Uchû daisensô / Krieg im Weltenraum

Eine Invasion aus den Tiefen des Weltalls bedroht die gesamte Erdbevölkerung. Das Ziel des Angriffs ist die vollständige Eroberung des blauen Planeten. Die Menschheit steht vor Ihrer größten Herausforderung, und alle Nationen der Erde schließen sich gegen den scheinbar unbesiegbaren Angreifer zusammen. Todesmutige Astronauten entdecken das Versteck der Außerirdischen auf dem Mond, aber der Kampf zwischen den Erdbewohnern und den seelenlosen Eindringlingen aus dem All hat damit erst begonnen. Es kommt zu einem spektakulären Schlagabtausch auf den Kontinenten und im Orbit des Erdballs, der KRIEG IM WELTENRAUM ist nicht mehr aufzuhalten. (Anolis)

Es ist 1965 und die erste Raumstation der Menschheit wird von fliegenden Untertassen angegriffen und zerstört. Woanders heben die Untertassen eine Eisenbahnbrücke in die Luft, was einen Zug in den Abgrund stürzen lässt, während anschließend berichtet wird, dass auf der ganzen Welt Katastrophen stattgefunden haben. Delegierte aus allen Nationen der Welt treffen sich in Tokio, um die Krise zu besprechen, doch der indische Botschafter Dr. Achmed ist von einer fremden Kraft besessen, die ihn dazu veranlasst, eine neue Strahlenkanone zu stehlen, die von Major Ichiro Katsumiya vorgeführt wird. Als Achmed festgenommen werden kann, tötet ihn ein Todesstrahl. Bei seiner Obduktion wird entdeckt, dass ein Kontrollgerät in sein Gehirn implantiert wurde. Anschließend entdecken die Wissenschaftler, dass Radiowellen vom Mond ausgesendet werden, weswegen zwei Raketenschiffe, die vor kurzem von Wissenschaftlern aus verschiedenen Ländern gebaut wurden, zur Untersuchung der Angelegenheit, einschließlich Ichiro, dorthin geschickt werden. In der Nacht vor dem Start aber, stellt sich heraus, dass einer der Astronauten, Iwamura, auch besessen ist…

Beide Versionen von Kampf der Welten, Mars Attacks! und eventuell sogar Independence Day (wenn man großzügig ist) gehören auf die relativ überschaubare Liste der wirklich guten Alien Invasion Epen (subtilere Invasionsfilme wie Die Körperfresser kommen, von denen viele auch sehr gut sind, werden hier nicht mitgezählt), währenddessen auch einige besonders schlechte Beispiele im Kino liefen, wie zum Beispiel Darkest Hour (2011), Battlefield Earth – Kampf um die Erde und Skyline. Vielleicht hätten einige dieser Regisseure zur Inspiration nach Japan und dieser wundervollen Arbeit der Toho Studios von 1959 schauen sollen. Lacht ruhig, wenn Ihr wollt, doch Krieg im Weltenraum kann durchaus als der Beste dieser Auswahl an Filmen gesehen werden, obwohl es sich hierbei eher um einen Men on a mission Streifen handelt, als um einen Alien Invasion Film. Egal, denn Uchû daisensô ist eine äußerst spannende, endlos phantasievolle Angelegenheit, die ein technisches Wunder seiner Zeit darstellt. Eigentlich ist es eine Schande, dass der Flic überhaupt nicht großartig bekannt ist; sogar Tohos früherer, ähnlicher Film Weltraum-Bestien, obwohl minderwertiger, ist weitaus bekannter. In den USA wurde Krieg im Weltenraum von Columbia veröffentlicht und zwar in einer Doppelvorstellung mit dem mittelmäßigen Twelve To The Moon (1960), was einen großen Unterschied in Qualität bedeutete! Wahrscheinlich verließen viele Zuschauer das Kino, nachdem sie Battle In Outer Space gesehen und durch die ersten zehn Minuten von Twelve To The Moon gesessen hatten. Der Film wurde von Columbia beinahe unverändert gelassen, doch die Musik von Akira Ifikube wurde geändert, indem das Hauptthema durch Stock Music ersetzt wurde, die dem Rhythmus der letzten Schlacht wirklich schadet. Die US-Distributoren hatten oftmals seltsame Probleme mit Ifukubes Musik, vor allem mit seinen oft stürmischen Märschen.

