Die schwarze Mamba / Venom

Schauplatz: Eine Londoner Villengegend in bester Lage. Doch hinter dem gepflegten Vorgarten und dem vornehmen Eingangsportal schlägt das Grauen doppelt zu: Drei Verbrecher wollen den Sohn eines Industriellenehepaares entführen, gleichzeitig müssen die Kidnapper aber auch gegen die gefährlichste Schlange auf Erden, die schwarze Mamba, kämpfen, die der kleine Junge statt einer harmlosen Hausschlange versehentlich aus einer Zoohandlung mit nach Hause gebracht hat. Während das hochaggressive Reptil frei durch das Anwesen irrt und zu zahlreichen teuflischen Attacken ansetzt, bringt sich draußen die Polizei mit großem Aufwand in Stellung. Unerbittlich versuchen die Gangster, ihre Forderungen durchzusetzen, und gehen dabei über Leichen. In einer Spirale aus Wut, Gewalt und panischer Angst droht die Lage hoffnungslos zu eskalieren. (Anolis Entertainment)

Sie haben einen Plan, der ihr Leben für immer verändern soll. Sie wollen einen in London lebenden amerikanischen Jungen (Lance Holcomb) entführen, nachdem seine wohlhabende Mutter ihn für einige Tage seinem Großvater (Sterling Haydon, Capt. McCluskey aus Der Pate) überlassen hat, und dann verlangen, dass ihnen eine große Summe Geld ausgezahlt wird. Nach der Lösegeldübergabe wollen sie den Jungen freigeben und das Land so schnell wie möglich verlassen. Die Kidnapper sind Jacmel (Klaus Kinski, Sartana – Bete um Deinen Tod), ein deutscher Krimineller mit langjähriger Erfahrung, Louise (Susan George, Dirty Mary Crazy Larry), die als Dienstmädchen in dem Haus arbeitet, in dem der Junge und die Mutter leben sowie Dave (Oliver Reed, Die Brut), der dort als Fahrer beschäftigt ist.

Der Plan funktioniert wie vorgesehen, bis der Junge ein lokales Geschäft besucht und versehentlich eine schwarze Mamba anstelle einer harmlosen Haustierschlange erhält. Kurz nachdem er ins Haus zurückgekehrt ist, beißt die schwarze Mamba Louise und entkommt aus der Kiste, in der sie aufbewahrt wurde. Für eine Weile versuchen Jacmel und Dave sich auf die Arbeit zu konzentrieren, doch nachdem die Polizei das Haus umzingelt hat, wird die Toxikologie-Expertin Dr. Marion Stowe (Sarah Miles, Der Diener) hergeholt, um deutlich zu machen, dass sie mit der tödlichsten Schlange der Welt gefangen sind. Nun werden die beiden Verbrecher gezwungen zu improvisieren.

Piers Haggards Venom basiert auf einem Roman von Alan Scholefield, der unmöglich so überzeugend sein kann, wie der Film. Tatsächlich können Worte einfach nicht genau beschreiben, was man erlebt, wenn man die Nahaufnahmen der schwarzen Mamba sieht und dann genau den Moment ertragen muss, in dem die tödliche Schlange ihr Opfer angreift und beißt. Der Geist reagiert sehr unterschiedlich auf die Bilder und löst sofort einen unkontrollierbaren Schockeffekt aus, den man im gesamten Körper spürt. (Diese Erfahrung kann sich noch intensiver gestalten, wenn man eine natürliche Angst vor Schlangen hat).

Genau diese Reaktionen – und lasst uns klarstellen, dass man, selbst wenn man keine Angst vor Schlangen hat, auf jeden Fall reagieren wird, wenn die schwarze Mamba angreift – machen Venom sehenswert. Was zwischen den Kriminellen, dem Kind, seinem Großvater und den Behörden passiert, wurde bereits in unzähligen anderen Filmen behandelt (und viel besser), in denen Kriminelle eine wertvolle Zielperson entführen und dann irgendeine Art von Lösegeld fordern. Mit anderen Worten, der wahre Star in Venom ist die schwer fassbare, tödliche Schlange. Was man letztendlich wirklich wissen möchte, ist, was mit der Schlange passiert, bevor der Abspann läuft.

Kinski und Reed interagieren wirklich hervorragend, obwohl sie laut Regisseur Haggard während der Dreharbeiten nicht gut miteinander ausgekommen sind. Es muss gesagt werden, dass Kinski gelegentlich mit seinen Zeilen zu kämpfen hat. Wäre Venom eine deutsche Produktion gewesen, die ausschließlich auf Deutsch gedreht wurde, hätte Kinski mit ziemlicher Sicherheit irgendwann in den Overdrive-Modus geschaltet und der gesamte Film wäre (vermutlich) viel dunkler und viel intensiver ausgefallen. Manchmal fühlt sich der Streifen ein bisschen veraltet an, so wie es viele britische Thriller aus den späten 70er und frühen 80er Jahren tun. Die visuelle Darstellung im Inneren des Hauses kann als sehr unheimlich beschrieben werden, insbesondere wenn das Licht eingeschränkt wird. Gelegentlich ahmt die Kamera auch die Bewegung der schwarzen Mamba nach. Nicol Williamson (Kein Koks für Sherlock Holmes, 1976) macht seine Sache als Commander William Bulloch ziemlich gut, während Susan George leider schon viel zu früh das Zeitliche segnet. Immerhin stellt ihre Todesszene eine der intensivsten des Films dar und man darf sie auch kurz in Unterwäsche bestaunen.

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Darsteller: Klaus Kinski, Oliver Reed, Susan George
Regisseur(e): Piers Haggard
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0 Mono), Englisch (Dolby Digital 2.0 Mono)
Untertitel: Deutsch
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
FSK: Nicht geprüft
Studio: Anolis Entertainment
Spieldauer: 89 Minuten

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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1 Antwort

  1. 27. April 2020

    […] Zweimal Schlangen. Bluntwolf bespricht auf Nischenkino zunächst den spannenden britischen Thriller „Die schwarze Mamba“ mit dem Duo Infernal Reed/Kinski – und dann „Cobra Force“ (aka „Strike Commando“) von dem […]

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