The Curse / The Farm

Kurz nachdem der aufgeweckte Farmerjunge Zack seine Mutter bei einem Seitensprung ertappt hat, landet ein großer Meteorit hinter dem Farmhaus der frommen Familie in Tennessee. Ein Zeichen des Herrn? Jedenfalls übt der Himmelskörper Einfluss auf alles Leben in der Umgebung aus – wenn auch keinen guten: Das Vieh verhält sich aggressiv und zeigt Symptome einer Erkrankung. Tomaten, Äpfel und Kürbisse reifen binnen kürzester Zeit zu überdimensionaler Größe heran, doch wer davon nascht, vergiftet sich Körper und Geist. Der Wahnsinn treibt grausige Blüten: Ein Familienmitglied nach dem anderen verfällt den Früchten des Grauens, der Fluch ist stärker als tausend Stoßgebete. Nur Zack verspürt Kraft und Hoffnung in sich, der entarteten Natur zu trotzen. Kann er seine Familie und die ganze Erde retten? (Wicked-Vision Media)

The Curse ist ein seltsamer Streifen. Zuerst einmal passt der Alternativtitel The Farm sehr viel besser und dann stellt die zusammengestellte Crew für den Film ein überraschendes Kuriosum dar. David Keith, der vor der Kamera eher bekannt ist als dahinter, debütierte als Regisseur, Lucio Fulci (!!!) war Co-Produzent, der die Spezialeffekte überwachte und Ovidio G. Assonitis war der ausführende Produzent. Um das Ganze abzurunden, basiert die Geschichte auch noch lose auf der H.P. Lovecraft Kurzgeschichte The Color Out of Space.

Seltsam hin oder her, The Curse war nach der Erstsichtung eine Art Offenbarung, die man wirklich genießen konnte. Insbesondere, wenn man in dem Zusammenhang andere italienische Genrefilme der gleichen Zeit konsumierte: den dritten Ator-Film Iron Warrior von Alfonso Brescia, Lucio Fulcis Dämonia, Umberto Lenzis Kommando Schwarzer Panther, Claudio Lattanzis / Joe D’Amatos Killing Birds, Ruggero Deodatos Body Count – Die Mathematik des Schreckens, Sein härtester Gegner von Sergio Martino, Fabrizio De Angelis‘ Karate Warrior, usw. Damit soll nicht gesagt sein, dass dies alles schreckliche Filme wären, jedoch sind sie kaum repräsentativ für die besten Werke ihrer Schöpfer, weswegen The Curse es schafft aus all diesen hervorzustechen. Außerdem kann kein Film mit der Musik des berühmten Film-Komponisten Franco Micalizzi schlecht sein! Micalizzi, dessen bekannteste Filmmusik wahrscheinlich sein klassischer Score für Camorra – Ein Bulle räumt auf (1976) darstellt, bietet hier eine Ry Cooder-artige Slide-Gitarre in Kombination mit Electronica an, was in Musik resultiert, die vielleicht noch besser ist, als dieser Film verdient.

Möchte man eine Kurzgeschichte in einen 90minütigen Spielfilm verwandeln, ist das mit Sicherheit um einiges schwieriger, als die Adaption eines 300-Seiten-Buches. Bei einem komplettem Buch ist eine Rationalisierung von Erzählung und Nebenhandlungen erforderlich, was zu einer Umstrukturierung der Handlungselemente und Charaktere führen kann. Adaptiert man eine Kurzgeschichte, wird diese im Allgemeinen entweder mit einer Menge an Nichts aufgefüllt, was nicht wünschenswert ist, oder ein kluger Autor muss herausfinden, wie man Charaktere, Subplots und Dialoge in dem Maße hinzufügt, sodass am Ende ein gut funktionierendes Feature dabei herausspringt. Genau das gelang Drehbuchautor David Chaskin, der gerade erst den nicht als so gut erachteten A Nightmare on Elm Street Part 2: Freddy’s Revenge (1985) geschrieben hatte. Chaskin, der später den hervorragenden Kultklassiker Hardcover (1989) schreiben würde, behält einen Großteil der Lovecraft-Geschichte bei und baut damit eine ziemlich solide Grundlage auf, auf der die notwendigen Ergänzungen fußen können. Wie bei allen Adaptionen wird die erste Hälfte der Geschichte, in der Lovecrafts Faszination für moderne wissenschaftliche Techniken zum Ausdruck kommt, ausgespart, jedoch in einer Szene am Ende des Films referenziert. Viele andere kleine Punkte der Geschichte werden allerdings in die Handlung eingewoben, einschließlich der Farbe des Brunnens, des durchgedrehten Pferdes, des schrumpfenden Meteors, des Reservoirs sowie noch einige weitere.

