Schlock – Das Bananenmonster

Schlock ist los! Die Polizei und Presse sind in Aufruhr: Das Affenmonster Schlockthropus ist aus seiner Höhle ausgebüxt. Nun sorgt es in einer Kleinstadt für ein blutiges Massaker! Nur ein blindes Mädchen kann das Ungeheuer zähmen – doch da naht das Militär… (Turbine Medien)

Schlock stellt eine verrückt dumme sowie amüsante Imitation des ohnehin bereits bizarren Trog (Das Ungeheuer, 1970) dar. Schlock kann zwar nicht die (fragwürdigen?) Vorzüge eines Stars wie Joan Crawford vorweisen, gestaltet sich aber auf seine ganz eigene kleine alberne Art und Weise unterhaltsam, da er die Abenteuer des prähistorischen Affenmenschen Schlock (John Landis selbst in frühem Make-up von Rick Baker) dokumentiert. Landis und Baker tragen einen sehr genießbaren Audiokommentar zur Veröffentlichung von Turbine Medien bei, der einige von Larry Cohens Kommentaren zum Low-Budget-Filmemachen in King Cohen: The Wild World of Filmmaker Larry Cohen widerspiegelt und tatsächlich scherzen sowohl Landis als auch Baker wiederholt darüber, nichts mit dem Film zu tun zu haben, den sie gerade kommentieren. So, als wollten sie dem Publikum suggerieren, nichts von Schlock auch nur im Geringsten ernst nehmen zu dürfen.

Eine der vielen unverfroren selbst ironischen Bemerkungen, die Landis während des Kommentars fallen lässt, weist darauf hin, dass Schlock (1973) zwar sein erster Leinwand-Kredit gewesen ist, sein nächster aber erst 1977 erschien. Landis‘ Meinung zu Folge war dies zumindest teilweise auf wahrgenommene „Probleme“ mit Schlock zurückzuführen. Hinsichtlich dessen ist es jedoch interessant festzustellen, dass sich Schlock ähnlich wie Landis‘ Kentucky Fried Movie von 1977 eher vignettengetrieben präsentiert. Dieses Element bleibt bestehen, obwohl eine Erzählung über einen sogenannten Schlockthropus ins Spiel kommt, eines prähistorischen Menschenaffen, von dem angenommen wird, dass er für den mit Leichen übersäten Schulhof der Eröffnungssequenz des Films verantwortlich ist. Der lokale Nachrichtenredakteur Joe Putzman (Eric Allison) berichtet vor Ort (und veranstaltet einen Leichen-Zähl-Wettbewerb für interessierte Zuschauer), zusammen mit dem engagierten lokalen Polizisten Sergeant Wino (Saul Kahan), der sich geschworen hat einen Bösewicht mit dem Spitznamen „Der Bananenmörder“ (aufgrund der vielen Bananenschalen, die er auf seinen Opfern sowie an den verschiedenen Tatorten zurücklässt) hinter Gitter zu bringen. Sollte dieser kurze Überblick über das erste Drittel von Schlock nicht ausreichen, um einen allgemeinen Überblick über die vollkommene Albernheit des Streifens zu geben, wird sehr wahrscheinlich auch nichts anderes dazu in der Lage sein.

Die verschiedenen Szenen, in die Schlock mehr oder weniger immer wieder hineinstolpert, stellen einige visuelle Gags bereit, wobei Landis eine überraschend gute Figur abgibt, was im Wesentlichen eine Pantomime-Performance in einem gigantischen Affenanzug darstellt. Schlock freundet sich mit einem zunächst blinden Mädchen namens Mindy (Eliza Garrett) an, die das Biest für einen Hund hält (vielleicht weil er so gekonnt Stöckchen apportiert?), verschlingt eine Eistorte mit zwei kleinen Zwillingsschwestern und hängt mit Leuten wie Forrest J. Ackerman (Draculas Bluthochzeit mit Frankenstein, Braindead) im Kino bei einer Vorstellung von The Blob (Blob – Schrecken ohne Namen, 1958) ab. Man füge eine Neigung zum Klavierspielen und ein kurzes „Interview“ mit Joe Putzman hinzu und Schlock wird zum leicht exzentrischen, „verbindenden Charakter“ für etwas, was im Grunde genommen beinahe als eine Reihe von Varieté-Sketchen zu bezeichnen ist, bei denen man nach einigen der alberneren Pointen mit Ohnmachtsanfällen des Publikums zu rechnen hat (allerdings nicht aufgrund von Witzigkeit…).

