Johnny Yuma

Der wohlhabende Farmer Thomas Felton wird von seiner Frau Samantha, die es von Anfang an nur auf sein Vermögen abgesehen hatte, ermordet. Komplize ist ihr Bruder Pedro. Alleinerbe ist laut Testament jedoch Feltons Neffe Johnny Yuma. Samantha beauftragt den Gunman Carradine, Yuma zu ermorden, bevor dieser sein Erbe antreten kann. Als die beiden Männer erstmals aufeinandertreffen, geraten sie ungewollt in eine Schießerei und retten sich gegenseitig das Leben. Carradine berichtet Yuma von seinem Auftrag und die beiden verabreden ein faires Duell am nächsten Morgen. Samantha hat derweil Pedro und seine Bande beauftragt, die beiden Männer aus dem Hinterhalt zu töten. Wieder stehen sich Yuma und Carradine gegenseitig bei… (Colosseo Film)

Johnny Yuma ist einer von drei Italo-Western, die Regisseur Romolo Guerrieri (dessen eigentlicher Familienname Girolami war = Enzo G. Castellaris Onkel) verwirklicht hat. Als Regisseur erlangte er hauptsächlich Bekanntheit durch seinen letzten Western 10.000 dollari per un massacro (Django – 10.000 Blutige Dollar, 1967) mit Gianni Garko und Claudio Camaso, der heute von vielen als ein kleiner Klassiker angesehen wird. Johnny Yuma erzählt die Geschichte einer geldgierigen Frau, Samantha Felton (Rosalba Neri), die ihren um einiges älteren Ehemann (mit Hilfe ihres Bruders Pedro aka Luigi Vannucchi als Louis Vanner gelistet) ermordet, um an dessen Ranch und weiteres Eigentum zu gelangen.

Sie muss allerdings erkennen, dass der alte Mann alles seinem Neffen, einem Revolverhelden namens Johnny Yuma (ein Kerl, der sich nicht einmal an den Namen der Frau erinnern kann, mit der er die vorherige Nacht verbracht hat), vermacht hat. Samantha heuert ihren ehemaligen Liebhaber Carradine (Lawrence Dobkin) an, um Johnny loszuwerden, doch die beiden Männer werden Freunde und schließen sich letztendlich zusammen, um der Armee vom bösen Bruder und der noch böseren Schwester entgegenzutreten.

Das von Fernando di Leo mitgeschriebene Drehbuch hat einige gotische Einflüsse zu bieten. Rosalba Neri spielt köstlich böse und verlockend sexy als die Witwe, die ihren ehemaligen Geliebten anheuert, um den Erben ihres verstorbenen Mannes zu töten, nur um später von beiden Männern in die Enge getrieben zu werden. In einer „komischen“ Szene zieht sie sich vor ihrem Papagei aus, der das sichtlich genießt. Neben vielen positiven Aspekten ist Johnny Yuma voll von Kontinuitätsfehlern (zum Beispiel pflegt Damon abwechselnd mit seiner rechten und linken Hand zu schießen) und die obligatorische Saloon-Schlägerei passt überhaupt nicht zum Rest des Films. Zudem gestalten sich einige der Handlungs-Elemente als ziemlich verwirrend.

Johnny Yuma und Carradine tauschen schon früh im Film Pistolen und Holster aus (nach der Schlägerei im Saloon), obwohl sie eindeutig verschiedene Hände zum Schießen verwenden. Die Szene könnte eine symbolische Bedeutung haben: Die vermeintlichen Feinde werden später Freunde. Johnny nutzt sogar Carradines Namen, als er in der Stadt ankommt. Doch symbolisch hin oder her: Solange beide Männer oder ihre Charaktere nicht beidhändig schießen können (sollen), scheint es nicht sehr logisch zu sein, Pistolen und Holster auszutauschen. Später im Film gibt es eine Szene, wo nur Damons rechte Hand sichtbar ist, so dass die Schurken denken, er sei unbewaffnet; doch als sie ihn erschießen wollen, zieht er plötzlich seine Waffe mit der linken Hand.