Der Film beginnt gleich mit einer Actionsequenz, nämlich mit fliegenden Untertassen, die die Raumstation zerstören. Tatsächlich handelt es sich dabei nicht wirklich um fliegende Untertassen, sondern eher um fliegende Hufeisen, also Ehre den Designern für etwas Innovation. Nun wird auf die Erde gewechselt, wo in einer coolen Szene eine Eisenbahnbrücke in die Luft gehoben wird, um einen Zug zum Absturz zu bringen. Danach kommt es dann zum obligatorischen Treffen der großen Nationen, wo über die Situation diskutiert wird, gefolgt von den schlechtesten Momenten des Films. Es werden zwei weitere Katastrophen präsentiert: ein Schiff wird im Panamakanal in zwei Hälften gerissen und Venedig wird überflutet. Zum Einsatz kommen dabei recht schlechte matte paintings, die wie Skizzen nach einer Stunde Arbeit aussehen. Vermutlich wurden die Szenen ursprünglich geschrieben, um in vollem Umfang gezeigt zu werden, doch dann ging das Geld aus, wobei der schäbige Kompromiss, der dabei herauskam, einfach nur lächerlich ist und es besser gewesen wäre, wenn die Ereignisse gerade mal nur erwähnt worden wären. Egal, der Film wird von hier an wirklich gut! Nach ein wenig Action mit Menschen, die von den „Invasoren“ besessen sind, um deren Arbeit zu erledigen, geht‘s ab in den Weltraum, wo es gleich zu einem ziemlich ergreifenden Moment kommt, denn unsere beiden Raketenschiffe passieren die Überreste der zerstörten Raumstation und beobachten einen toten Körper, der im Raum umhergleitet. Die kurze Szene ist unheimlich und berührend zugleich, wenn die Besatzung der beiden Raumschiffe den Toten Respekt zollt. Der Film fährt in einem stetigen Tempo fort, während unsere heroischen Astronauten auf dem Mond landen und dort den fremden Signalen folgen. In einer langen Sequenz wird jetzt gezeigt, wie die Astronauten zu Fuß unterwegs sind, doch der Musik gelingt es durchaus Spannung aufzubauen.

