P.O.W. – Die Vergeltung / Behind Enemy Lines

Wenige Tage bevor die US-Truppen aus Vietnam abgezogen werden, unternimmt Colonel Cooper den Versuch, gefangene GI’s aus einem geheimen Vietcong-Lager zu befreien. Das Unternehmen schlägt fehl, Cooper wird selbst gefangen. Weil sich der brutale Lagerkommandant mit einem zusammengerafften Goldschatz in die USA absetzen will, kann Cooper sich und seine Männer auf einer gefahrvollen Flucht durch Vietcong-Gebiet in Sicherheit bringen. (Explosive Media)

Der von Cannon im Frühjahr 1986 veröffentlichte Namsploitation-Ausflug P.O.W.: Die Vergeltung ist zwar keine Fortsetzung von Braddock – Missing in Action (1984), könnte es aber gut sein. Die Filme teilen einen Missing in Action Co-Autor, während die Handlung einige oberflächliche Ähnlichkeiten zu Missing in Action 2: The Beginning (1985) aufweist. Anstelle von Chuck Norris als Col. James Braddock bekommt das Publikum hier David Carradine als Col. Jim Cooper vorgesetzt, eine Militärlegende und Pentagon-Stratege, der sich freiwillig für eine letzte Mission meldet. Man schreibt das Jahr 1973 und befindet sich in Vietnam, fünf Tage vor dem Waffenstillstand, während die USA einen letzten Hurra-Überfall auf ein bekanntes Kriegsgefangenenlager starten. Aus Sorge, dass die Männer nach der Schließung des Waffenstillstandes vergessen und zu M.I.A.s (Missing in Action) erklärt werden könnten. Coopers oberste Regel lautet: „Jeder kommt wieder nach Hause!“ Doch das ist leider nicht der Fall, denn die kleine Einheit, die ihn begleitet, wird bei einem Hubschrauberabschuss ausgelöscht und anstatt die G.I.s zu befreien, wird Cooper nun mit ihnen zusammen in einem Lager gefangen gehalten, das vom rücksichtslosen Captain Vinh (dargestellt vom Oscar-Nominierten Mako, The Sand Pebbles / Kanonenboot am Yangtse-Kiang, 1966) geführt wird. Vinh wird informiert, dass Cooper jetzt der ranghöchste Amerikaner in Gefangenschaft sei, weswegen seine Kommandeure einen Scheinprozess in Hanoi veranstalten wollen, bevor Cooper hingerichtet werden soll. Vinh hat jedoch eine andere Idee: Er möchte, dass Cooper ihn nach Saigon bringt, wo Vinh seine Treue zu Nordvietnam zurückziehen und zu den USA überlaufen möchte, um sich Verwandten in Miami anschließen zu können.

Natürlich hat Vinh Hintergedanken, denn er möchte den ständig wachsenden Vorrat an Gold und Schmuck, den er im Laufe der Jahre von amerikanischen Kriegsgefangenen „beschlagnahmt“ hat, in Amerika einlösen. Cooper stimmt dem Plan vorerst zu, doch mit einer Einschränkung: Die Kriegsgefangenen sollen sie begleiten, weil (ja bekanntlich) alle nach Hause gehen. Erschwerend kommt hinzu, dass das unberechenbare Element in Gestalt von P.O.W. Sparks (Charles R. Floyd) bereits eine fehlgeschlagene Flucht hinter sich hat, bevor er ständig alle in Gefahr bringt. Er fungiert hier im Grunde genommen wie „Waingro“ in Heat (1995), bevor ihm die Filmemacher gegen Ende eine unglaubwürdige Erlösung gewähren. P.O.W.: Die Vergeltung repräsentiert Gideon Amirs Regiedebüt, der einige Zeit in Cannons Schützengräben verbrachte und an Filmen wie Der Ambassador und Braddock – Missing in Action (beide 1984, als Second Unit Director) und American Ninja / American Fighter (1985, als Co-Autor) arbeitete, bevor Menahem Golan ihm einen Versuch gewährte, seinen eigenen Film zu drehen. Amir liefert brauchbare Ware ab, indem er den Film in Bewegung hält, doch es gibt auch ein paar Problemchen, nämlich einen bizarren Moment, in dem eine nächtliche Jeep-Verfolgungsjagd plötzlich vollkommen abrupt endet und zum nächsten Morgen geschnitten wird. Amir hat bisher nur einen weiteren Film gedreht (Accidents, 1989), ist aber weiterhin mit Kabel- und Streaming-TV-Serien aktiv, zuletzt als Produzent bei Amazon Primes Carnival Row und DC Universes Doom Patrol.