Genauso wie Django – 10.000 Blutige Dollar stellt Johnny Yuma einen interessanten, ungewöhnlichen, jedoch auch verwirrenden Spaghetti-Western dar. Der Erstgenannte wurde durch ein langwieriges Finale, das während eines Sandsturms stattfindet, ein wenig „beeinträchtigt“; Johnny Yuma hat auch ein ausgedehntes Finale zu bieten, doch zumindest findet es am helllichten Tag statt. Allerdings funktionierten die leichtherzigen Elemente in 10.000 Blutige Dollar besser als in Johnny Yuma. Die Figur des komischen mexikanischen Kumpels (gespielt von Fidel Gonzalez) erweist sich als recht nervig, während sich der Film zunächst etwas Zeit nimmt, um in Schwung zu kommen. Mark Damon verkörpert seinen schelmischen Charakter sehr gelungen, denn hier kann Niemandem vollkommen vertraut werden, noch nicht einmal Johnny.

Guerrieris frischer Regiestil zeigt ein sehr gutes Gespür für den Gebrauch von Spiegeln, offenen Fenstern etc., um überraschende Effekte zu erzeugen. Die Gewalt ist für einen Film von 1967 als ziemlich brutal einzustufen: Ein Arm wird krachend gebrochen, Pedro versucht in einer lang gezogenen und ziemlich fiesen Folter-Szene Johnny Yumas Schultern zu zermalmen und die Szene, in der der kleine mexikanische Junge Pepe zu Tode geprügelt wird, gehört sicherlich zu den schrecklichsten Momenten, die man jemals in einem Italo-Western erlebt hat. Guerrieri selbst gab zu, dass er seine beiden anderen Western Johnny Yuma vorzog, weil er den Film für zu gewalttätig hielt. Heutzutage wird sich kaum Jemand über den Grad der Gewalt aufregen (obwohl diese Szene mit Pepe doch recht starken Tobak repräsentiert), doch damals sah das unter Kritikern schon noch anders aus. Vielleicht gehört Johnny Yuma zu den Filmen, die dem Genre seinen schlechten Ruf verschafft haben? Johnny Yuma ist nicht als perfekt zu bezeichnen, doch der Streifen ist ein absolutes Muss für Fans des Italo-Western!

Das Bild wird uns im Format 1,85:1 präsentiert und befindet sich auf ordentlichem Niveau. Es ist nicht ganz frei von Schäden und Verschmutzungen, doch die Farben präsentieren sich ok und kontrastreich, die Schärfe geht ebenfalls in Ordnung. Der Ton bietet zwei deutsche und eine englische Spur (in DD 2.0), die zufriedenstellend klingen, während es bei der englischen Spur im Hintergrund leicht rauscht und knistert. Leider ist kein Originalton anwählbar. Untertitel stehen sowohl auf Deutsch, als auch auf Englisch zur Verfügung. Als Extras sind außerdem Interviews mit Regisseur Romolo Guerrieri, mit Komponistin Nora OrlandiMark Damon und Rosalba Neri, sowie der deutsche Kinotrailer enthalten. Die Edition kommt in einem ansprechend gestalteten Pappschuber daher, wobei auch an ein Wendecover mit alternativem Motiv gedacht wurde.

„Die deutsche Kinosynchronisation dieses sehr gefragten Spaghetti-Westerns von Meisterregisseur Romolo Guerrieri aus der Blütezeit des italienischen Kinos galt über Jahrzehnte als verschollen und wurde nur durch Zufall in einem Kinoarchiv wiederentdeckt. Bisher gab es nur die kostengünstige Neu-Synchronisation eines Fernsehsenders. Mark Damon überzeugt in einer seiner ersten und erfolgreichsten Rollen als Italo-Western-Held.“ (Colosseo)

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  • Seitenverhältnis: 16:9 – 1.85:1, 16:9 – 1.77:1
  • Alterseinstufung:‎ Freigegeben ab 16 Jahren
  • Regisseur:‎ Romolo Guerrieri
  • Medienformat:‎ Dolby, PAL
  • Laufzeit:‎ 1 Stunde und 36 Minuten
  • Darsteller: ‎Mark Damon, Rosalba Neri, Lawrence Dobkin, Luigi Vanucchi
  • Untertitel: ‎Deutsch, Englisch
  • Sprache: ‎Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)
  • Studio: ‎Colosseo Film

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Filmliebhaber aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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