Die Spur führt nach Soho (The File of the Golden Goose)

Die Spur führt nach Soho

The File of the Golden Goose ist ein Krimithriller aus dem Jahr 1969 mit Yul Brynner in der Hauptrolle. Regie führte Sam Wanamaker (der mit The Executioner einen weiteren Spionagefilm gemacht hat der leider auf keiner ordentlichen DVD existiert).

Als bei Ermittlungen gegen einen internationalen Falschgeldring immer mehr tote Ermittler auftauchen, kriegt der Agent Peter Novak (Yul Brynner) den Auftrag, nach London zu fliegen und Scotland Yard unter die Arme zu greifen. Kaum stand das fest, stirbt seine Freundin bei einem Attentatsversuch auf ihn. Er ist alarmiert, und vermutet eine undichte Stelle. Er lässt alle britischen Ermittler abziehen und schleust sich und seinen Scotland Yard Kollegen Thompson (Edward Woodward) in das Verbrechersyndikat ein, hinter dessen Kopf man die Fälscher vermutet. Getarnt als Bruckner, gewiefter Gangster und Geldfälscher, arbeitet er sich nach oben bis sie ein Bild von der Operation erhalten…. doch er und sein Kollege geraten zwischen die Fronten und der Kopf der Bande bleibt inkognito……

Die Spur führt nach Soho

Ich spiele gerne Trüffelschwein und ich mag es auch wenn Labels Raritäten ausgraben. Richtige Raritäten, somit ist der Claim auf dem Cover, dass der Film lange verschollen war und nun endlich vergbar sei, natürlich erstmal reizvoll. Wobei es hier 2014 oder so schon mal von Pidax eine DVD gab und die US BluRay kam schon 2016 raus, aber gut. Dennoch ist es ein eher unbekannter und oft übersehener Film, von dem ich selbst auch noch nie gehört hatte, also rar genug und genau meine Messlatte.

Der Film punktet neben einem sehr gut gelaungen Yul Brynner mit einer ansonsten nicht so grandiosen, aber dennoch professionellen und überzeugenden Besetzung. Erwähnenswert ist der Semi-Schurke The Owl, der von Charles Gray, bekannt als Blofeld in Diamonds are Forever, gespielt wird. Außerdem zu sehen ist unter anderem Adrienne Corri (A Clockwork Orange, Dr. Schiwago) als Angela. Die Beschreibung des Labels spricht von einem „spannenden Agentenfilm in kühl-sachlicher Inszenierung“, was man so wohl durchaus sagen kann. Der Film wirkt erstaunlich unaufgeregt, auch wenn er zum einen keine Zeit verliert am Anfang jede Menge Leichen zu stapeln und quer durch die Bank eigentlich auch eine recht wilde Story vor einer aufregenden Kulisse zeigt (u.a. der kontemporären Londoner Szene). Dabei ist der Film nun nicht wirklich ein Spionagefilm, aber dazu gleich noch mehr.

Die Spur führt nach Soho

Was den Film interessant macht ist, dass es zwar in gewisser Weise ein Spionagefilm ist, weil Novak ein Geheimagent, und damit genau genommen ein Spion, ist. Aber es geht hier nicht um einen Wettstreit zwischen Regierungen, sondern es ist eigentlich eine Undercovermission um einem Verbrechersyndikat das Handwerk zu legen. Das ganze hat also etwas mehr mit einem Polizio gemein als einem Spoinagefilm. Die Polizeitfilm-Komponente ist dabei nur sporadisch sichtbar, denn der Löwenanteil des Films handelt von der Anstrengung innerhalb des Syndikats aufzusteigen und dieses bloß zu legen. Das gelingt dem Regisseur sehr gut, denn er wirft schräge Typen, spannende Locations und Hintergründe, flotte Sprüche und lebhafte Action zu einem interessanten und mitreissenden Potpourri, das keinesfalls Langeweile aufkommen lässt und mich jedenfalls ein wenig in den Bann gezogen hat.

Die Spur führt nach Soho

Als „düsterer Klassiker“ und „kaum gealtertes Stück großen Spannungskinos“ beschrieb die Splatting Image den Film damals als er nach langer Zeit wieder zu erstehen war. Und düster ist er durchaus, weniger in der Atmosphäre denn in seiner Zeichnung der Unterwelt und dem zynischen Realismus. Hier sterben viele, hier gelten eiskalte Eigeninteresse, und hier ist wenig idealisiert oder romantisiert, wie vielleicht noch bei Kollege 007. Wanamaker (ich sag das jetz mal nochmal obwohl man es als Cineast wissen sollte: er wird ja auch in Tarantino’s Once Upon a Time… in Hollywood als Shakespeare-affiner Genre-überbrückender Regisseur dargestellt) nimmt das etwas spröde britische Geheimagentenfilmchen – ein Genre das wirklich stapelweise Einträge vorweisen kann die eher zum Gähnen einladen – und peppt es mit Konventionsbrüchen auf, von Drogenkonsum bis hin zu einem Ende das man sich so nicht erwartet hätte.

Yul Brynner (Höllenhunde bellen zu Gebet, Flucht aus Zahrain, den ich neulich auch gesehen hab und der es leider nicht mit dem ein wenig ähnlichen Ice Cold in Alex aufnehmen kann, Die Glorreichen Sieben oder Adios Sabata) gibt eine glänzende Figur ab (haha) und hat sichtlich Spaß in seiner Rolle. Unterm Strich ist The File of the Golden Goose eine sehr wilkommene Neuentdeckung und eine solide Empfehlung von mir!

Die Spur führt nach Soho

Die BluRay bietet ganz solides Bild mit zumeist lebhaften und realistischen Farben, guten Kontrasten und ein recht schadensfreies Bild. Etwas schanken tut der allgemeine Blick, der teilweise durch etwas Blässe getrübt ist und mal mehr mal weniger starker Rauschfilter im Einsatz ist, der aber insgesamt eher sehr zurückhaltend arbeitet. Also ein sehr solides Bild. Der Ton (Englisch getestet, es gibt auch die deutsche Synchronfassung – Untertitel in beiden Sprachen) klingt, gut, krächzt aber zumal doch ein wenig. In Sachen Bonusmaterial gibt es leider nur den Trailer und eine Bildergalerie.
Kino-Trailer; Bildergalerie; Wendecover;

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Die Spur führt nach Soho - The File of the Golden Goose BluRay
Die BluRay wurde uns von Koch Films zur Verfügung gestellt.

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info und FuriousCinema.com

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