Der Film wurde hauptsächlich auf den Philippinen gedreht (wie die Anwesenheit von Cirio H. Santiagos Stammgästen wie Ken Metcalfe, Jim Gaines, Eric Hahn und Henry Strzalkowski zeigt), mit einigen offensichtlichen Neuaufnahmen in L.A. (die Landschaft gestaltet sich anders und Carradines Haare sind in einigen Einstellungen länger). Für P.O.W. wurde ein Großteil der American Fighter-Crew übernommen, vor allem Co-Star Steve James wurde erneut in den Sidekick-Dienst verbannt. Er übernimmt die Rolle des Sgt. Johnston, einem Kriegsgefangenen, der auf dem Weg nach Saigon Coopers engster Vertrauter wird. Es ist immer wieder toll James zu sehen, einen großartigen Schauspieler mit erstklassigen Actionfähigkeiten, der 1994 mit nur 41 Jahren leider an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankte. James arbeitete viel für Cannon, doch sie ließen ihn nie sein volles Potenzial ausschöpfen. Selbst als er 1989 in American Ninja 3: Blood Hunt (American Fighter III, ohne Michael Dudikoff) endlich die Top-Billings erreichte, spielte er noch immer die zweite Geige hinter dem neuen American Ninja David Bradley. Letztendlich wäre es wohl eine viel klügere Entscheidung gewesen, das Franchise einfach an James zu übergeben. P.O.W. schien mehr daran interessiert zu sein, einen Star aus Charles R. Floyd zu machen, der in den letzten Jahren der langjährigen Seifenoper The Edge of Night unter dem Namen Charles Grant aufgetreten war. Was Floyd / Grant – entweder ein aufstrebender Schauspieler oder die unkooperativste Person im Zeugenschutzprogramm – nicht weiterhalf, war die Tatsache, dass er in drei verschiedenen Cannon-Filmen unter drei verschiedenen Namen auftrat. Hier ist er als Charles R. Floyd gelistet, in Delta Force trat er als Charles Floye auf, während er in Rappin‘ – Asphaltvibration (1985) als Charles Flohe aufgeführt wurde. Nach P.O.W. fand er beständige Arbeit in weiteren Seifenopern wie Another World, Santa Barbara (California Clan) und The Bold and the Beautiful (Reich und schön), wo er wieder unter dem Namen Charles Grant auftrat.

P.O.W.: Die Vergeltung sollte eines der letzten Male sein, dass ein David Carradine Film eine relativ breite Kinoveröffentlichung spendiert bekam, obwohl er bis zu seinem Tod in 2009 nie aufgehört hatte zu arbeiten. Dabei war er so dermaßen produktiv, dass er immer noch in über einem Dutzend Filmen auftauchte, von denen man noch nie etwas gehört hat. Außerdem bekam er immer noch hochkarätige TV-Rollen wie in der Miniserie North and South (Fackeln im Sturm, 1985) und North and South Book II (Fackeln im Sturm II, 1986), doch er würde sich bald auf eine lange Strecke größtenteils mieser B-Filme und D-list-straight-to-video titles begeben. Eine Nebenrolle als Bösewicht in der Komödie Bird on a Wire (Ein Vogel auf dem Drahtseil) von Mel Gibson / Goldie Hawn aus dem Jahr 1990 war seine einzige Tändelei mit A-Listen Filmen, bis Quentin Tarantino ihm 2003 und 2004 eine kurze Pause mit den Kill Bill-Filmen einräumte. Was ihm kurzfristig bessere TV-Gastauftritte einbrachte, doch das Wiederaufleben seiner Karriere (das jeder erwartet hatte) kam nie zustande, weswegen er bald zu „Müllfilmen“ zurückkehrte. Dazu gehört auch seine Nebenrolle als Poon Dong im nicht anschaubaren Crank 2 – High Voltage von 2009. In P.O.W.: Die Vergeltung stellt er einen soliden Helden dar und bringt definitiv mehr lose Leinwandpräsenz in das Geschehen ein als der stoischere Norris in den Missing in Action-Filmen. Er geht sogar noch einen Schritt weiter mit dem offensichtlichen „America! Fuck yeah!“ Jingoismus, indem er den größten Teil des Endkampfes buchstäblich in der amerikanischen Flagge eingehüllt verbringt, während er VC-Kommies wegbläst, bevor einer der Jungs sie alle in ein „Proud Mary“ -Mitsingen einführt.

