Blue Island

Als Teenager hat wohl jeder schon mal Die Blaue Lagune (The Blue Lagoon) gesehen, heute ein harmloser Nachmittagsfilm. Damals nicht nur der Durchbruch für eine noch junge Brook Shields, sondern auch ein damaliges Wagnis, in gewisser Weise. Der Film war finanziell ein riesiger Erfolg. Es gab Sequels und Remakes, darunter dieser italienische Eintrag. Blue Island (Due gocce d’acqua salata auch als Die Trauminsel bekannt) ist der Versuch, das Rezept zu kopieren, mit ähnlich anmutenden jungen Schauspielern, einer paradiesischen Kulisse und etwas mehr nackter Haut als das amerikanische Vorbild. Als der Film 1982 herauskam, war das Vorbild auch schon zwei Jahre alt, das hat den Drehbuchautoren gereicht um ihn den Charakteren im Film bekannt zu machen, was der Lächerlichkeit des Films noch einen drauf setzt.

Der Film kommt seltsamerweise super schnell zur Sache. Nach etwa 5 Minuten, und keinen zwei Dialogzeilen später, wird ein Flugzeugabsturz angedeutet, gesehen hat man davon nichts, so low-budget ist der Film. Man sieht dann die beiden im Wasser treiben, und ab hier entfaltet sich die bekannte Story bekannt aus Die Blaue Lagune. Während der Hollywood-hit von 1980 mit Brooke Shields mit etwas gutem Willem als pseudo Aufklärungsfilmchen etwas popkulturelle Signifikanz besitzt, kann man diesen billigen Streifen getrost so schnell wieder vergessen wie man vielleicht davon gehört hat. Das Material ist daran nicht alleine schuld, denn es weiß schon seit der Romanvorlage  von 1809 zu überzeugen und wurde sowohl 1923 als auch 1949 auch schon verfilmt: zwei Teenager stranden auf einer einsamen Insel und lernen zu überleben. Dabei werden sie Biologie-Autodidakten und verlieben sich, bis sie irgendwann gerettet werden. Soweit so simpel.

Zwar rennt Sabrina Siani (bekannt aus einigen wenigen italienischen spät-Exploitationern, Horror-, Action- und Trashfilmen) spärlicher bekleidet als Shields durch den Sand, ansonsten zeigt der Film aber quasi gar nix, Liebesszenen werden sogar nicht mal ernsthaft angedeutet, was sogar vielleicht vermuten lässt dass die Version gar nicht ungekürzt ist, oder aber es ist einfach ein langweiliger, lächerlich schlechter, Film. Jedenfalls plätschert der Film belanglos vor sich hin, mit miesen Dialogen, schlechten Schnitten und einer sinnlosen Binnenhandlung. Das Element mit dem haarigen großen Kerl, der hier auch noch gestrandet zu sein scheint, ist dann auch eher lächerlich, mal von der eher urlaubsartig-bequemen Zeit die man scheinbar als gestrandetes Pärchen da haben kann, ohne mit Hunger, Krankheit, wilden Tieren, Unwettern oder sonst was zu kämpfen zu haben, abgesehen.

Siani bekommt Fabio Meyer zur Seite, der noch weniger Schauspielern kann, aber wohl optische Ähnlichkeit mit Christopher Atkins besaß (der wiederum wurde mit dem Lagunenfilm erfolgreich und macht noch heute Filme, wenn auch nichts weltbewegendes). Eine Eintagsfliege, vielleicht auch gut so. Aber: die Schauspieler sind beide schlecht, die Musik schwankt zwischen passend atmosphärisch und Fahrstuhlmusik. Was etwas besser ist als das Vorbild, ist teilweise der Versuch, etwas künstlerische Bilder einzufangen.Vielleicht habe ich den anderen aber einfach nicht mehr in Erinnerung.

Enzo Doria (Tentacles, Apache Woman, Beyond the Door, Who saw her die?, Fists in the Pocket) produzierte dieses Remake, bei dem ein gewisser John Wilder Regie führte (klingelts?) – ein Pseudonym für Luigi Russo, der auch ansonsten kaum Nennenswertes geschaffen hat.

Unterm Strich bleibt der Film ein Kuriosum der italienischen 80er Produktsionhistorie, wirklich empfehlen kann man den nun wirklich nicht. Die DVD von Donau Film ist interessanterweise noch ab 18, ich denke das hilft noch den Verkaufszahlen, scheint mir aber eher ein Versäumnis, dass der nicht neu als ab 12 bewertet wurde, da hat jede Nachmittagsserie mehr erwachsene Elemente. Extras gibt es keine. Deutsch oder Italienisch, optional deutsche Untertitel. Die Bildqualität ist akzeptabel. Die Farben sind teils recht gut, aber das Bild ist dunkel und nicht immer super gut erhalten.

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Die DVD wurde uns von DonauFilm zur Verfügung gestellt.

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Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info, TripleFeatureFoundation.org und FuriousCinema.com

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