Die Begegnung mit den diminutiven Außerirdischen wird einem eventuell bekannt vorkommen, da sie drei Jahre später in Von der Erde zum Mond vollkommen identisch aufgegriffen wurde. Der Rest des Films liefert die Action, die gut portioniert aufgebaut wird, im Grunde während zwei Schlachten, einer auf dem Mond und einer auf der Erde, die sich in Puncto Spektakel und Phantasie allerdings ansteigend entwickeln. Die climaktischen Sequenzen der Erdraumschiffe, die jetzt die Atmosphäre verlassen können und sich Kämpfe mit den fliegenden Hufeisen liefern, sind unglaublich aufregend und haben wohl einen gewissen George Lucas beeinflusst. Natürlich hat Star Wars dies alles besser gemacht, aber das war auch fast zwanzig Jahre später und Lucas hatte ein weitaus größeres Budget zur Verfügung. Außerdem gibt es gewaltige Zerstörungen (nicht nur von Japan) zu bestaunen, die ihren Höhepunkt in der unglaublichen Einstellung von Tokyo finden, das komplett in den Himmel gesaugt wird. Für 1959 sind Eiji Tsuburayas Spezialeffekte einfach hervorragend gelungen. Vielleicht sehen manche matte paintings wenig überzeugend aus – womit Toho oft Schwierigkeiten hatte – aber man wird erstaunt sein, wie gut alles andere präsentiert wird und wie präzise die Dinge durchdacht wurden. Hondas Regie verleiht den Geschehnissen, wie üblich, einen beinahe dokumentarischen Touch und vermeidet das Offensichtliche, wie zum Beispiel jegliche Schock-Schnitte zu den Aliens, nutzt aber Nahaufnahmen sehr effektiv, wenn er meint, dass sie von Nöten sind. Ryo Ikebe bleibt als Hauptprotagonist etwas blass, während Kampf im Weltenraum insgesamt nicht ganz über Tohos Top-Cast verfügt, außer vielleicht Yoshio Tsuchiya, der den von Aliens besessenen Astronauten gibt, eine Rolle, die er später wieder übernehmen würde. Eines der herausragenstden Elemente des Films ist Akira Ifukubes Musik. Vom dunklen, unheimlichen Eröffnungsmarsch bis zur unheilverkündenden, sich wiederholenden Melodie während der Monderforschung, zum großartigen Schlachten-Marsch, eine lange Tour de Force eines Themas, das teilweise in späteren Toho-Filmen wieder auftauchen sollte. Hondas Filme sind voll von diesen großartigen kleinen Besonderheiten, die normalerweise nur nach ausgiebiger Sichtung auffallen. Insgesamt hervorragendes Material, mit einem kindlichen Sinn für Wunder, was heutzutage naiv, simpel und unrealistisch erscheinen mag, doch was macht das schon!?

Anolis Entertainment bringt Krieg im Weltenraum im Rahmen ihrer Die Rache der Galerie des Grauens Reihe als Nummer 08 in einer BluRay / DVD-Edition heraus und leistet damit, wie bereits gewohnt, tolle Arbeit. Das Bild präsentiert sich im 2.35:1 / 16:9 Format und sieht absolut klasse aus. Es zeigt sich sehr gut restauriert, farbenfroh, enorm scharf und wunderbar detail- und kontrastreich. Beim Ton kann man zwischen den Sprachen Japanisch, Deutsch und Englisch (alle DTS-HD 2.0 Mono) wählen, wobei deutsche Untertitel zugeschaltbar sind. Außerdem gibt es neben dem deutschen Kinotrailer, einem deutschen sowie amerikanischen Werberatschlag, einem Filmprogramm und einer Bildergalerie noch das 20-seitige Booklet, von Jörg M. Jedner interessant gestaltet und gut geschrieben, zu bestaunen. Die Audiokommentare von Dr. Rolf Giesen und Jörg M. Jedner sowie von Steve Ryfle und Ed Godziszewski müssen mal wieder als Höhepunkte der Veröffentlichung gewertet werden, versorgen sie den geneigten Zuschauer doch mit einer Fülle an interessanten Informationen über den Film. Ein ganz großes Plus: diesmal kann man neben der Super-8-Fassung auch zwischen der japanischen Fassung sowie der amerikanischen bzw. deutschen Kinofassung wählen. Fans der Galerie des Grauens Reihen und/oder SciFi-Streifen der alten Schule werden ohne Frage ihren Spaß an Krieg im Weltenraum haben.

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  • Darsteller: Ryo Ikebe, Kyoko Anzai, Leonard Stanford, Harold Conway, George Whyman
  • Regisseur: Inoshiro Honda
  • Format: Limited Edition, Widescreen
  • Sprache: Japanisch (DTS HD 2.0 Mono), Deutsch (DTS HD 2.0 Mono), Englisch (DTS HD 2.0 Mono)
  • Untertitel: Deutsch
  • Region: Region B/2
  • Bildseitenformat: 16:9 – 2.35:1
  • FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
  • Studio: Anolis Entertainment
  • Produktionsjahr: 1959
  • Spieldauer: 91 Minuten

Diese Edition sowie das Bildmaterial wurde uns freundlicherweise von Anolis zur Verfügungn gestellt.

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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