Todeskommando Panthersprung / 5 per l’inferno / Five for Hell

Sommer 1944: ein Lager der US-Armee in Italien. Man sucht freiwillige Soldaten für ein mörderisches Kommando-Unternehmen. Deckname: Panthersprung. Ziel: Im stark befestigten und von Elitetruppen bewachten deutschen Hauptquartier einen kriegsentscheidenden Geheimplan zu erobern! Fünf Männer melden sich – das Kommando wird für sie eine Fahrt zur Hölle… (Koch Media)

Während des Zweiten Weltkriegs wurde an der italienischen Front eine Pattsituation erreicht, doch die Deutschen planen eine große Offensive, die von ihnen Plan K genannt wird. Die Alliierten entsenden eine Elitetruppe unter der Führung von Leutnant Glenn Hoffmann (Gianni Garko), die als deutsche Soldaten verkleidet in die Villa Verde eindringen soll, um die dort aufbewahrten Pläne zur Analyse zu entwenden. Der Trupp soll sich mit einer Doppelagentin namens Helga (Margaret Lee) treffen, die allerdings die Aufmerksamkeit des schleimigen SS-Oberst Hans Müller (Klaus Kinski) auf sich gezogen hat, weswegen sich die fünfköpfige Gruppe nun ohne ihre Hilfe auf den Weg zur Villa begeben muss.

Von Sergio Garrone geschrieben (der 1977 mit SS Lager 5: L’inferno delle donne / SS Camp 5: Women’s Hell eine ganz andere Art von Kriegsfilm abliefern würde), lässt sich die Handlung, wie bei den meisten Macaroni-Combat Filmen der späten 60er Jahre, von Where Eagles Dare (Agenten sterben einsam, 1968) und The Dirty Dozen (Das dreckige Dutzend, 1967) inspirieren. Im wahren Exploitation-Stil zerlegt Garrone die Drehbücher dieser Filme, kürzt unnötige Passagen für das Training sowie der Planung der Operation und fasst beide in den ersten zehn Minuten des Films zusammen, bevor er das Publikum direkt zur Mission führt und jede Gelegenheit nutzt, um die Reise zur Villa mit Schießereien und Spannungsaufbau zu würzen.

Glücklicherweise ist das Drehbuch in der Lage die regelmäßigen Actionszenen effektiv mit der Handlung in Einklang zu bringen, während unsere fünf Helden ausreichend charakterisiert wurden, um sie unverwechselbar zu machen. Die Szenen zwischen Helga und dem SS-Oberst versorgen das Publikum zudem mit einer verdrehten Alternative zur üblichen romantischen Nebenhandlung. Der Angriff auf die Villa, der in manchen Filmen wahrscheinlich nur eine größere Schießerei dargestellt hätte, nimmt doch tatsächlich die Hälfte der Laufzeit in Anspruch. Die Operation wird detailliert aufgezeigt und spürbare Spannung aufgebaut – der unerwartete Tod eines Hauptcharakters schon früh innerhalb dieser Sequenz macht es unmöglich vorherzusagen, wer den Angriff wohl überleben wird, was zu einem großartigen Höhepunkt mit ordentlichem Coda-Ende führt.

Regisseur Gianfranco Parolini kam von seinem ähnlich actiongeladenen Western Ehi amico… c’è Sabata. Hai chiuso! (Sabata, 1969) direkt zu diesem Projekt und er brachte sogar den akrobatischen trampolinistischen Charakter dieses Films in die Handlung ein (der so gut in die Handlung integriert wurde, so dass die Idee, dass amerikanische Kommandos ein Trampolin mit auf eine Mission nehmen, völlig akzeptabel erscheint). Parolini hat Erfahrung in der Inszenierung von Schießereien (man sehe die Euro-Spion-Serie Kommissar-X), weswegen er es bestens versteht den Film geschickt in Szene zu setzen und für genügend Abwechslung zu sorgen, sodass sich selbst die ausgedehnte Schießerei am Ende nie repetitiv gestaltet. Trotz eines ärgerlich quietschvergnügtem Eröffnungsthemas, das zu oft wiederholt wird, ist der Soundtrack von Vasco Mancuso (Django il bastardo, 1969) im Allgemeinen als solide zu bezeichnen. Tatsächlich spielen sich viele der spannendsten Szenen während des Überfalls in Stille ab, nur mit den ländlichen Klängen der Umgebung, die wirklich dazu beitragen, die Spannung zu steigern.

Ein rasierter Gianni Garko sieht viel jünger aus, als sein Sartana-Charakter, passt wirklich gut zum softballspielenden, all-American Hoffmann und zeigt eine typisch starke Leistung. Klaus Kinski wurde idealerweise als schleimiger SS-Oberst besetzt (obwohl er wahrscheinlich der einzige Schauspieler war, der sich weniger kraftvoll, streng oder beleidigend aufführen musste, um einen SS-Offizier verkörpern zu können). Eine solide Nebenbesetzung, darunter die schöne britische Schauspielerin Margaret Lee, versteht es recht gut den Hauptdarstellern gute Unterstützung zu bieten. Der bekannteste der Macaroni-Combat Filme ist zweifellos das explosionsartig übertriebene Actionfest Quel maledetto treno blindato / Inglorious Bastards (Ein Haufen verwegener Hunde, 1978) sein. Doch leider dürfte er für Fans nicht besonders repräsentativ für ein Genre sein, das normalerweise budgetfreundliche Dialogszenen über die Action zu stellen pflegt. Todeskommando Panthersprung ist wahrscheinlich als der ernsteste Rivale von Castellaris Produktion zu bezeichnen, mit einer Menge dummer Actionszenen, die von einer gut geschriebenen Handlung und einer soliden Regieführung untermauert werden, gepaart mit großartiger Schauspielkunst von Garko und Kinski. Sollte man Inglorious Bastards mögen, wird man auch diesen Streifen sicherlich genießen können. Er sei Fans von aktionsorientierteren Kriegsfilmen jedenfalls wärmstens empfohlen.

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  • Seitenverhältnis : 16:9 – 2.35:1, 16:9 – 1.77:1
  • Alterseinstufung : Freigegeben ab 16 Jahren
  • Medienformat : Dolby, PAL
  • Laufzeit : 1 Stunde und 28 Minuten
  • Darsteller : Gianni Garko, Klaus Kinski, Nick Jordan, Margaret Lee, Sal Borgese
  • Untertitel: : Deutsch
  • Sprache, : Italienisch (Dolby Digital 2.0), Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)
  • Studio : Koch Media GmbH – DVD

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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2 Antworten

  1. Daniel sagt:

    Parolini realisierte „Todeskommando Panthersprung“ vor „Sabata“. Die Dreharbeiten fanden im Herbst 1968 statt („Sabata“ wurde im Frühjahr 1969 gedreht). Angeblich ließ sich Lee van Cleef auch „Todeskommando Panthersprung“ zeigen, bevor er einwilligte, für „Sabata“ zu unterschreiben.

  1. 6. Dezember 2020

    […] […]