Explosive Media präsentiert den Film erstmals als restaurierte High Definition Neuabtastung, die wirklich gut gelungen ist. Das Bild (1,85:1; 1080p) sieht klasse aus und gibt wenig Anlass zum Meckern. Beim Ton liegen mit der deutschen und englischen zwei Spuren vor. Beide werden im DTS HD Master Audio 2.0 Format präsentiert und klingen sehr gut. Für Freunde des Originaltons sind deutsche und englische Untertitel anwählbar. Als Extras wurden der Kinotrailer und eine Bildergalerie auf die Scheibe gepackt. Explosive Media gelingt eine tolle Veröffentlichung eines kleinen Actionreißers, der im Grunde genommen nicht besonders viel darstellt aber trotzdem enorm zu unterhalten weiß. Exzellentes Cannon-Kino eben!!!

Verlosung !!! Unter allen, die unter diesem Artikel kommentieren, verlosten wir ein BluRay-Exemplar von P.O.W.: Die Vergeltung! – Die Verlosung ist beendet.

Teilnahmebedigungen: Hinterlasse einen beliebigen Kommentar zum Thema David Carradine – zum Beispiel deinen Lieblingsfilm mit ihm – und gib eine funktionierende E-mail-Adresse an. Alle Kommentierende mit Postanschrift in Deutschland, der Schweiz oder Österreich sind gewinnberechtigt. Mitarbeitende von Nischenkino, Explosive Media oder Koch Films sind von der Teilnahme ausgeschlossen. Kommentierfrist ist der 30. November 2020

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  • Seitenverhältnis : 16:9 – 1.85:1, 16:9 – 1.77:1
  • Alterseinstufung : Freigegeben ab 18 Jahren
  • Regisseur : Amir, Gideon
  • Laufzeit : 1 Stunde und 30 Minuten
  • Erscheinungstermin : 12. November 2020
  • Darsteller : Carradine, David, James, Steve, Brock, Phil, Mako, Floyd, Charles R.
  • Untertitel: : Deutsch, Englisch
  • Studio : Explosive Media (Vertrieb: Koch Films)

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Diese BluRay wurde uns freundlicherweise von Explosive Media zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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44 Antworten

  1. Frank Warnking sagt:

    für mich war sein bester Film „Kill Bill Vlolume 2″….vorher habe ich nicht wirklich wahrgenommen 🙂

  2. Falko sagt:

    Der erste Teil von Kill Bill stellt meinen persönlichen Favoriten der vielschichtigen Filmografie von David Carradine dar.

  3. Markus Tump sagt:

    Ganz klar : „Frankensteins Todesrennen“!

  4. Lars sagt:

    Was für eine ausführliche Vorstellung.
    McQuade, der Wolf ist mein Lieblingsfilm

  5. Elke sagt:

    P.O.W. Die Vergeltung

  6. Marco sagt:

    Bruce Lee wäre es ne viel besser Wahl für die Kung Fu Serie gewesen als David Carradine. Andererseits wäre er dann vielleicht im TV versauert…

  7. Edgar Röhrl sagt:

    Kill Bill finde ich am besten. Natürlich auch die Serie kung fu.

  8. Alexandra Jotter sagt:

    Ich mag mehrere Filme mit David Carradine. Nun wenn ich ein Titel nennen muss, der mir besonders am Herzen liegen und den ich mir immer wieder ansehen kann, wäre es – Cannonball
    Bin mit dem Film aufgewachsen. Habe ihn aber seit 2 bis Jahren nicht mehr gesehen. Damals mit meinem Vater auf VHS, da er immer noch ein abspielbaren Videorekorder besitzt. 😍😊

  9. Inge sagt:

    „Kill Bill Vlolume 2″ finde ich super

  10. Kai sagt:

    Für mich ist er auch unsterblich durch Kill Bill, aber insgesamt ein Wunder, in wie vielen Filmen er mitgemacht hat

  11. Bastian sagt:

    McQuade ist mein Favorit.

  12. Petra Hoffmann sagt:

    Kampf gegen Chuck Norris bei McQuade der Wolf

  13. Michael Boldt sagt:

    Kung Fu war immer ganz große Klasse.
    Sein Autogramm hängt noch bei mir im Büro.

