1931 – Es geschah in Amerika / Piazza pulita / Pete, Pearl & the Pole

VHS – Edition

Amerika 1931: Die „trockene“ Zeit der Prohibition, in deren Schatten Mord, Terror, Totschlag und Erpressung so fruchtbar blühten, neigt sich dem Ende entgegen. Doch noch immer haben die mächtigen Mafia- Familien das Sagen in New York! Und sie sprechen mit Pistolen einen blutigen Dialog. Vor allem dann wenn´s um eine halbe Million Dollar geht, die im Sarg eines verstorbenen Paten nach Sizilien gebracht werden soll. Ein Job für einen harten Killer wie Pete Di Benedetto, der bereits bei Al Capone „blutige Lorbeeren“ erntete. Pete jedoch möchte bei diesem Auftrag selbst eine goldene Nase verdienen – und Polese soll ihm helfen, denkt er…

Kurzinhalt inkl. Spoiler !!!

Farmington – West Virginia 1931. Der ehrgeizige aber glücklose New Yorker Gangster Pete Di Benedetto (Tony Anthony), ein ehemaliger Mitarbeiter von Al Capone, wird vom Mob angeheuert, um die Leiche eines verstorbenen Dons nach New York und dann nach Sizilien zu eskortieren. Pete folgt dem rivalisierenden Boss Polese (Adolfo Celi) zu einer Brennerei, wo sich der Don eines weiteren Gangsters, Bruno (Richard Conte), entledigt. Da Pete weiß, dass die Familia 500.000 US-Dollar in der Leiche des Toten versteckt hat, bietet er Polese die Hälfte an, wenn der ihm hilft, die Beerdigung zu überfallen. Sie haben Erfolg, doch als Pete seinen Anteil der Beute fordert, wird er von Polese gedemütigt, der die Beute für sich alleine haben will. Nachdem Pete seinen alten Freund Sparks (Lionel Stander) erfolglos um Hilfe gebeten hat, rächt er sich, indem er Poleses Geliebte Perla (Lucretia Love) entführt und die Beute als Lösegeld fordert. Polese gelingt es Pete gefangen zu nehmen, grausam zu bestrafen und ihn für tot gehalten zurück zu lassen. Als Perla ihn begraben möchte, findet sie Di Benedetto noch lebend vor und rettet ihn. In der Weihnachtsnacht bricht Pete in Poleses Versteck ein und löscht dessen gesamte Bande von Verbrechern aus, doch auch er wird bei dieser Aktion tödlich verwundet. Im Sterben liegend bittet er Perla vergeblich um Hilfe, denn die Frau flieht mit dem Geld.

Luigi Vanzis Piazza pulita repräsentiert einen späten Eintrag im Gangster-Thread der damaligen Zeit und ist als ein seltsamer kleiner Film zu bezeichnen. Hauptsächlich vor Ort in West Virginia mit amerikanischem Geld gedreht und hauptsächlich auf den US-Markt ausgerichtet, hat der Streifen eine Handvoll namhafter Schauspieler zu bieten (Richard Conte, Irene Papas und Lionel Stander), die jeweils für einige Minuten auf dem Bildschirm zu sehen sind. Das Projekt entstand nach einer Geschichte von Star Tony Anthony, mit dem Vanzi bereits ein skurriles Western-Triptychon auf die Beine gestellt hatte (Un Dollaro tra i denti, Un uomo, un cavallo, una pistola und Lo straniero di silenzio). Es sollte allerdings der letzte Film des Regisseurs sein. Neben karg gesäten aber pfiffigen Randnotizen, wie das Grammophon, das Anthony in seinem Auto mit sich führt (das ständig Louis Armstrong Songs spielt), pendelt 1931 – Es geschah in Amerika wild zwischen einem pikaresken, sarkastischen Ton und unerwarteter, verstörender Brutalität hin und her.

Die Charaktere sind durchweg als unangenehm zu beschreiben, inklusive Anthony als selbstgefälliger, jedoch ziemlich weinerlicher Antiheld, der sich mit seiner Ausbildung bei Al Capone rühmt und Celi als vulgärer, Spaghetti-mampfender, Zigarren-kauender sowie Rasiermesser-schwingender Mob-Boss. Zudem liefert Vanzi eine Reihe extrem gewalttätiger Szenen ab. Die Idee einer mit Geld gefüllten Leiche erinnert an den mit Heroin ausgepolsterten Toten aus Ferdinando Baldis Afyon oppio / The Opium Connection (die Szene, in der Corrado Gaipa mit der Leiche im Sarg eingeschlossen wird, während er noch am Leben ist und sich entschieden dagegen wehrt, ist praktisch identisch mit Pipino Desiderios Tod in Baldis Film), doch ebenfalls erwähnenswert sind Adolfo Celis Malträtierung von Tony Anthonys Fuß mit einem Rasiermesser und das finale Weihnachts-Schrotflinten-Massaker, das unter dem blinkenden roten Licht eines Weihnachtsbaumes stattfindet und fast wie etwas aus einem giallo rüberkommt.

Abgesehen vom letzten Showdown versteht es Vanzi bestens die gesamte Laufzeit über ein straffes Tempo zu halten und weiß selbst die schlampigen set-pieces in der Sequenz in der Kohleverarbeitungsanlage gut zu nutzen, wo Anthony dem Tod nur knapp entkommt. Am beeindruckendsten gestaltet sich jedoch das zynische sowie düstere Ende, das ein vollkommen neues Licht auf den zunächst eindimensionalen Charakter von Lucretia Loves Perla wirft. „Das [Geld] brauche ich für jemanden, der mich nie mehr schlägt und mich niemals mehr eine Nutte nennt“, sagt sie, während sie Pete verbluten lässt, bevor sie die düstere Moral des Films zum Besten gibt: „Erinnerst du dich nicht mehr was du gesagt hast? Für Geld kann man sich alles kaufen! Vielleicht hattest Du Recht, ich werde es ausprobieren.“

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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