The Beast Within / Das Engelsgesicht – Drei Nächte des Grauens

The Beast Within / Das Engelsgesicht - Drei Nächte des Grauens

Im Jahre 1964 hat das junge Paar Eli und Caroline MacCleary in der Nähe einer Kleinstadt eine Autopanne. Während Eli Hilfe holt und Caroline alleine zurücklässt, wird diese von einem Unbekannten angegriffen und vergewaltigt. Sie wird daraufhin schwanger und bekommt einen Sohn. 17 Jahre später wird Michael, der Sohn der beiden, von schlimmen Alpträumen geplagt und verhält sich zunehmend psychotisch. Da Michaels Leiden genetisch bedingt sein könnte, beschliessen die ratlosen Eltern in ihrer Verzweiflung zum Ort des damaligen Verbrechens zurückzukehren, um mehr über den Täter herauszufinden. Die Einwohner des kleinen Ortes erweisen sich allerdings als nicht besonders kooperativ und Michaels Zustand wird zusehends schlechter. Und auch körperlich beginnt er sich zu verändern – mit tödlichen Folgen für die Menschen in seiner Nähe…

The Beast Within / Das Engelsgesicht - Drei Nächte des Grauens

1982 war ein Rekordjahr für den Horror-Film. In der Spitzengruppe der Genre Flicks, die alle um die Aufmerksamkeit der Zuschauer wetteiferten, befanden sich Das Ding aus einer anderen Welt, Die unheimlich verrückte Geisterstunde (Creepshow), Poltergeist, Katzenmenschen, Basket Case – Der unheimliche Zwilling und der etwas unterschätzte Halloween III: Die Nacht der Entscheidung. Noch wichtiger in diesem Zusammenhang sind hier jedoch zwei Filme, die im Jahr zuvor aufgetaucht waren. American Werewolf (An American Werewolf in London) und Das Tier (The Howling) zeigten 1981 sowohl hervorragende Transformations-Sequenzen sowie klasse Make-up Effekte, die ihrer Zeit deutlich voraus waren. Sie legten die Latte für Filmemacher ziemlich hoch, während Phillipe Moras The Beast Within ein weniger bekanntes Beispiel der Inspiration darstellte, die diese beiden Streifen zu der Zeit auf die Branche hatten. Drehbuchautor Neuling Tom Holland, der später unter anderem die ausgezeichneten Psycho II, Die rabenschwarze Nacht (Fright Night) und Chucky – Die Mörderpuppe (Child’s Play) schrieb, war bereits ein etablierter Schauspieler mit fast zwanzig Jahren Erfahrung auf dem Buckel, als er die Chance bekam Edward Levys Roman The Beast Within von 1981 für die große Leinwand zu adaptieren, wobei er vom Studio reichlich wenig an Vorgaben bekam, bis auf eine Verwandlungssequenz ähnlich denen mit ein zu bauen, die John Landis‘ und Joe Dantes Filmen Kultstatus verliehen hatten. Der resultierende Film machte sich nicht schlecht an den Abendkassen, um danach weitgehend spurlos zu verschwinden, obwohl sein einfaches aber markantes Videobox-Design einen kurzen Lauf auf VHS und ein gewisses Maß an Kultstatus auf dem Weg zum Wühltisch gewährleistete.

