Mutant / Forbidden World

In einer Forschungsstation auf dem Planeten Xerbia ist ein gut gemeintes Experiment um „Subjekt 20“ aus dem Ruder gelaufen. Nun sieht sich die Besatzung mit einer Kreatur konfrontiert, die ihre menschlichen Schöpfer nur noch als Nahrung begreift. Um die Sache wieder in Ordnung zu bringen, wird Mike Colby nach Xerbia entsandt, doch auch er kann kaum etwas ausrichten gegen die mörderische Bestie. Zwischen hübschen Frauen und sich in Proteinklumpen auflösenden Menschen gerät auch er in tödliche Gefahr durch ein Wesen, wie es die Menschheit noch nicht gesehen hat. (Anolis)

Der berüchtigte B-Movie-Produzent Roger Corman zog auch die Fäden im Hintergrund bei Mutant aka Forbidden World, seinem zweiten Vorstoß in das Alien-Abklatschgebiet nach dem etwas ambitionierteren, aber weniger unterhaltsamen Planet des Schreckens (Galaxy of Terror, 1981). Billiger Schlock wie dieser kann nicht als genießbarer beschrieben werden, denn Mutant – Das Grauen im All trägt sein exploitatives Herz auf der richtigen Seite. In mageren siebenundsiebzig Minuten präsentiert der Film keinen wirklichen Sinn für Originalität und kehrt ganz einfach zum Grindhouse-Typus zurück: billige Monsterangriffe, Eimer voller Blut und viel nacktes Fleisch. In einem Satz: Die ultimative B-Movie-Formel. Obwohl Forbidden World offensichtlich in den Grenzen seines niedrigen Budgets gefangen ist, wurde großartige Arbeit geleistet, um sicherzustellen, dass jeder Dollar sinnvoll eingesetzt wird. Anstatt viel Geld in Raumfahrt-Effekte wie bei Planet des Schreckens zu stecken, wirkt der terra firma Ansatz des Streifens Wunder, da die abgelegene Forschungseinrichtung einen angemessen ominösen Schauplatz bietet. In der Tat erscheint der größte Teil von Mutant recht sinister – war ursprünglich mit viel mehr Humor angereichert, den Corman nach einer Test-Vorführung deutlich reduzieren ließ, weswegen sich das Ergebnis unheimlicher und deprimierender gestaltet. Dies ist kein Film, der von Hoffnung und Glück handelt, sondern von Trostlosigkeit und Tod.

Das Drehbuch ist anständig verfasst, viel klüger, als man es von einem solchen Derivat erwarten würde, denn während die Handlung nicht zu viele Wendungen einwirft und sich relativ vorhersehbar präsentiert, droht der Film nie in alberne Gefilde abzugleiten (dank Cormans Schnitten). Andererseits gelingt es Forbidden World zu selten echtes Grauen zu erzeugen, weswegen größtenteils ein Mangel an Spannung herrscht. Doch in den Händen von Low-Budget-Autoren wird eine sorgfältigere Planung zugunsten von leichter umzusetzenden Alternativen schnell mal verworfen. Der Streifen lebt eindeutig von seinen trashigen Wesensmerkmalen: schmierig blutige Effekte und nackte Küken! Der Special-Effekts-Guru John Carl Beuchler hat seit diesem an vielen Horrorfilmen gearbeitet und man kann leicht erkennen weshalb. Die Vorliebe des Mutanten, die menschlichen Wissenschaftler in glibberiges Protein zwecks Nahrungserzeugung zu verwandeln, sorgt garantiert für einige eklige Szenen: Das besondere Highlight ist die fortschreitende Verwandlung eines Charakters, der im Laufe des Films buchstäblich zu einem Haufen von kleisterigen Brei auf einem OP-Tisch mutiert. Ein wahrlich Ekel erregender Effekt, der aufgrund seines body-melting horrors sofort an das Remake von The Blob aus den 80ern erinnert. Es gibt allerdings auch noch viele weitere Momente, in denen das rote Zeug mit großer Hingabe verspritzt und über den Bildschirm gesprüht wird. Was die nackten Mädels anbelangt, so werden dem geneigten Zuschauer die beiden äußerst attraktiven Darstellerinnen Dawn Dunlap und June Chadwick geboten. Als die einzigen Frauen auf der Forschungsstation sind sie selbstverständlich dafür verantwortlich den „Neuen“ Mike Colby (Jesse Vint als ziemlich nutzloser Charakter) zu verführen, was für die erforderlichen Sexszenen zu sorgen hat. Dann, um den erotischen Kreis zu schließen, seifen sich die Frauen in einer überlangen Duschsequenz zärtlich ein, während sie besprechen, wie man mit dem Mutanten kommunizieren könnte. Das ist Nacktheit um der Nacktheit willen und obwohl man sich nicht beschweren kann (da es sich ja um attraktive Damen handelt), ist diese Szene irgendwie trotzdem als schamlos zynisch zu bezeichnen.

