The Texas Chainsaw Massacre 1 + 2

Mit The Texas Chainsaw Massacre schuf Tobe Hooper 1974 einen Meilenstein der Film- und Horrorgeschichte. In Deutschland war der Film mit dem garstigen deutschen Titel Blutgericht in Texas gar bis sage und schreibe 2012 auf dem Index. Er inspirierte das Genre in vielfältige Weise und setzte neue Maßstäbe. Nach seiner Listenstreichung erfuhr der Film hierzulande eine neue Rehabilitation, wurde in Kinos neu aufgeführt und erhielt dann auch neue Auflagen auf BluRay, neu abgetastet und mit vielen Extras, die man davor nur aus dem Ausland kannte (ich selbst habe noch eine alte UK DVD hier liegen, die ich aber in Wahrheit bis heute nicht geguckt habe). Das 1986 erschienene Sequel The Texas Chainsaw Massacre 2 war Hoopers Versuch einer Fortsetzung, ohne nach all den Jahren dabei das Erbe des Original anzutasten. Herauskam eine schrille 80er Komödie die sich selbst nicht ganz ernst nahm und den ganzen Hype um das Original ausschlachtete. BluRays beider Filme sind von Turbine nochmals in einfachen Editionen erschienen, etwa ein Jahr nach proppe-vollen Sammlereditionen – eine gute Gelegenheit für mich, die Filme und Heimkino-Optionen einmal Revue passieren zu lassen.

The Texas Chainsaw Massacre (Blutgericht in Texas)

In den Radio-Nachrichten ist von bizarren Grabrauben die Rede als eine Gruppe Teenager (Sally, Pam, Jerry, Kirk und Franklin gespielt von Marilyn Burns, Teri McMinn, Allen Danziger und Paul Partain) durch Texas fährt um sicher zu stellen, dass die Großmutter noch am rechten Platz liegt. In der Nähe hat sie dem im Rollstuhl sitzenden Franklin ein altes Landhaus vermacht, und so wollen die Kids – eigentlich auf der Suche nach einer Tankstelle – dort Halt machen bis der Tanklaster an er örtlichen Benzinpumpe vorbeikommt. Etwas geschockt von einem bizarren Anhalter (Edwin Neal) den sie am Vormittag mitnahmen, erkunden sie das abgelegene Häuschen, als sie einen Benzingenerator vorm Nachbarhaus ausmachen. Doch besonders gastfreundlich sind die Nachbarn nicht… ein Teenie nach dem anderen landet auf der Schlachtbank eines maskierten Hühnen (Gunnar Hansen), der mit Vorschlaghammer und Kettensäge garstiges mit den Hippies vor hat… wer wird überleben, und was wird von ihnen übrig sein?

Spätestens wenn Überlebende in diesen Teenie Filmen kurzzeitig die scheinbare Sicherheit von freundlich aussehenden Anwohnern (hie gespielt von Jim Siedow, der auch in Teil 2 wieder mitspielt) genießen fühlt man sich im Genre zuhause, denn man weiß mittlerweile, dass das Chaos nur Sekunden später wieder ausbricht, denn man wiegt sich in falscher Sicherheit. Der alte Mann mit dem Barbeque-Ofen, ein Detail das Robert Rodriguez Jahrzehnte später in Planet Terror wunderbar erneut bespielt, wird von der Randfigur zum Schlüssel. Ähnlich vorher: der Anhalter ist keine zufällige Begegnung. Fast alle Teenager sterben. Das Genre war geboren.

Wer heute zum Beispiel Wrong Turn guckt, oder die meines Erachtens großartige Hommage an TCM, House of a 1000 Corpses, der weiß was ihn erwartet. Der Kettensägen-Teenie-Slasher, der heute auch in den restaurierten Fassungen mit aufgemotztem 7.1 Raumklang kaum mehr für Gänsehaut zu sorgen vermag, war ein Prototyp. Er tat für das Horror-Genre einen ähnlichen Verdienst wie Star Wars für das Sci-Fi Genre. Dabei ist fast alles was man über den Film in der breiten Öffentlichkeit zu wissen glaubt(e) falsch. Der Film hat bis heute einen viel wilderen Ruf, er ist insgesamt vom „Hörensagen“ bekannter als er tatsächlich bekannt ist. Ein faszinierendes Phänomen eines Films dessen Ruf ihm, ähnlich wie der Klang der Kettensäge, voraus eilt.