The Beast Within / Das Engelsgesicht - Drei Nächte des Grauens

Der Pariser Mora hat ein etwas kunterbuntes Resümee, welches das Christopher Walken Vehikel Die Besucher (Communion) von 1989 genauso beinhaltet, wie den viel geschmähten Das Tier II (Howling II: Stirba – Werewolf Bitch, 1985) und den faden Wolfmen (The Marsupials: The Howling III, 1987). Der vorliegende Film kann allerdings in keiner Weise für die Verbrechen, die seine beiden Werwolf Aussetzer auf unsere Sinne losließen, schuldig gesprochen werden und hält sich tatsächlich bis zu diesen Tagen erstaunlich gut. Es gibt hier keine Lykanthropen, doch stattdessen etwas ziemlich einzigartiges, nämlich das erste und einzige Mal Zikaden. Die Zikade ist ein ziemlich unbeachtliches Insekt mit Käferaugen, umgangssprachlich auch als Heuschrecke bekannt. Normalerweise können diese Insekten nur für Pflanzen gefährlich werden und sind so etwas wie eine Delikatesse in Asien und Lateinamerika. Wirft man jedoch eine Dosis Pubertät in die Waagschale werden sie plötzlich zu Deinen schlimmsten Feinden. Der unglückselige Teenager Michael MacCleary (Paul Clemens) ist von dem Moment an verflucht, in dem er gezeugt wird. Als seine frisch verheirateten Eltern Eli (Ronny Cox) und Caroline (Bibi Besch) auf ihrem Weg durch Mississippi Probleme mit dem Auto bekommen und Eli zur nächsten Tankstelle wandert um Hilfe zu holen, wird seine Frau von einer unbekannten Kreatur angegriffen und brutal vergewaltigt. 17 Jahre später (die Lebensdauer einer Zikade) beginnt das Produkt dieses Überfalls scheeles Verhalten an den Tag zu legen, sodass es sich letztendlich doch noch zu Papas Jungen entwickelt. Seine Eltern beschließen deshalb zum Ort des abscheulichen Verbrechens zurückzukehren, um mehr über die andere Seite seines Erbes herauszufinden und wünschen sich prompt, sie hätten es nie getan.

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Das Ziel der Produzenten war eindeutig vom aktuellen Trend der Werwolf-Filme und dergleichen zu profitieren, doch The Beast Within hat sehr viel mehr mit den Monsterfilmen der fünfziger Jahre gemein, mit denen Holland wahrscheinlich aufwuchs. Trotz einer Prämisse, die im Verlauf des Films immer lächerlicher wird, spielte das Ensemble klasse auf und die letzte halbe Stunde präsentiert das Talent von FX Maestro Thomas R. Burman, der sich auch für Die Körperfresser kommen (Invasion of the Body Snatchers), Der Manitou, Die Prophezeiung (Prophecy), Blutiger Valentinstag (My Bloody Valentine), sowie die oben genannten Halloween III und Katzenmenschen verantwortlich zeichnet. Seine Arbeit war auch hier ausgezeichnet, berücksichtigt man das niedrige Budget und die berüchtigte Verwandlungsszene, die während urkomisch im Extrem und keine Konkurrenz für die bedeutsame Arbeit von Rick Baker oder Rob Bottin, immer noch einen unvergesslichen Anblick bietet. Darüber hinaus gelang es Mora eine angemessene Menge an Spannung aufzubauen, obwohl die Kreatur des Titels eigentlich nur eine direkte Bedrohung für Erntezyklen von Bauern darstellt. Die Leistung von Clemens ist feurig bis ins Extrem, wobei er wirklich in die Vollen ging, sich sein Charakter aber trotzdem noch als sympathisch genug erweist, um bei dessen Kampf mit seinem inneren Dämon, der letztlich ohne Erfolg bleibt, mit zu fiebern. Es ist außerdem ein deutlicher Lovecraftian Einfluss zu spüren, nicht nur bei der Namensgebung von bestimmten Schlüsselfiguren (Dexter Ward), sondern auch in der geheimnisvollen „Kleinstadt“, die voll von Mysterien der amerikanischen Ureinwohner ist. Les Baxters Musik passt gut und die Kameraarbeit von Jack L. Richards holt das Beste aus den zur Verfügung gestellten Elementen heraus. Dichter Nebel umhüllt unserem Bildschirm, wobei Moras Linse gelegentlich ziemlich brillant durch den Dunst schneidet.