Das Alien/Mutanten-Design ist solide genug, um zu garantieren, dass es mehr Bildschirmzeit bekommt, als zum Beispiel das lächerliche Monster in Creature – Die dunkle Macht der Finsternis (1985), doch wurde es mit einem schwerfälligeren, fast unbeweglichen Körper ausgestattet, der eher mehr als weniger statisch wirkt. Leider orientiert es sich zu stark an dem traditionellen „schwarzhäutigen Alien mit langen weißen Zähnen“, das durch H.R. Gigers Kreatur in Alien berühmt wurde und so sind viele Nahaufnahmen des Kopfes in Aktion zu „bestaunen“, um dieses Bild immer wieder verstärken zu können. Da der Körper einfach zu groß ist, um sich mühelos bewegen zu lassen, sind Kopf-Nahaufnahmen das Beste, was man sich erhoffen kann. Mutant – Das Grauen im All ist kein „guter“ Film, aber für das, was er sein soll, ist er unglaublich unterhaltsam. Die Liebe und Zuneigung, sowie die schiere Fähigkeit mit solchen Budgets zu arbeiten, ist in allem, von den Soundstages bis hin zum Drehbuch, offensichtlich zu erkennen und infolgedessen verwandelt sich der Streifen in den besten Alien-Abklatsch der Epoche. Umarmt man den Sleaze und den Cheese, so befindet man sich auf Schnäppchengebiet für trashige Film-Trips. Einer von Cormans besten und wahrscheinlich sein genießbarster.

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  • Darsteller: Jesse Vint, Dawn Dunlap, June Chadwick, Linden Chiles
  • Regisseur: Roger Corman
  • Untertitel: Deutsch
  • Region: Region B/2
  • Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
  • FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
  • Studio: Anolis Entertainment
  • Produktionsjahr: 1982
  • Spieldauer: 77 bzw. 82 Minuten

Anolis Entertainment bringt Mutant – Das Grauen im All im Rahmen ihrer Die 80er Reihe als Nummer 1 in einer BluRay / DVD-Edition heraus und leistet damit, wie bereits gewohnt, hervorragende Arbeit. Das Bild präsentiert sich im 1.79:1 / 16:9 (1920x1080p) Format und sieht absolut klasse aus. Es zeigt sich sehr gut restauriert, farbenfroh, enorm scharf und wunderbar detail- und kontrastreich. Beim Ton kann man zwischen den Sprachen Deutsch und Englisch (beide DTS-HD-MA 2.0 Mono) wählen, wobei deutsche Untertitel zuschaltbar sind. Außerdem gibt es neben den amerikanischen und deutschen Kinotrailern, der deutschen Kinofassung, einem Werberatschlag und Bildergalerien noch das 20-seitige Booklet, von Ingo Strecker interessant gestaltet und toll geschrieben, zu bestaunen. Der Audiokommentar mit Ingo Strecker und Pelle Felsch (zur dt. Kinofassung) gehört eindeutig zu den Höhepunkten der Veröffentlichung, versorgt er den geneigten Zuschauer doch mit einer Fülle an interessanten Informationen über den Film. Das Gleiche kann auch über das Making Of „Forbidden World“ berichtet werden, genauso wie über die Interviews mit John Carl Buechler (Spezialeffekte) und Roger Corman, die ihre Erinnerungen an „Mutant“ offenbaren. Fans von trashigen Sci-Fi-Streifen werden, trotz weniger Defizite, riesigen Spaß an Mutant – Das Grauen im All haben.

Diese Edition sowie das Bildmaterial wurde uns freundlicherweise von Anolis Entertainment zur Verfügung gestellt.

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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