Buffalo ’66

Buffalo ’66 ist ein Indie-Drama von 1998. Der Film von Vincent Gallo (Brown Bunny) – auch Hauptrolle und Ko-Autor – erscheint am 2. Februar bei Koch Media zum ersten Mal auf BluRay.

Billy Brown (Vincent Gallo) kommt aus dem Knast frei, in dem er einsaß, weil er um seine Spielschulden zu begleichen den Kopf für jemand anderes hinhalten musste. Der Buchmacher, hier in einem Cameo zu sehen: Mickey Rourke (Double Team), hatte es ihm so aufgedrückt, nachdem er dummerweise 10.000 Dollar auf die verlierenden Buffalo gewettet hatte. Raus aus dem Knast, will er seine Familie wiedersehen und sich an dem Footballspieler rächen, der damals den Freistoß versemmelte. Er kidnappt die junge Layla (Christina Ricci), um sie seinen Eltern als traute Ehefrau zu verkaufen. Das funktioniert erstaunlich gut, denn Layla verliebt sich in Billy, obwohl seine Eltern recht verkorkst sind, was auch ein wenig Billys Neurosen und Jähzorn erklärt. Vor allem sein Vater, gespielt von Ben Gazzarra (The Big Lebowski), hat es ihm früher nicht einfach gemacht. Aber es ist seine Mutter (Anjelica Houston), der Football immer wichtiger war als ihr Kind…..

Gallo wirkt hier etwas wie ein früher de Niro (darauf komm ich auch gleich nochmal zurück), etwas jähzornig, „quirky“ auch wie man so sagt. Er spielt einen Charakter der nicht so ganz mit seiner Umwelt im reinen ist, und keine einfache Kindheit hatte. Irgendwas brodelt in ihm, macht ihn unruhig. Als wir seine Eltern kennen lernen klärt sich das teilweise. Allerdings bekommen wir nur Ausschnitte seines Lebens serviert, ein komplettes Bild bietet sich dem Zuschauer nicht. Was es mit dem Besitzer der Bowling Bahn, gespielt von Jan-Michael Vincent (White Line Fever), oder seiner Ex-Freundin, gespielt von Rosanna Arquette (Pulp Fiction), auf sich hat, wird nur angedeutet. Billy scheint aber etwas vielschichtiger zu sein als der gemeine Kidnapper und Pechvogel.

Der Film zeugt von einer unglaublichen Ruhe, in Kombination mit einer etwas hibbeligen Hauptfigur. Eine Genretypische Melancholie, wunderschöne Bilder, und irgendwie eine niedliche Portion Herz, prägen diesen Film, der mit großartiger Musik, schönen Aufnahmen und Lichtern, sowie erstklassigen schauspielerischen Leistungen daherkommt. Doch was soll uns die Geschichte eigentlich erzählen? Mein Blick ist es, darin eine kleine Parabel über den zerrütteten Zustand von Familien zu sehen, worin viel zu oft der Ursprung für „den falschen Weg“ liegt. Gewalt im Elternhaus, zu wenig Zuneigung, Bildungsferne, der Billy des Films ist nicht dumm, aber er ist sehr deutlich das Produkt seiner verkorksten Eltern, und den Richtungswechsel den er am Ende vollzieht, muss man dem Faktor Liebe zuschreiben, etwas das Billy vorher so nicht kannte. Das Ende ist letztlich, und hier komme ich nochmal zu de Niro, sehr stark von Taxi Driver inspiriert. Billy will ja eigentlich ausrasten, aber dass sich seine Geisel in ihn verknallt, damit hat er nicht gerechnet, und es ändert seine Welt.

Die BluRay bietet qualitativ sehr guten Ton, alternativ Deutsch (DTS-HD 5.1) oder Englisch (DTS-HD 5.1) und Untertitel auch in beiden Sprachen. Viel Räumlichkeit ist hier natürlich nicht, aber insbesondere der großartige Soundtrack kommt sehr gut zur Geltung. Als Extras gibt es lediglich den Original-Kinotrailer und eine Bildergalerie.

Preis: EUR 15,99

Fazit: Facettenreiches, hübsches Indie-Kino mit Herz auf technisch sehr solider BluRay. Ich mochte den Film irgendwie sehr, und habe mich dabei ertappt, die Montagen, Rückblenden, Musikeinlagen und Großaufnahmen wirklich zu schätzen. Gallo hat hier denke ich ein etwas zu oft übersehenes kleines Glanzstück abgeliefert, dass zu unrecht lange nicht auf BluRay verfügbar war, und man sich eigentlich mehr Bonusmaterial dazu wünschen würde.

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Die BluRay wurde uns freundlicherweise von Koch Media zur Verfügung gestellt.

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Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info, TripleFeatureFoundation.org und FuriousCinema.com

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