The Beast Within / Das Engelsgesicht - Drei Nächte des Grauens

Offensichtlich war es unsinnig und für The Beast Within nie beabsichtigt einen Kultstatus wie seine Zeitgenossen zu erlangen. Berücksichtigt man die Zeit des Erscheinens, als John Carpenters Das Ding aus einer anderen Welt zirkulierte, verringert dies die Chancen des Streifens bereits dramatisch. Doch als ein Film, der an seine Zeit erinnert, verdient er dennoch weitaus mehr Ovationen als er jemals bekommen hat. Es ist ein Monsterfilm, schlicht und einfach ein guter altmodischer Spaß in den nebligen Sümpfen Mississippis mit viel Herz und einigen wirklich effektiven Schauermomenten. Filme wie die genannten und zum Beispiel noch William Sachs‘ ebenso übersehener Der Planet Saturn lässt schön grüßen (The Incredible Melting Man) formulierten meine filmische Erziehung im Horrorbereich, als Interspezies-Vergewaltigung zu einem Thema wurde, das begann weiterhin Früchte zu tragen. Doch kein anderer Film hat jemals die Dreistigkeit besessen eine Frau, von etwas, was im Wesentlichen eine vermehrungsgeile Heuschrecke verkörpert, schänden zu lassen. Nun, wenn das kein Beweis von Innovation ist, dann weiß ich es auch nicht mehr. Gott sei Dank strafen Michaels kannibalische Neigungen die kulinarischen Gewohnheiten der vegetarischen Zikade Lüge und er hatte auf Kosten irgendwelcher Nebendarsteller (auch relativ große Namen wie Don Gordon, R.G. Armstrong, L.Q. Jones oder Luke Askew, den man eventuell aus dem Italo-Western La notte dei serpenti „Die Nacht der Schlangen“ von Giulio Petroni kennt) einen Heidenspaß deren Kehlen herauszureißen und ihnen wie pustulösen Pickeln das Leben auszuquetschen. Der Moment, in dem er schließlich gezwungen wird seiner Blutlinie zu folgen, ist eine wunderbar langgezogene „Häutungsszene“, die ihn innerhalb voller fünf Minuten in einen bösartigen Kürbis verwandelt. Burmans FX gehören in diesem Fall möglicherweise nicht zu den ganz Großen aber sie repräsentieren immer noch etwas enorm Staunenswertes.

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The Beast Within / Das Engelsgesicht - Drei Nächte des Grauens BluRay DVD mediabook

  • Darsteller: Ronny Cox, Bibi Besch, Paul Clemens, Don Gordon
  • Regisseur(e): Philippe Mora
  • Format: Limited Collector’s Edition, Widescreen
  • Sprache: Deutsch (PCM2 .0), Englisch (PCM2 .0)
  • Untertitel: Deutsch, Englisch
  • Region: Region B/2
  • Bildseitenformat: 16:9 – 2.35:1
  • FSK: Nicht geprüft
  • Studio: OfdB Filmworks
  • Produktionsjahr: 1982
  • Spieldauer: 98 Minuten

The Beast Within / Das Engelsgesicht - Drei Nächte des Grauens

OFDb Filmworks veröffentlicht The Beast Within in einer Limited Special 3-Disc-Mediabook-Edition (zwei verschiedene Cover, jeweils limitiert auf 1000 Exemplare) auf BluRay und DVD. Das Bild (1080p; 2.35:1 auf DVD anamorph) ist auf beiden Scheiben als vollkommen zufriedenstellend bis wirklich gut zu bezeichnen. Beim Ton gibt es bei den beiden verfügbaren Spuren (deutsch, englisch BluRay Linear PCM 2.0; DVD Dolby Digital 2.0) auch keinen Grund zur Beschwerde, sie lassen sich auf BluRay sowie auf DVD wunderbar hören. Deutsche Untertitel sind auf Wunsch auch zuschaltbar. Auf der dritten Scheibe befindet sich eine tolle und recht breite Auswahl an Boni (siehe weiter unten), wobei der Audiokommentar von Ingo Strecker und Daniel Perée genauso informativ, unterhaltsam und abwechslungsreich ist, wie das Booklet mit interessantem Text von Thorsten Hanisch. Somit kann die Veröffentlichung als enorm gelungen bezeichnet werden. Freunde des Phantastischen Films müssen hier unbedingt zuschlagen!

Weitere Boni:
– Intro mit Regisseur Philippe Mora
– Within The Beast Within (ca. 33 Min.)
– Storyboarding „The Beast Within“ (ca. 14 Min.)
– Philippe and his Beasts: ausführliche Karriere-Featurette über den Regisseur
– 2 Radio-Spots
– deutscher und englischer Trailer
– Bildergalerie

The Beast Within / Das Engelsgesicht - Drei Nächte des Grauens DVD BluRay Mediabook

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Diese BluRay/DVD sowie das Bildmaterial wurde uns freundlicherweise von OFDb Filmworks zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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