La Residencia – Das Versteck

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Die etwas schüchterne Waise Theresa wird Anfang des 20. Jahrhunderts von ihrem Vormund auf ein streng geführtes, von der Außenwelt abgeschottetes Mädcheninternat in Südfrankreich geschickt. Dort spielen sich unter der Oberfläche perfekter Disziplin, die von der eisernen Leiterin Madame Forneau überwacht wird, nicht nur brutale Machtspiele unter den Mädchen, sondern auch mysteriöse, unheimliche Vorgänge ab. Schülerinnen verschwinden unerwartet, um am nächsten Tag mit fadenscheinigen Erklärungen entschuldigt zu werden und des Nachts erwachen die endlosen Hallen und Flure des finsteren Herrenhauses zum Leben … (Colosseo Film)

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Das Versteck ist eine ungewöhnliche Mischung aus Mystery-Giallo und Gothic-Horror im Stil der Hammer Studios. Den Schauplatz bildet eine labyrinthische Mädchenschule, in der die Direktorin Lilli Palmer darum kämpft die Leidenschaften ihrer jugendlichen Schülerinnen, von denen sie alle aufgrund derer sublimierten sexuellen Sehnsüchte für gebranntmarkt hält, unter Kontrolle zu halten. Allerdings lässt sich Palmer recht schnell als Heuchlerin mit einem inzestuösen Auge auf ihren hübschen Sohn im Teenageralter (als kindlicher Einfaltspinsel von John Moulder Brown gespielt) entlarven, während die Schülerinnen gezwungen sind ein Regime zu erdulden, das Grausamkeit, Rebellion und Mord fördert. Palmer dominiert den Film mit müheloser Grazie und sie erhält solide Unterstützung von Mary Maude als eiskalter Schönheit, die das Leben der „Heldin“ Cristina Galbo zur Hölle macht. Zu den denkwürdigen Set-pieces gehören ein Slow-Motion-Mord im Gewächshaus der Schule, Galbos dem Untergang geweihter Versuch dem Gebäude im Schatten der Nacht zu entfliehen und – man glaubt es kaum – eine erotisch aufgeladene Sequenz mit den jungen Frauen im Näh-Kreis! Doch den Höhepunkt des Horros erreicht La Residencia in seinen letzten Momenten, als der Mörder während des Showdowns auf dem Dachboden entlarvt wird. Inszeniert wurde der Streifen von Debütregisseur Narciso Ibáñez-Serrador (¿Quien PUEDE MATAR A UNO Niño?) mit atemberaubender Überzeugungskraft. Der wirkliche Star der Show ist allerdings Kameramann Manuel Berenguer (55 Tage in Peking, König der Könige, etc.), dessen schleichende Kamera-Arbeit eine Tugend aus den gotischen Bühnenbildern von Victor María Cortezo macht und die Breitbild-Kompositionen mit überraschender Transparenz zu überzeugen wissen (ja, Dario Argentos SUSPIRIA schuldet offensichtlich dem Stil und Ton von Ibáñez-Serradors Film). Für alle seine Tugenden ist Das Versteck jedoch auch zuweilen ein wenig zu gemütlich, wobei die prächtige Bildästhetik des Films einen ziemlich routinierten Plot verbirgt, der mit „subversiver“ Garnitur gewürzt ist. Nicht fehlerfrei aber trotdem klasse! Die Musik von Waldo de los Rios könnte nicht passender sein und lässt sich wunderbar hören.

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Dieses ehemals schwer zu findende Juwel ist für alle wahren Fans des Horrorfilms sehr empfehlenswert. Der absolute Über-Klassiker des spanischen Horrorkinos ist einer der düstersten, hinterhältigsten und boshaftesten Schulmädchen-Gruselfilme der 60er Jahre, der selbst nach 40 Jahren kein Körnchen Staub angesetzt hat. Colosseo Film bringt die vollständige Filmversion im 2,35:1 Letterbox-Format (Laufzeit: ca. 101 Min.) erstmals im deutschsprachigem Raum heraus und hat wirklich gute Arbeit geleistet, obwohl sich über die Bildqualität der 1,85:1 (16:9) PAL-Version sicherlich streiten lässt. Letztendlich kann man aber einfach nur froh sein diese Perle in einer offiziellen Veröffentlichung in seine Sammlung aufnehmen zu können. Beim Ton stehen eine deutsche, spanische und eine englische Spur zur Verfügung, bei denen es im Hintergrund schon ein bisschen rauscht, was aber kaum stört und dem Alter des Masters geschuldet ist. Die Extras bestehen aus einem Interview mit John Moulder-Brown (Laufzeit ca. 5 Min.), das leider etwas kurz geraten ist, allerdings aber auch gar nicht für eine VÖ bestimmt war und dennoch interessant ist. Weiterhin kann man ein paar Original-Kinotrailer und eine Bildergalerie bestaunen. Zusätzlich wurde an ein Wendecover mit alternativem Motiv gedacht.

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Darsteller: Lilli Palmer, Christine Galbo, John Moulder-Brown, Mary Maude
Regisseur(e): Narciso Ibanez Serrador
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0), Spanisch (Dolby Digital 2.0)
Region: Alle Regionen
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Colosseo Film (Alive AG)
Produktionsjahr: 1969
Spieldauer: 99 Minuten

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Diese DVD sowie das Bildmaterial wurde uns freundlicherweise von Colosseo Film zur Verfügung gestellt.

 

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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