Aria

1987 erschien Aria, eine Anthologie bei der sich 10 Regisseure um die visuelle Untermalung einer bzw. mehrerer Opernarien bemühten. Das Ergebnis dieses Experiments ist ein seltsamer Mix aus Musikvideo und Musical, aber auch ein spannendes kunsthistorisches Zeitdokument wenn man so will. Die Regisseure Jean-Luc Godard (Bande a part), Bruce Beresford (Driving Miss Daisy), Robert Altman (Nashville), Nicolas Roeg (Eureka), Julien Temple, Ken Russell (The Devils), Franc Roddam (Quadrophenia), Charles Sturridge, Derek Jarman (Blue) und Bill Bryden versuchten sch an einem sinnlich-experimentellen Erlebnis auf der Leinwand, das utnermalt wird von der Musik von Puccini, Lully, Korngold, Wagner, Rameu, Carpentier und Leoncavallo. Produziert hatte das Ganze Don Boyd.

Wenn man für Opern wenig übrig hat, ist der „Film“ trotzdem nicht in erster Linie eine Qual, denn er bietet interessante Bildkompositionen und Sets, es ist wie ein 90-minütiges Musikvideo. Die Handlung ist dabei zumeist nebensächlich, soweit ich das verstehe aber entsprechend auch keine direkte Interpretation der Handlung der Arien für sich genommen, sondern eher eine Reinterpretation oder Illustration. Andere werden sich hier mehr auskennen als ich, der sich lediglich aus Neugierde wegen der namhaften Beteiligten das ganze angetan hat. Das „gute“ ist, dass die einzelnen Episoden letztlich ja dann doch recht kurz sind und der Film somit in Summe gleichzeitig kurzweilig als auch Anstrengend ist. Leider ist die Qualität der Beiträge eben auch sehr unterschiedlich.

Roegs Beitrag gleich am Anfang ist eigentlich ein recht spannender Kurzfilm über ein Attentatin Wien Anfang der 1930er, mit Theresa Russell in der Hauptrolle. Die zweite Geschichte (in schwarz-weiß) von Sturridge erzählt seltsamerweise davon wie Kinder im TV sehen wie sie selbst ums Leben kommen als sie mit einem geklauten Auto eine Spritztour machen (oder ich misverstehe das). Godard lässt in seinem Beitrag junge Damen sich in einem Fitnessstudio entblättern während die Bodybuilder dabei die Contenance bewahren – was er uns wohl damit sagen möchte? Dann eine Episode (von Temple, mit einer jungen Beverly d’Angelo) die von ehelicher Untreue in einem kontemporären kalifornischen Setting erzählt, aber auf sehr witzige Art und Weise. Dann geht es nach Bruges, wo Beresford zeigt wie ein Liebespaar ins Bett steigt. Ein kurzes Intermezzo mit einer jungen nackten Liz Hurley.

Es folgt Altman, der im Paris der 1730er eine Opera in einem Irrenhaus inszeniert. Dann Bridget Fonda in ihrer ersten Filmrolle. hier geht es um ein Liebespaar in Las Vegas in einem etwas Roadmovie-artigen Kurzfilm der dann in einem Selbstmord mündet. Ken Russell nimmt uns dann mit an den OP-Tisch einer bei einem Unfall verünglückten jungen Dame. Und dann taucht noch Tilda Swinton auf und spielt den letzten Auftritt einer Opernsängerin, bevor es dann in der letzten Episode nochmal John Hurt ran darf und eine letzte Arie mimt. Denn zwischen allem ist hin und wieder bereits John Hurt in diversen Kostümen zu sehen ohne dass klar wird was das wiederum soll, vermutlich eine Hinleitung zu dieser letzten Sequenz.

Eigentlich ist Aria unterm Strich eine recht nett gemachte Collage an Clips, ein Film den man auch gut mal im Hintergrund laufen lassen kann um sich von den Bildern nur ein wenig berieseln zu lassen. Das ganze muss man dann auch nicht so ernst nehmen wie es die Macher vielleicht intendiert hatten. Aber ja, ich gebe zu, das ganze hat mir am Ende doch deutlich besser gefallen als ermutet.

Der Film erschien als 30 Jahre Jubilaeums Edition auf BluRay und DVD. Das Bild sieht ganz okay aus, soweit sich das zugrundegelegte Material anhand der DVD Version (die mir zur Verfügung stand hierfür) beurteilen lässt. Das Bild ist teilweise etwas blass, insgesamt aber doch ganz in Ordnung. Der Ton ist insgesamt Verständlich, aber die Musik die doch den Kern des ganzen ausmacht, hat sicherlich nicht besonders audiophiles Niveau, da sind Opernfreunde sicherlich deutlich besseres gewöhnt. Es gibt auch eine „deutsche“ Tonspur, was das soll wo doch der Film kaum Dialoge hat, ist eine andere Frage. Es Gibt deutsche Untertitel aber leider nicht für französische Dialogelemente und halt auch nicht für den Gesang generell. Außer Bildern und Trailern kein Bonus an Bord, da ist also nicht viel mit „Edition“ außer der Pappschuber.

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Die DVD wurde uns zur Verfügung gestellt.

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info und FuriousCinema.com

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