Für ein paar Leichen mehr / Sartana non perdona / Sonora / Sartana Does Not Forgive

Sartana (George Martin) ist unterwegs, um eine alte Rechnung mit dem schurkischen Outlaw Slim Kovacs (Jack Elam) zu begleichen, der seine Verlobte vergewaltigt und ermordet hat. Auf seinem Rachefeldzug trifft er auf einen alten Freund, Kirchner (Gilbert Roland). Schon bald stehen sich die drei Gunmen in einem Städtchen gegenüber, das von Slim und seiner Bande terrorisiert wird. Jeder von den Dreien versucht, den anderen mit Gags, Witz und Schießeisen zu überrumpeln. Zu allem Übel hat sich Sartanas Freund Kirchner auch noch als Kovacs Bodyguard anheuern lassen… (Colosseo Film / Wild Coyote)

Für ein paar Leichen mehr nimmt für mich persönlich einen ganz besonderen Stellenwert ein. Dabei handelt es sich hier nicht etwa um einen Spitzenwestern der Extraklasse, sondern viel eher um ein Exemplar aus der zweiten Reihe des Genres. Trotzdem belegt der Film Rang 5 auf meiner Alternative Top 20 Liste. Der Grund dafür ist hauptsächlich die unglaublich dichte Italo-Western-Atmosphäre über welche der Film verfügt. Den Rest besorgen eine Geschichte voller rachsüchtiger Gewalt, gutes dramatisches Tempo, eine sehr ordentliche Inszenierung, ein toller Soundtrack und nicht zuletzt eine klasse Besetzung. Dieser Chorizo-/Spaghetti-Western stellt eine spanisch/italienische Co-Produktion dar, die eindeutig von den spanischen Produzenten dominiert wurde.

Die spanischen Western dieser Zeit orientierten sich für gewöhnlich mehr an ihren amerikanischen Vorbildern, als einen unverwechselbaren eigenen Stil zu kultivieren, wie es die Italiener taten, doch Sonora bildet da eine mehr als willkommene Ausnahme und schwimmt nicht nur aufgrund unzähliger Nahaufnahmen, Zooms und choreographierten Duellen im Kielwasser Leones. Der Film packt Aktion, mitreißende Schießereien, Drama und einen hohen Bodycount zusammen, legt ein ordentliches Tempo vor und ist einfach ein unterhaltsamer, spannender Western mit spektakulären Szenen und atemberaubenden Konfrontationen zwischen herzlosen Protagonisten. Selbstverständlich trägt, neben der wunderbaren Musik von Francesco DeMasi, die hervorragende Schauspieler-Riege maßgeblich zum exzellenten Gesamtbild von Sartana non perdona bei.

Gilbert Roland schien mit seinem stählernen Blick, seinen perfekt gesetzten Pausen und der Mehrdeutigkeit seiner Figuren wie geschaffen für die Rituale des Italo-Western zu sein. Seine Motive liegen oftmals im Dunkeln; ist er der Held oder der Bösewicht, auf der Seite des Helden oder gegen ihn? Er gehörte bereits der älteren Generation von Schauspielern an, als der Spaghetti-Western sein Debüt gab, war aber stets in guter Form und sah ein gutes Jahrzehnt jünger aus, als es sein tatsächliches Alter hätte vermuten lassen müssen. Er wirkte in einigen Western mit, von denen Quella sporca storia nel West (Django – Die Totengräber warten schon,1968), Ognuno per sé (Das Gold von Sam Cooper, 1968) und Vado… l’ammazzo e torno (Leg ihn um, Django,1967) sehr empfehlenswert sind. Hier spielt er Kirchner, einen alternden Revolverhelden, der entweder Freund oder Feind von Uriah Sartana (George Martin) ist, der sich auf der Jagd nach Slim Kovacs (Jack Elam) befindet, welcher Sartanas Frau schändete und tötete.

Zwischen Uriah und seiner Rache stehen allerdings Reyes (Tomás Torres) und seine mexikanischen Banditen, die mit Slim gemeinsame Sache machen, sowie der mexikanische Farmer Josè (Alfio Caltabiano), der noch eine eigene Rechnung mit Kovacs offen hat. Wie schon erwähnt besitzt der Film eine tolle, schmutzig düstere Spaghetti-Western-Atmosphäre, hat aber auch einige „leichtherzige“ Momente zu bieten, welche die Stimmung glücklicherweise nicht verderben, sondern eher sehr gut in den Plot passen. So zum Beispiel eine Laurel und Hardy-mäßige Routine zwischen Sartana und Kirchner im Saloon, die allerdings (zum Glück) nicht ins Alberne abdriftet. George Martin trat in mehreren spanisch co-produzierten Western auf, von denen Una Pistola per Ringo (Eine Pistole für Ringo,1965), Il ritorno di Ringo (Ringo kommt zurück, 1965) und Per il gusto di uccidere (Lanky Fellow – Der einsame Rächer, 1966) am erwähnenswertesten sind.