Mit viel Nebel und Rauch aufgenommen, nutzen die Filmemacher jede Gelegenheit, um Atmosphäre zu erzeugen und den Film größer erscheinen zu lassen, als er wirklich ist. Es gibt nicht viele Drehorte und die Spezialeffekte sind zugegebenermaßen ziemlich „budgetbewusst“ (man kann die Metallschwinge, die am Meteor befestigt ist, als er in die Erde pflügt, deutlich sehen), doch es wird keine Gelegenheit ausgelassen den Film visuell aufregend zu gestalten. Die Nebenhandlung mit den Hunden der Familie mag überflüssig erscheinen, fügt jedoch eine weitere Portion an Bedrohung und Aktion hinzu, als sie verrückt spielen und am Ende die heiße aber manipulative Ehefrau des Doktors zerfleischen. Fulci hinterlässt seine Fingerabdrücke auf einer Szene, die sich im Keller abspielt. In dieser Szene, die an eine ähnliche Sequenz aus Das Haus an der Friedhofsmauer (1981) erinnert, ist zu sehen, wie die verrückte, mutierte Mutter mit ihren Krallenhänden jemandem den Hals aufreißt.

Die Besetzung ist ein weiterer Faktor, der den Film aufwertet. Sicher kann sie nicht mit den Auftritten von Jeffrey Combs und David Gale mithalten, doch das müssen sie auch wirklich nicht. Gemessen an ihren eigenen Leistungen spielen die erwachsenen Hauptdarsteller ziemlich gut. Claude Akins ist großartig als strenger, grausamer Farmer, der seinen Mangel an Bildung mit einer starken Hand und der Bibel wettmacht. Komplimentiert wird er von Kathleen Jordon Gregory (die nach den Dreharbeiten an Krebs verstarb) als seine Frau Francis, die den Film mit ihrer subtilen Vorstellung beinahe alleine trägt. Sie erliegt dem Wahnsinn ohne übertrieben aber doch recht gruselig zu wirken. Aus dem Hintergrund des Shakespeare-Theaters stammend, bildet ihre Vorstellung als misshandelte Frau einen scharfen Kontrast zu Wheatons teils hölzerner Schauspielerei und Schlimmerem, dem großen Bully-Stiefbruder Cyrus, Malcolm Danare, dessen Rolle des zurückgeblieben, dicken Kerls eher in eine schlechte College-Komödie als eine H.P. Lovecraft-Adaption passt. Also, handelt es sich bei The Curse um einen der besten Filme aller Zeiten? Mit absoluter Sicherheit nicht! Die beste Lovecraft-Adaption aller Zeiten? Gleiche Antwort, doch der Film ist verdammt unterhaltsam, mit einigen wirkungsvollen Momenten gespickt und stellt größtenteils eine ziemlich clever adaptierte Geschichte dar.

Wicked-Vision Media bringen The Curse im Mediabook als limitierte BluRay- / DVD-Combo heraus. Über den Film lässt sich evtl. ein wenig streiten, über die Qualität der Veröffentlichung allerdings nicht. Das Bild präsentiert sich im 2,35:1 (1080p) Format und macht einen hervorragenden Eindruck, während es beim Ton ebenso nichts zu meckern gibt. Hier stehen eine deutsche und eine englische Spur (DTS-HD Master Audio 2.0) zur Auswahl, wobei man deutsche Untertitel zuschalten kann. Die erstklassigen Extras bestehen aus einem 24-seitigen Booklet mit einem Essay von Christoph N. Kellerbach, einem Audiokommentar mit Dr. Gerd Naumann, Matthias Künnecke und Christopher Klaese, dem Originaltrailer und einer Bildergalerie. Insgesamt handelt es sich bei The Curse um eine sehr gelungene Mediabook-Edition, die bei Liebhabern und Freunden des gepflegten „Trash“- und Horrorfilms sehr gut ankommen sollte.

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Darsteller: Wil Wheaton, Claude Akins, Malcolm Danare, John Schneider, Cooper Huckabee
Regisseur(e): David Keith
Format: Widescreen
Untertitel: Deutsch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 2.35:1
FSK: Freigegeben ab 18 Jahren
Studio: Wicked-Vision Media
Produktionsjahr: 1987
Spieldauer: 90 Minuten

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Diese Edition wurde uns freundlicherweise von Wicked-Vision Media zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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