Doch was macht ihn letztlich so gut und einflussreich? Es ist meines Erachtens ein gewisser Minimalismus. Einmal technisch: wenig Schauplätze, Originalsets (keine Bauten), 16mm Film, keine Stars. Und dann stilistisch: der Film ist unglaublich effektiv. Nach einer gefühlten Ewigkeit der Ruhe mit wenigen Schreckmomenten bricht das Gemetzel quasi unerwartet über die Teenie her, in roher Gewalt, gar nicht mal so graphisch, und das völlig ohne Rücksicht auf ein Happy End. Noch drastischer ist, dass es niemand gutes gibt: Niemand rettet die Teenager wirklich, jeder an den sie sich wenden, steckt mit drin – und der ultimative „Villian“, der zurückgebliebene Hühne mit der Menschenmaske und der Kettensäge, bleibt letztlich Gesichts- und Dialoglos. Heute muss man sagen, wer den Film nicht kennt dem fehlt ein wichtiger Meilenstein der Filmgeschichte, man wird aber auch sicherlich sehr enttäuscht, denn die Erwartungen an den Film sind dann natürlich exorbitant. Das Remake von Michael Bay (pfui, ja ich weiß) machte hier aber eigentlich alles richtig und transformierte den Film 1:1 in die Neuzeit und traf dabei die Erwartungen, denn er war stilistisch ähnlich, fuhr aber den Horror und Splatter entsprechend hoch um mit der Zeit zu gehen.

Die BluRay bietet die deutsche Synchronfassung in DTS-HD MA 7.1 und als DTS 2.0 Mono Spur. Getestet hatte ich (allerdings auf dem 5.1 System) den Originalton in DTS-HD MA 7.1., aber Puristen haben auch DTS 2.0 Stereo oder DTS 2.0 mono zur Auswahl. Besonders viel Raumklang sollte man sich ohnehin leider nicht erwarten, und auch die Dialogverständlichkeit leidet, vor allem bei den Upmixes, deutlich. Insgesamt kann es sich aber hören lassen, nur is es eben kein Kettensägen-Sound von 2018 sondern von 1974. Die Scheibe basiert wie auch die vorangegangenen auf einer 4K Restauration des 16mm Originals, und man sieht die Grenzen hier recht deutlich. Der Film sieht gut aus, aber es mangelt an Detail, und in den Nachtszenen muss man recht schnell raten was passiert. Aber es hat auch seinen Charm. Man kann zwischen einem deutschen, einem englischen und einem deutschen für Hörgeschädigte Untertitel wählen. Da man es hier mit der abgespeckten Ausgabe zu tun hat, gibt es außer Audiokommentaren keine weiteren Extras, da man hier quasi „Disc 1“ der teilweise noch im Handel erhältlichen Sammleredition (siehe Amazon Links) zu tun hat. Dafür sind das gleich vier Kommentare: einer mit den Darstellern (moderiert von David Gregory), einer mit Tobe Hooper, einer mit Tobe Hooper, Daniel Pearl und Gunnar Hansen, und einer mit Daniel Pearl, Cutter Carroll und Ted Niclaus der Toningenieur. Mindestens zwei der Kommentare waren schon auf älteren Releases zu hören (habe hier noch eine Collectors Edition aus UK von 2011 oder so). Zu allen Audiokommentaren gibt es deutsche Untertitel.

Fazit: Ein zeitloser Klassiker, den man kennen muss, auf einer technisch super soliden Präsentation – wer mer über Film und Hintergrund wissen will muss aber zu einer Sammleredition greifen. Der Film ist gut gealtert, aber da nur auf 16mm gedreht sieht die Restauration nicht so genial aus wie man es sich wünschen würde.

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The Texas Chainsaw Massacre 2

Die Radiomoderatorin Stretch (Caroline Williams) bekommt wegen eines Zuhörer-Anrufs zufällig mit, wie eben diese Zuschauer auf dem offenen Highway von jemandem mit einer Kettensäge massakriert werden. Texas Ranger Enright (Dennis Hopper) glaub erst ihre Theorie nicht, dass die Chainsaw Massaker wahr sind, kooperiert dann aber mit ihr. Als sie die Tonaufnahmen ausstrahlt, bekommt sie von Leatherface (diesmal Bill Johnson) Besuch. Sie lässt sich aber nicht einschüchtern und verfolgt diesen mit seiner Familie. Sie landet im Funland, dem Versteck der Sawyer Familie. Oberhaupt Drayton (Jim Siedow), wie auch schon im ersten Teil, ist daran interessiert Barbeque aus Menschenfleisch zu machen und die Kids im Zaum zu halten, doch die Großmami und der Opa brauchen Blut, und da bleibt Enright nichts anderes über als sich selbst mit Sägen zu bewaffnen und die Moderatorin zu befreien…..