Als solches hat der Film eine bestimmte hit-or-miss Qualität zu bieten, gestaltet sich jedoch überraschend reizvoll, obwohl einige der „Gags“ mehr oder weniger genauso schnell, wie auch leicht verpuffen. Schlock hat eine verrückte Überschwänglichkeit an sich, der es vielleicht nicht immer gelingt seine Zuschauer zum Lachen zu bringen, aber ein wunderbares Gefühl für das Absurde vermittelt. Landis mag scherzen (oder eventuell auch nicht), wenn er zum wiederholten Male versucht sich von diesem frühen Werk zu distanzieren, doch letztendlich kann Schlock schon als sehr charmant beschrieben werden. Außerdem erweist sich Bakers Make-up für einen solchen Low-Budget-Streifen als überraschend effektiv.

Mit einem Verständnis und einer Wertschätzung für das weniger vorhandene Budget und die Drehbedingungen des Films, kann man hier einen im Allgemeinen gut aussehenden Transfer, mit einigen schönen lebendigen Blautönen, insbesondere in den (vielen) Außenszenen erkennen, mit konstant guten Detailebenen, die präzise Blicke auf Dinge wie Schlocks ungepflegtes Fell bereitstellen. Es gibt einige geringfügige Abweichungen in der Farbtemperatur und –dichte zu erkennen, während sich die Kornstruktur zeitweise ein wenig ungleichmäßig präsentiert, obwohl sie sich im Laufe der Präsentation auf natürliche Art und Weise auflöst. Während die typischen Bemühungen zur Beseitigung von Bildschäden (die bei den meisten Restaurationen unternommen wurden) normalerweise keine Erwähnung finden, können hier keine wirklich wesentlichen Anzeichen von altersbedingter Abnutzung erkannt werden.

Schlock bietet eine LPCM-Mono-Spur, die für die begrenzte Klangqualität des Films vollkommen ausreicht. Während David Gibsons Musik ein paar energische Momente zu bieten hat, wird ein Großteil des Films einem völlig verrückten Dialog gewidmet, den die LPCM-Spur ohne Probleme wiedergibt. Obwohl im Audiokommentar nichts darüber erwähnt wird, kann man sich schon fragen, ob nicht zumindest ein Teil der Außenaufnahmen nachträglich synchronisiert worden ist, da die Synchro zu einigen Gelegenheiten ein wenig ungenau klingt. Ansonsten handelt es sich jedoch um eine Tonspur, die möglicherweise nicht viel an „Wow“ -Faktor zu bieten aber auch keine Probleme zu vermelden hat.

Schlock erscheint im Hause Turbine Medien GmbH nach der Mediabook Veröffentlichung nun endlich auch in der einfachen Blu-Ray Softbox, wobei man dem Label zu dieser gelungenen Veröffentlichung mal wieder nur gratulieren kann. Über den Film lässt sich zwar sicherlich diskutieren aber dafür weiß die Scheibe nicht nur auf technischem Gebiet zu überzeugen, sondern hat auch Einiges an sehr interessanten Extras zu bieten. Außerdem gibt es die Möglichkeit deutsche oder englische Untertitel zuzuschalten sowie das Cover zu wenden.

Bonusmaterial:

  • Birth of a Schlock ; Interview mit John Landis* (ca. 41 Min., wobei Landis vom 100. zum 1000. kommt und sehr viel über seinen Werdegang zu erzählen hat)
  • Intro von John Landis*
  • Audiokommentar mit John Landis & Rick Baker* (äußerst interessant und informativ)
  • Audio- und Videokommentar mit Sträter Bender Streberg (enorm unterhaltsam)
  • SCHLOCK Trailers from Hell mit John Landis*
  • Schlock-Trailer-Show
  • US-Radiospots
    *= optional mit deutschen Untertiteln

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  • Seitenverhältnis: 16:9 – 1.77:1, 16:9 – 1.78:1
  • Alterseinstufung: Freigegeben ab 12 Jahren
  • Regisseur: Landis, John
  • Laufzeit: 1 Stunde und 19 Minuten
  • Darsteller: Landis, John, Kahan, Saul, Roberts, Eliza, Piantadosi, Joseph, Alvich, Tom
  • Untertitel: Deutsch, Englisch
  • Studio: Turbine Medien

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Diese Edition sowie das Bildmaterial wurde uns freundlicherweise von Turbine Medien zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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