The Texas Chainsaw Massacre 2

Seit einem Jahrzehnt versucht Texas Ranger Lefty Enright den grausamen Mord an seiner Familie durch die legendäre „Sawyer-Familie“ zu rächen. Mit der Hilfe einer Radio-Station, die dem Terror ebenfalls ein Ende setzen möchte, findet er sich schnell in der Metzgerei der Sawyers wieder. Dort beginnt eine Schlacht von epischem Ausmaß… (Turbine Medien)

Es gibt ein paar Ansätze, die Horror-Fortsetzungen normalerweise verfolgen. Sie können karikaturistischer als das Original sein, wie zum Beispiel George A. Romeros Zombie (Dawn of the Dead, 1978), eine Comicbuch-Tollerei im Vergleich zum krassen Nacht der lebenden Toten (Night of the Living Dead, 1968). Die sogenannten Sequels können actionreicher sein, so wie James Camerons schießfreudiger Aliens (Alien II, 1986) über Ridley Scotts grüblerischen Alien (Alien: Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt, 1979). Außerdem können sie sich pointierter komödiantisch gestalten, so wie Sam Raimis exaltiertes sequel-cum-remake, Evil Dead 2 (Tanz der Teufel 2 – Jetzt wird noch mehr getanzt, 1987). Für seinen 86er Nachfolger vom 74er Original The Texas Chainsaw Massacre (Blutgericht in Texas) ließ Regisseur Tobe Hooper recht unpopulär gleich alle drei Ansätze einfließen. The Texas Chainsaw Massacre 2 verzichtet auf den langsamen, schmutzigen dokumentarischen Ton seines Vorgängers – der von Ed Gein und dem Vietnamkrieg beeinflusst wurde – zugunsten von übertriebener Gewalt im Stile des Grand Guignol Theaters, einer verrückten neuen Kulisse und einer Komödie, die sich schwärzer gestaltet als geronnenes Blut. Nach der Veröffentlichung wurde der Streifen von der Kritik sofort verrissen, die etwas wirklich furchterregendes wie das Low-Budget-Original erwartet hatte, doch im Laufe der Jahre hat sich eine beträchtliche Kult-Anhängerschaft von Fans um den Flick gebildet, die ihn für seine vollkommene Lächerlichkeit schätzt. Nimmt man den Film als grausige Komödie an – und nicht unbedingt als „Horror“-Streifen – so funktioniert das Ganze auf sporadische Art und Weise, indem Satire aus der Reagan-Ära neben ekelhaften Tom Savini Gore-Effekten zum Einsatz kommt.

Vierzehn Jahre nach den Ereignissen des ersten Films beginnt der zweite Teil mit zwei vollgekoksten, pastell-tragenden Yuppies, die mit Ihrem Auto in Richtung Dallas rasen, um dort ein ausschweifendes Wochenende mit College-Football und Alkohol zu verbringen. Einer von ihnen trägt eine dieser dämlichen runden Hologramm-Brillen, lehnt sich aus dem Autofenster und schießt mit einer .44 Magnum auf Straßenschilder. Der andere, in einen kanariengelben Zopfstrickpullover gekleidet, ruft mit seinem Autotelefon (!? der Film ist von 1986 ?!) den lokalen Rockradiosender an, um DJ Vanita „Stretch“ Brock (Caroline Williams mit rauchiger Stimme) zu belästigen. Eins dürfte dem Publikum natürlich sofort klar sein: diese beiden Spaßvögel werden mit aller größter Wahrscheinlichkeit nicht mehr sehr lange leben. Denn schon bald werden sie von einem Pickup-Truck verfolgt, mit Leatherface (Bill Johnson) auf der Ladefläche stehend, der eine absurd lange Kettensäge schwingt und eine verhutzelte Leiche als eine Art groteske Marionette mit sich führt.

