Gegen jede Chance – Against All Odds

Against All Odds (Gegen jede Chance) ist ein Thriller von Taylor Hackford aus dem Jahr 1984 mit Rachel Ward und Jeff Bridges in den Hauptrollen. Der als „Film Noir unter Karibiksonne“ bezeichnete Film ist eigentlich ein Remake des Jacques Tourneur Klassikers Out of the Past von 1947, nur diesmal eben in den frühen 80ern. Auch diesmal entfaltet sich vor den Augen des Zuschauers eine komplizierte Dreiecksbeziehung: der geschasste Football-Veteran Terry Brogan (Bridges) verscherzt es sich mit den Besitzern der Mannschaft, und nimmt einen Job seines alten Freundes Jake Wise (James Woods) an. Er soll dessen ausgebüchste Freundin finden. Der Haken: die ist die Tochter der Besitzerin der Mannschaft in der Terry gerne wieder spielen würde, und außerdem hat Jake schon längerem Dreck am Stecken. Den Club den er besitzt, leitet er nicht besonders gut und je tiefer Terry bohrt, desto mehr scheinen alle in abgekarteten Immobiliendeals in den Hügeln Ost-Hollywoods zu stecken. Doch bis er das herausfindet muss er erst mal nach Mexiko um Jessie Wyler  (Ward) dort aufzuspüren – und sich prompt in sie zu verlieben. Das macht ihn zur Zielscheibe aller…..

Taylor Hackford, bekannt u.a. als Regisseur von Ray, The Devils Advocate und Ein Offizier und ein Gentleman beweist hier ein kluges Händchen in der Vermengung von Genres und Zuschauer-Präferenzen. Attraktive Darstellerinnen und Darsteller, sowie einen Charts-stürmenden Titelsong von Phil Collins einerseits, und ein 80er Jahre Update des Film Noir anderseits mit Motiven die man Jahre später bei Oliver Stone in Any Given Sunday wieder finden würde. Dieser Mix macht den Film spannend und sehenswert, auch wenn er sich am Ende in den vielen Facetten verfängt und ein wirklich bitteres und unzufriedenes Ende zurücklässt.

Bridges spielt eine der besten Rollen seiner mittleren Karrierephase. Als Football-Spieler der zum Privatdetektiv wird, und dabei ähnlich wie später sein Alter-Ego The Dude eigentlich unwissentlich von allen ausgenutzt wird, kann er hier vor schönen mexikanischen Kulissen auf der Leinwand zur Höchstform auflaufen. Dabei fährt er einen Grad von Brisanz auf, und von Getriebenheit, der einen krassen Konterpunkt setzt zu der fast schon Gelassenheit seiner dann-Antagonistin und den kriminellen Elementen, die erst am Ende wirklich begreifen dass ihnen hier ein verzweifelter Nobody, der sich in die falsche Frau verknallt, einen Strich durch die Rechnung macht.

Ward spielt ein wenig die Femme Fatale in diesem Film, eine Rolle in der sie Terry nicht nur die wunderbare Szenerie von Tulum näher bringt (ich kann übrigens echt empfehlen das mal zu besuchen, das ist das Paradies auf Erden) sondern auch noch sein Vorhaben verkompliziert. Sie steht zwischen seinem alten Buddy, dem Fußballclub und seinen naiven Vorstellungen dass er sie rettet und sie dann gemeinsam in den Sonnenuntergang fahren. Es ist die alte Film Noir Leier: Ritter in glänzender Rüstung, aber völlig überfordert, glaubt er könnte die Damsel in Distress retten und alles wird gut, doch die ist weder richtig in Trouble, noch hat er die Möglichkeit einfach mit ihr durchzubrennen. Dazu kommt, dass er in seiner eigenen Vergangenheit viel zu stark verhaftet ist. Ein eigentlich total tiefgründiger Thriller, der trotz den Smachtfetzen-Aspekten wirklich ernst daher kommt und auch ernstzunehmen ist.

Die BluRay bietet deutsche und englische Tonspur (DTS-HD MA 2.0) und Untertitel auch in beiden Sprachen. Der Film klingt dabei sehr solide (Englisch getestet), die Dialoge sind gut verständlich, die Musik kommt zur Geltung und die wenigen Action-Momente lassen gut Stimmung im Wohnzimmer aufkommen. Das Bild sieht solide aus. Einige Extras sind auf der Scheibe enthalten. Zum einen der Originaltrailer, und dann zwei Audiokommentare: Einer mit Taylor Hackford, Jeff Bridges und James Woods, ein zweiter mit Taylor Hackford und Eric Hughes. Der erste (mit dt. Untertiteln) dürfte (ebenso) wenigstens einige Jahre alt sein (weil für die damalige DVD aufgenommen), und ist informativ und unterhaltsam. Alle drei haben Spaß daran, den Film gemeinsam wieder zu sehen und haben viele Stories auf Lager. Der zweite ist mit dem Drehbuchautor, und wurde zeitgleich aufgenommen. Hackford musste wohl echt viel Bock haben, den Film gleich nochmal durch zu rackern. Das hier geht deutlich mehr noch in die Tiefe des Film und der Story, und ist damit auch, sagen wir mal, ein wenig anspruchsvoller. Dann gibt es noch 23-Minuten entfernte Szenen (optional mit Audiokommentar von Hackford und ich glaube Eric Hughes), die aber nicht in restaurierter HD-Qualität vorliegen. Abgerundet wird die Disc von zwei Musikvideos, natürlich ist eines davon das von Phil Collins und das andere ist von Kid Creole. Bildergalerie

Gar kein schlechtes Paket, insgesamt sehr rund. Man kann in den Film neu eintauchen, einen enthusiastischen Regisseur in den Extras erleben, von denen es viele gibt, oder halt auch nochmal die 80er hochleben lassen mit Phil Collins. Kaufempfehlung, nicht nur wegen dem mitreissenden Film selbst.

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Die BluRay wurde uns freundlicherweise von Koch Films zur Verfügung gestellt.

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info und FuriousCinema.com

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