Olivia – Im Blutrausch des Wahnsinns / Double Jeopardy / A Taste of Sin

VHS – Edition

Ein erotisches Spiel führt zum gewaltsamen Tod einer Prostituierten, der von ihrer Tochter hilflos durch ein Schlüsselloch beobachtet wird. Die Geschichte geht Jahre später weiter, da die Tochter, die nun selbst zu einer Prostituierten geworden ist, an psychischen Beschwerden leidet. Die bringen sie dazu, sich an denen zu rächen, die Kontakt mit ihr haben, indem sie die Ereignisse wiederholt, die sie in der Nacht, in der ihre Mutter getötet wurde, miterlebt hat…

Das fünf Jahre alte Mädchen Olivia (Suzanna Love) ist die Tochter einer Prostituierten (Bibbe Hansen), die ihre Kunden in ihrer Wohnung mit Blick auf die Themse unterhält. Das Mädchen spioniert ihre Mutter und diese Männer nachts durch das Schlüsselloch aus und erpresst sie dann zu einer Gutenachtgeschichte, wenn sie erwischt wird. Doch eines Abends verlaufen die Dinge nicht nach Plan, als ein Klient verlangt vor dem Sex gefesselt zu werden. Er befiehlt Olivias Mutter, ihn auf keinen Fall zu befreien, egal was er sagt. Zuerst erfüllt sie seine Bedingungen, dann wird er laut und missbräuchlich, so dass sie einen Arm losbindet, um ihn zum Verlassen der Wohnung zu bewegen – doch er packt ihren Kopf und schmettert ihn auf den Nachttisch, bis sie tot ist!

Nun, das stellt kein besonders schönes Erlebnis für die kleine Tochter dar, oder? Doch so beginnt Regisseur Ulli Lommels Olivia – Im Blutrausch des Wahnsinns, obwohl dies nicht der bevorzugte Titel der Produzenten war, die den Namen der Hauptfigur ursprünglich nicht im Titel haben wollten, da der offensichtlich nicht sensationell genug für den Grindhouse-Markt war. Lommel behauptete, der Film sei eine seiner besten Errungenschaften, obwohl er heutzutage als einer der schlechtesten Regisseure aller Zeiten gilt, so fair oder unfair das auch sein mag, man sollte sein Selbstlob vielleicht nicht ganz so ernst nehmen. Nach dem relativen Erfolg vom Video Nasty The Boogey Man (1980) bedeutete der hier besprochene Flick sicherlich einen Schritt zurück.

Der Film wurde zum Beispiel erst ein paar Jahre nach seiner Fertigstellung veröffentlicht und selbst dann bleibt der Streifen einer der obskursten Horrorfilme seines Jahrzehnts. Nicht, dass er vollständig als Horrorfilm klassifiziert werden könnte, wobei Double Jeopardy eindeutige Horrorelemente enthält, doch darüber hinaus auch noch Aspekte des sozialen Dramas, der Romantik und der Sexploitation beinhaltet. Olivia scheint des Regisseurs Kombination aus Alfred Hitchcocks Marnie, Vertigo – Aus dem Reich der Toten und (natürlich) Psycho zu sein, nur in weitaus gröberem Stil präsentiert, der den Streifen amateurhaft aussehen lässt. Allerdings wurde genügend Geld in das Projekt gesteckt, so dass es auch nicht gerade nach vierundachtzig Minuten eines selbstgedrehten Heimvideos aussieht.

Die Inspiration für den Drehort stammt von Lommel und Love, die nach einem Ort für die Fortsetzung von Boogeyman suchten, als sie in Arizona landeten, wo sie auf London Bridge stießen. Es war Liebe auf den ersten Blick und sie waren entschlossen, den Ort in ihrem nächsten Projekt einzubauen, also schrieb Lommel ein Skript, das darauf basierte. Doch das nur Nebenbei. Robert Walker Jr. spielt Mike Grant, der Olivia bucht, als auch sie zu einer Prostituierten wird, anscheinend weil sie das Leben als Hausfrau langweilt, oder viel eher, weil sie vom Geist ihrer Mutter heimgesucht wird.

Oder vielleicht, weil sie ganz einfach nur verrückt geworden ist, wie man sehen kann, als ihr erster Freier auch zu ihrem ersten Mordopfer wird. OK, der Typ ist ein bisschen pervers, sein Schlafzimmer mit etlichen Sexpuppen geschmückt, doch er verkörpert einen angenehmen Charakter, so dass man ihre Tat der willkürlichen Gewalt nicht dulden kann. Von hier an erwartet man einen Serienkillerthriller, aber Mike gelingt es Olivias Herz zu erwärmen, weswegen sie ihn ihrem schlampigen Ehemann Richard (Jeff Winchester) vorzieht. Außerdem zeigt sich Mike mittlerweile sehr beeindruckt von ihrer Angewohnheit Bierflaschen mit den Zähnen aufzubeißen. Wie man sich eventuell vorstellen kann, repräsentiert A Taste of Sin ein ziemlich exzentrisches Unternehmen, aber was soll man von einem Film erwarten, in dem eine elektrische Zahnbürste als Mordwaffe in Dienst gestellt wird. Aufgrund des schlecht synchronisierten Sounds und einer beinahe rein zufällig gehaltenen Handlung sollte man am besten auf nicht zu viel hoffen. Der Streifen hat seine Fans, wie jeder Horrorfilm aus den Achtzigern, doch als hochkarätig kann man ihn nicht bezeichnen. Eigentlich bleibt man nur dran, um zu sehen, wie seltsam sich Olivia noch weiterentwickelt.

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  • Bildformat: „Vollbild 4:3“
  • Medium: „VHS“
  • Spielzeit: „ca. 81 Min.“
  • Sprache: „Deutsch“
  • TVNorm: „Pal“
  • Zustand: „Ungekürzte Fassung – guter/sehr guter Zustand – Einleger“
  • FSK: „ungeprüft“
  • Tonformat Analog: „Mono“
  • Medium: VHS
  • FSK-Logo: 18

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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