Noch am Telefon mit Stretch, die den Anruf aufzeichnet, werden die Yuppies in Scheiben geschnitten – einem wird (mit Hilfe eines wunderbaren Spezialeffekts umgesetzt) die Hälfte seines Schädels durchgesägt, während ihr blutig zerfetztes Vehikel am nächsten Morgen am Rande der Straße aufgefunden wird. Der pensionierte Texas Ranger „Lefty“ Enright (Dennis Hopper, der im selben Jahr auch in Blue Velvet auftrat), ist als erster am Tatort. Er war der Onkel von zwei der Opfer aus dem ersten Film und hat deshalb noch eine gehörige Rechnung mit der Familie Sawyer zu begleichen. Er befindet sich auf einer persönlichen Mission, um die Kettensägen-Mörder aufzuspüren sowie zur Strecke zu bringen, doch keiner seiner ehemaligen Kollegen nimmt ihn ernst. Nachdem er eine Anzeige in der lokalen Zeitung aufgegeben hat, in der er nach möglichen Zeugen sucht, taucht plötzlich Stretch mit ihrer Aufnahme des „mörderischen“ Anrufs in seinem Motel Zimmer auf. Er überredet Stretch, die Kassette während ihrer Sendung abzuspielen – in der Hoffnung, die Mörder aus ihrem Versteck herauslocken zu können, wobei er die Radio D-Jane im Wesentlichen als Köder benutzt. Dann macht er sich auf, um sich in einem exklusiven Laden für Kettensägen mit seinen ganz eigenen Kettensägen bis an die Zähne zu bewaffnen. Denn es ist höchste Zeit für Selbstjustiz auf speziell texanische Art und Weise.

In den Jahren, seitdem man den Kannibalen-Redneck-Clan das letzte Mal gesehen hat, ist er etwas aufgestiegen in der Welt. Papa Drayton (Jim Siedow), alias The Cook, hat ein preisgekröntes Chili-Rezept mit einer besonderen Geheimzutat entwickelt – „It’s the meat“, sagt er, „don’t skimp on the meat“ – während die Familie in der Zwischenzeit aus ihrer verfallenen Hütte in einen heruntergekommenen Vergnügungspark namens Texas Battle Land umgezogen ist, wo sie ihre grausige, karnevalsähnliche Metzgerei eingerichtet haben, geschmückt mit Weihnachtsbeleuchtung, übersät mit ausgetrockneten Leichen und ausgestattet mit seltsamer Knochenkunst. Drayton (die Quelle für Sozialsatire) plappert über Steuern und stammelt “it’s the small businessman that always—always, always!—gets it in the ass.” Nachdem er erfahren hat, dass Stretch die Aufzeichnung ihres jüngsten Gemetzels in ihrer Sendung abgespielt hat, befiehlt er dem geistig zurückgebliebenen Leatherface und seinem anderen Sohn, dem geisteskranken Vietnam-Veteranen Chop Top (Bill Moseley) zum Radiosender zu fahren, um dort ordentlich „aufzuräumen“. Was er nicht erahnen kann, ist, dass Leatherface Gefühle für sein beabsichtigtes Opfer entwickeln wird, was zu einer unverblümten Freudschen Szene führt, in der der hautmaskierte Antagonist mit seiner phallischen Kettensäge in Stretchs Beckengegend vorstößt (glücklicherweise mit ausgeschaltetem Motor), um dort „zärtlich“ über die Innenseiten ihrer Schenkel zu streichen. In dieser Sequenz verhält sich der Killer seltsamerweise ein bisschen wie Lenny aus Of Mice and Men (Von Mäusen und Menschen, 1992), nämlich wie ein einfältiger Grobian, der sich seiner eigenen furchterregenden Kraft nicht bewusst ist.