Der zweite Teil ließ relativ lange auf sich warten. Diverse Kontroversen um das Original, das angeblich mit russischer Mafiaknete finanziert wurde, und vielleicht Ermüden des Regisseurs das Thema wieder anzupacken, jedenfalls kam am Ende nicht wieder ein minimalistischer Teenie-Slasher dabei heraus. Teil 2 ist eine selbstironische Komödie mit etwas Splatter, bei der die Story zwar weiter gesponnen wird, aber irgendwie auch an der mysteriösen Legende gerüttelt wurde.

Diesmal war die Cannon Films mit dabei, da noch in der Hochphase des 80er Kinos. Mit Dennis Hopper (Easy Rider) konnte man einen großen Namen beginnen, hat ihn aber meines Erachtens ein wenig verbaten hier. Für die Effekte war unter anderem Tom Savini (From Dusk Till Dawn) mit verantwortlich. Das Ergebnis kann sich handwerklich sehen lassen, und Williams darf zeigen wie gut sie schreiben kann (etwas zu viel nach meinem Geschmack). Im ersten Teil noch Anhalter, hier als „Chop Top“ dabei, aber gespielt von Bill Moseley (heute Teil der Standard-Crew in Rob Zombie Filmen) hat man neben dem Vater noch einige Charaktere aufgewärmt, Leatherface wird aber nicht von Hansen gespielt.

Was an dem Film gefällt ist einfach die Kreativität und die Verrücktheit der Story. Abgefahrene Action, bizarre Sets, jede Menge Seitenhiebe auf das Original und viel Selbstironie machen den Film einem sehr interessanten Sequel. Es haben viele bekannte Leute daran mit gearbeitet, und man merkt dass der Film gut sitzt, obwohl er eben Zuschauer enttäuschen wird, die sich eine bierernste Fortsetzung erhofft hatten. Ich persönlich hab den quasi Teil 3 noch nie gesehen, aber jedenfalls gibt es ja mittlerweile auch diverse Remakes und Reboots, die alle eher ernst, grob brutal und eklig sind, wer also danach aus ist, kann sich ja auf die Neuverfilmungen stürzen.

Die BluRay sieht ebenfalls sehr gut aus, immerhin hatte man hier auch mehr Budget und das Material ist nicht ganz so alt. Da gibt es keinen Grund zu Beschwerde, der Film sieht so echt gut aus. Auch der Klang ist sehr solide, wobei einem das Geschrei der Hauptdarstellerin sehr bald auf den Senkel geht. Die Tonspuren sind Deutsch (DTS-HD A 5.1; DTS 2.0 Surround und DTS 2.0 Stereo) und Englisch (getestet DTS-HD MA 5.1; sowie DTS 2.0 Surround), Untertitel gibt es wieder Deutsch, Englisch und Deutsch für Hörgeschädigte. Diesmal sind etwas mehr Extras mit an Bord. Es gibt eine großartige 6-teilige Doku „Es liegt in der Familie“ (80min, mit Untertiteln) über den Film, Erweiterte Interviews (30min nicht verwendetes Interview-Material für die Doku), Hinter den Kulissen (43min Aufnahmen vom Dreh), Vom Boden des Schneideraums (5 Deleted Scenes), Kinotrailer und Spot sowie Fotogalerien. Doch auch hier ganze drei Audiokommentare. Einer mit Tobe Hooper und David Gregory, einer mit den Darstellern Bill Moseley, Caroline Williams, Maskenbildner Tom Savini und DVD Produzent Michael Felsher (die sind mehrheitlich von 2006 und kommen mit optionalen deutschen Untertiteln), sowie eine mit dem Kriminalbilogen Dr. Mark Benecke und Pathologe Matthias Scheffzek, die wohl nur der deutschen Veröffentlichung beiliegen, und ich etwas überflüssig fand.

Fazit: Ein Heidenspaß, aber ganz anders als das Original. Wer auf selbstironische Splatterkomödien steht kommt hier voll auf seine Kosten. Die BluRay bietet einige prima Extras, und ist qualitativ sehr gut.

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Beide BluRay wurden uns freundlicherweise von Turbine zur Verfügung gestellt.

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info, TripleFeatureFoundation.org und FuriousCinema.com

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1 Antwort

  1. 26. Dezember 2018

    […] Kabinett des Schreckens (The Funhouse) ist ein Horrorfilm von Tobe Hooper (The Texas Chainsaw Massacre) aus dem Jahr […]

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