  14. Matthias sagt:

    mit David Carradine verbinde ich Kwai Chang Caine aus der Fernsehserie Kung Fu

  15. Dietrich sagt:

    Als Kind fand ich ihn ganz toll in Kung Fu

  16. Ewald sagt:

    Top Kung Fu Fighter, toll die Fernsehserie Kung Fu

  17. Konstantin Erfurt sagt:

    Finde „future force“ sehr cool, beide Teile

  18. Andreas Boehm sagt:

    Fernsehserie Kung Fu

  19. Lukas sagt:

    Carradine fand ich in der Kung Fu -Serie immer ganz toll

  20. Walden sagt:

    Ganz geiler Typ!

  21. Bernd sagt:

    Davis Carradine war Garant für Action. Einfach klasse die Filme.

  22. Claudia sagt:

    echt cool, Klassiker

  23. gerlinde Kaneberg sagt:

    „Frankensteins Todesrennen“! fand ich supi

  24. Sascha S. sagt:

    Ohne Frage direkt Kill Bill 🙂

  25. Claus Fiedler sagt:

    McQuade, der Wolf, dort gibt er einen prächtigen Bösewicht ab! ❤️

  26. Morris Nowka sagt:

    Ich fand ihn immer sehr eindrücklich in Walter Hills „The Long Riders“, da spielte er zusammen mit seinen Brüdern! In „American Monster“ blieb er mir als Cop, der eigentlich nur nett sein will, auch in Erinnerung. Aber der Bösewicht in „McQuade, der Wolf“ ist natürlich eine Paraderolle für ihn. Ich fand es göttlich, wie sich Chuck Norris nach dem Film über ihn äußerte: „David Carradine is every bit as good a martial artist as I am an actor.“ 🙂

  27. Silas Lambrecht sagt:

    Erinnerungswürdig ist neben seinen Großartigen Rollen in Kill Bill oder MqQuade seine Darstellung in Crank 2!

  28. Mattes sagt:

    Moin, bin seid den Kill Bill Filmen ein großer Fan von David Carradin und hüpfe mal in den Lostopf.
    LG 🙂

  29. Peter sagt:

    Chuck Norris vs David Carradine Endkampf in Lone Wolf McQuade: Traumhaft! Die Kung Fu Serie war einzigartig und gut geschrieben. Cannonball und Armed Response waren auch ganz cool.

  30. Wild Norbert sagt:

    Mein Lieblingsfilm war The Last Sect

  31. Dennis Schulte sagt:

    Ich hab vor ein paar Jahren die Serie „Kung Fu“ von ihm gesehen, nachdem er mir aus Kill Bill bekannt wurde, und die Serie ist absoluter Kult! Carradine überzeugt total als wandernder Shaolin-Mönch und ich feier die ganzen Gastauftritte bekannter Schauspieler wie Harrison Ford, Jodie Foster, Jack Elam und viele mehr! Außerdem war er in McQuade große Klasse!

  32. tanja hammerschmidt sagt:

    bei kill bill fand ich ihn mega <3 und ich muss ehrlich gestehen, da fiel er mir auch zum ersten mal auf. drücke mal feste die daumen für die verlosung

  33. Reinhard sagt:

    Davis Carradine einfach nur klassse !

  34. Vanessa sagt:

    Kung Fu fand ich Klasse 🙂

  35. René sagt:

    wow…bis zu deinem Bericht, habe ich gar nicht mitbekommen…dass es endlich diesen Film als BluRay gibt…einer meiner Lieblingsfilme aus den 80ern. Ich bin großer Fan, von diesen ich nenne Sie immer, Filme die außer mir keiner kennt…
    Genauso ist es mit der Musik der 80er, das was jeder kennt und damit in Verbindung bringt, höre ich zwar auch, aber lieber das was auf einer B Seite der Single war, oder das was in den Charts nie unter die Top 50 kam. Und so ist es bei den Filmen der 80er genauso. Bin ehrlich jetzt durch Zufall auf deine Seite gestoßen, glaube aber ich weiß was ich mir jetzt als Lesezeichen setze…Daumen sind gedrückt…

  36. Tanja sagt:

    „The Last Sect“ von 2006 ist mein absolutes Highlight mit ihm!

  37. Bernd sagt:

    Die Serie Kung Fu gefällt mir sehr gut

  38. Wilfried sagt:

    Kill Bill und Kung Fu 🙂

  39. Marga sagt:

    Frankensteins Todesrennen war/ist cool

  40. Barbara sagt:

    feiner Kerl 😀

  41. FX-DoG sagt:

    Da hab ich offen gestanden noch einige Sammlungslücken, P.O.W. käme mir gerade recht!
    🌴+💥=😍

  42. Diana sagt:

    Kung Fu war toll

  43. Martina sagt:

    Kill Bill war spitze. Hat er gut gespielt

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