The Texas Chainsaw Massacre 2 hat nicht besonders viel an Plot zu bieten, was ausnahmsweise auch mal gar nichts ausmacht. Der Großteil des restlichen Films besteht aus Stretch und Lefty, wie sie durch die unterirdischen Tunnel von Texas Battle Land streifen, wobei erstere versucht zu fliehen und letzterer nach Rache giert. Man sollte sich auf mehrere jump-scares einstellen, bei denen Leatherface (wie der Kool-Aid-Typ oder Macho Man Randy Savage in diesen „Snap into a Slim Jim“ – Werbespots, die allerdings nur in den USA bekannt sein dürften) durch verschiedene Wände kracht. Weiterhin kann man sich auf einen Mano-a-Mano-Kettensägen-Kampf zwischen Lefty und Leatherface freuen, bei dem Lefty seine mannigfaltigen Sägen zum Einsatz kommen lässt. Außerdem sind noch ein paar obligatorische Reminiszenzen an den ersten Film zu erwarten, wie eine weitere „Dinner“-Szene mit Opa, der seinen Hammer mal wieder nicht richtig in den Griff bekommt.

Der Drehbuchautor L.M. Kit Carson (nachdem er den vergleichsweise ruhigen Paris, Texas [Motel Chronicles, 1984] für Wim Wenders adaptiert hatte) legt hier mit den Dialogen so richtig los und haut eine lustige, zitierbare Zeile nach der anderen raus („Leatherface, you bitch! Look what you did to my Sonny Bono wig!“). The Texas Chainsaw Massacre 2 gestaltet sich auch nicht gerade zurückhaltend – es handelt sich schließlich auch um einen knalligen 1980er-Exzess in Horrorfilmform. Das gilt für die überdimensionale Slapstick-Komödie, die grelle Kinematografie, die ihre Neonbeleuchtung aus Dario Argento-Filmen zu übernehmen scheint und die seltsam exzentrischen schauspielerischen Vorstellungen. Letztendlich handelt es sich hier um Dennis Hoppers verrückte Ära, wobei er hier absolut schräg drauf ist und im Laufe des Films immer bekloppter wird. Der Ton des Streifens entfernt sich so weit wie möglich vom Original, was natürlich spaltendender Natur ist – manche Leute werden nie mit der Fortsetzung warm werden – doch wenn man die Änderungen magenmäßig ertragen kann, repräsentiert The Texas Chainsaw Massacre 2 frittierten Cornball-Spaß, der sich so klebrig gestaltet, wie ein mit Barbecue-Soße bestrichener Grillteller. Man schlinge das Ganze herunter, genieße es und stelle sich nicht zu viele Fragen über seine Herkunft.

Tobe Hoopers Rückkehr in das Texas Chainsaw Universum widersprach den Erwartungen des Publikums zum Zeitpunkt seiner Veröffentlichung auf ziemlich ungünstige Weise, wobei die verrücktere, depperte Fortsetzung nun definitiv einen Kultkreis um sich gebildet hat, der versteht, dass der Film nie so erschütternd inszeniert werden sollte, wie das Original und ihn für das genießt, was er darstellt – eine düstere, komische Parodie. Was letztendlich festgehalten werden kann, ist, dass der Flick auf jeden Fall besser zu konsumieren ist, als der unendlich katastrophale The Return of the Texas Chainsaw Massacre (Texas Chainsaw Massacre: Die Rückkehr) mit Matthew McConaughey und Renee Zellweger von 1994.

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  • Seitenverhältnis: 16:9 – 1.85:1, 16:9 – 1.77:1
  • Alterseinstufung: ‎Freigegeben ab 18 Jahren
  • Regisseur: ‎Hooper, Tobe, Schumacher, Joel
  • Laufzeit: ‎1 Stunde und 40 Minuten
  • Darsteller: ‎Hopper, Dennis, Moseley, Bill, Siedow, Jim, Williams, Caroline, Johnson, William
  • Untertitel: ‏Deutsch
  • Sprache: ‎Deutsch (DTS 2.0 Surround), Englisch (DTS 2.0 Surround), Deutsch (DTS 2.0 Stereo)
  • Studio: ‎Turbine Classics GmbH

Sebastians Besprechung zum Film sowie seine Bewertung der technischen Details kann man hier nachlesen !!!

Die Screenshots stammen nicht von dieser Edition !!!

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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