterhaltsames Exemplar des Genres, mit ganz eigenem („Trash“-) Flair, darstellt.

Diese BluRay sowie das Bildmaterial wurde uns freundlicherweise von Anolis Entertainment zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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