Mit seinen stahlblauen Augen und schmutzigen Erscheinung gibt er in Für ein paar Leichen mehr seine wohl beste Vorstellung innerhalb des Genres ab. Jack Elam ist schmieriger denn je als Slim, der seine Untaten nicht bereut und seine Gegner/Opfer eher noch verspottet. Bei den Nebendarstellern sticht natürlich die liebreizende Rosalba Neri heraus, die u.a. ihre Kleidung heruntergerissen bekommt. In weiteren Rollen sind mit Gérard Tichy, Alfio Caltabiano, Tomás Torres, Hugo Blanco und Miguel De La Riva viele bekannte Gesichter aus Tortilla- oder Spaghetti-Western zu sehen. Die stimmungsvolle Kinematographie von Jaume De Casas, das Produktionsdesign von Juan Albert Soler (der wie üblich ein atmosphärisches Szenario schuf) und die perfekt passende Musik von Francesco DeMasi inklusive dem Kracher-Titelsong „Maybe somewhere, maybe somebody“ gesungen von Franco Morselli heben Alfonso Balcázars beste Regiearbeit deutlich über das Durchschnittsmaterial des Genres.

Das Bild wird uns im Format 16:9 – 1.66:1 und macht einen guten Eindruck, Schäden und Verschmutzungen konnten beinahe vollkommen entfernt werden. Farben und Kontrast kommen jedoch nicht so gut weg, sind aber immer noch ok. Der Ton bietet eine deutsche und eine italienische Spur in DD 2.00, die sich beide sehr gut hören lassen und nur an wenigen Stellen im Hintergrund kurz leicht rauschen. Deutsche und englische Untertitel sind zuschaltbar, wobei sich die UTs nicht ganz exakt an die Originalvorlage halten. Die deutsche Synchro. leistet da schon bessere Arbeit, ist aber zu Beginn etwas verwirrend, denn Slim wird zu Sartana und Uriah wird zu ?. Bild und Ton befinden sich, dem Alter entsprechend also auf zufriedenstellendem Niveau. Als Extras bietet die DVD ein Interview mit Francesco DeMasi (das ich schon auf irgendeiner anderen SWVÖ gesehen habe), eine Bildergalerie und die deutschen/italienischen Kinotrailer zum Film, entfernte Szenen und ein Wendecover mit alternativem Motiv. Ein besonderes Extra stellt die deutsche Kinofassung dar, die ein feines Bahnhofskino-Flair aufkommen lässt und auch ein wenig anders geschnitten wurde. Die Edition wird in einem ansprechend gestalteten Pappschuber ausgeliefert.

Wild Coyote gelingt mit Für ein paar Leichen mehr eine schon lang erwartete, dem Film angemessene Veröffentlichung eines äußerst sehenswerten Italo-Western mit spanischer Beteiligung. Das Bild hat zwar keine cream of the crop Qualität, ist aber durchaus als annehmbar zu bezeichnen. Ansonsten ist die Scheibe auf technischem Gebiet in Ordnung. Der Film ist in meinen Augen eine kleine Perle des Genres, der aufgrund seiner guten Inszenierung und der überragenden Atmosphäre stark zu überzeugen weiß. Wer Sartana non perdona noch nicht in seiner Sammlung hat, sollte unbedingt zuschlagen.

Bei Amazon bestellen

  • Seitenverhältnis: ‎16:9 – 1.85:1, 16:9 – 1.78:1
  • Regisseur: ‎Alfonso Balcazar
  • Medienformat: Dolby, PAL
  • Laufzeit: ‎1 Stunde und 32 Minuten
  • Darsteller: ‎Gilbert Roland, George Martin, Jack Elam, Hugo Blanco
  • Untertitel: ‏Deutsch, Englisch
  • Sprache: ‎Italienisch (Dolby Digital 2.0), Deutsch (Dolby Digital 2.0)
  • Studio: ‎Colosseo Film / Wild Coyote

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

Das könnte dich auch interessieren …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.