Christopher Columbus

Christopher Columbus ist ein epischer TV-Zweiteiler von 1985 mit Gabriel Byrne als Columbus, der italienische Seefahrer der 1492 für die damalige spanische Krone zur vermuteten Erkundung eines direkten Seewegs nach Indien aufbricht und dabei „versehentlich“ Amerika entdeckt, etwa 400 Jahre nach den Wikingern.

Der italienische (wobei das sehr umstritten ist) Seefahrer Cristoforo Colombo (Gabriel Byrne) ist davon überzeugt, einen Weg nach Asien  zu finden, in dem man den Atlantik in Richtung Westen überquert. Eine Expedition soll dies ergründen, er ist von dieser Idee fasziniert und besessen. Nachdem er in Portugal wenig Unterstützung für sein Vorhaben findet, reist er nach Kastilien, um sich von der spanischen Regentin Isabella (Faye Dunaway) ein OK zu holen. Diese ist dem ambitionierten Entdecker wohl gesonnen, aber unter anderem wegen der vielen Bedenkenträger und konservativen Intriganten am Hof, darunter Vater De Talavera (Eli Wallach), verzögert sich seine Expedition. Unter anderem da die Krone den Kampf gegen die Mohren beenden kann und politisch unter Druck steht, kann Colombo 1492 dann mit drei Schiffen endlich aufbrechen. Einige Wochen zermürbender Seereise später landen er und seine Mannen in der neuen Welt, einer Inselgruppe die heute die Dominikanische Republik heißt. Er tauft sie Hispaniola, glaubt nach wie vor, wenige Stunden vor dem asiatischen Festland entfernt zu sein, und ergründet von dort an weiter, ruft Siedlungen ins Leben, und reist mehrmals zurück nach Europa um diese Expeditionen politisch und finanziell abzusichern, wo Gold längst zum wichtigeren Beweggrund geworden ist. Die Rivalität zwischen der portugiesischen und spanischen Krone löst Colombo sehr gekonnt, mit einem witzigen Einfall dem man es zu verdanken hat, dass Brasilien das einzig portugiesisch-sprachige Land Lateinamerikas ist, als Vertrag von Tordesillas nachzulesen.

Christopher Columbus

Die an Originalschauplätzen gedrehte TV-Serie (bzw. der TV-Zweiteiler, je nach dem wo und wann) glänzt mit einem für die 80er sehr ambitionierten historischen Anspruch, einem ausgefeilten Drehbuch, großartigen Schauspielern bis in die Nebenrollen und einem hervorragenden Soundtrack. Die großartigen Kulissen, Kostüme und Locations machen Christopher Kolumbus zu einem aufregenden TV-Ereignis, das späteren filmischen Umsetzungen der Geschichte um den legendären Entdecker in nichts nach steht.

Besonders großartig ist einer der besten, zumindest einer der eingängigsten Kompositionen von Riz Ortolani. Ich konnte es nicht mehr prüfen, aber meines Wissens enthält die deutsche Tonspur eine völlige andere musikalische Untermalung, nicht nur deshalb ist vor der Synchro unbedingt abzuraten.

Diese Verfilmung dreht sich im wesentlichen um die Person des Colombo als um die Entdeckungen und historisch-präzise Wiedergabe der Abenteuer. Religion, Aberglaube und Widerstände innerhalb des Klerikums am Hof sind Colombos zentrale Herausforderungen, da erscheinen die Konflikte in der neuen Welt fast schon banal. Gleichsam feiert der euphorische Film die Person Colombos als neugierigen, aufgeklärten und unnachgiebigen Entdecker, einen großartigen Mann, der selbst das Ausmaß seines Schaffens gar nicht erblicken konnte.

Christopher Columbus

Da gibt es neben der Figur der Königin Isabella, die von einer zurückhaltenden Faye Dunaway gespielt wird, und dem etwas bissigen Eli Wallach sogar noch ein kleines Cameo von William Berger. Weitere Gesichter kamen mir nicht so arg bekannt vor. Oliver Reed spielt den fiesen Widersacher Cristoferos und ist dabei ekliger als Tcheky Karyo der in 1492 den Charakter gespielt hatte, wo aber Michael Wincott der große Fiesling war. Gabriel Byrne finde ich hier auch um einiges überzeugender als damals Gerard Depardieu, aber es war eben eine völlig andere Herangehensweise an das Material.

Die beiden Teile des Epos (je knapp über 2 Stunden) befinden sich auf den zwei DVDs, die seit Januar von Koch Media erhältlich sind, mittlerweile auch sehr preiswert (unter 10 EUR als ich das letzte mal geguckt habe). Es werden keine Extras mitgeliefert, und ebenso keine Untertitel. Es bleibt die Wahl zwischen der deutschen Synchronfassung (nicht getestet) und der englischen Originaltonspur, wobei auch diese in Teilen eine Synchronfassung ist, da viele der beteiligten Schauspieler keine Muttersprachler waren. Das ganze ist ja eine in erster Linie italienische Produktion. Der Ton ist meines Erachtens in Ordnung, haut niemanden um aber ist auch relativ frei von Störgeräuschen, lediglich die Dialoge klingen teilweise etwas nachträglich gesäubert. Das Bild ist leider enttäuschend. Wie viele andere TV Serien auch, ist es wohl so, dass man oft nur noch auf die bei den TV Sendern (welche die Rechte halten) hinterlegten Bänder zurückgreift, statt auf die originalen Negative der Filme. Das führt dazu, dass das was man hier auf DVD zu sehen kriegt, kaum besser als eine alte VHS aussieht. Das ist sehr schade, vor allem bei einem doch recht epischen Werk wie diesem. Die Farben sind verblasst, die Schärfe lässt zu Wünschen übrig und das ganze ist  einfach so niedrig aufgelöst. Das wirft auch eine generelle Frage auf: Wenn von all diesen alten TV Produktionen nichts besseres als diese SD Versionen verfügbar sind, werden diese dann je wieder ausgestrahlt, wo es fast nur noch HD Fernsehen und Streams gibt? Kann man irgendwo noch an die Originalmaterialien kommen, oder gibt es technische Möglichkeiten die Magnetbänder der TV-Sender neu abzuscannen und zumindest für 2K fit zu machen? Ich weiß es nicht.

Christopher Columbus

Fazit: Christopher Columbus ist ein großartiges TV-Erlebnis, besser als alles andere was zu dieser Geschichte je im TV lief. Es ist eine andere Herangehensweise als der doch sehr düstere Kinofilm mit Depardieu aus den 90ern, aber Gabriel Byrne liefert einen sehr guten Columbo ab. Die DVD lässt dieses Erlebnis nochmal neu aufleben, nur leider qualitativ auf einem Niveau dass sehr enttäuscht. Koch ist hier wohl kein Vorwurf zu machen, es ist lediglich ein Beispiel dafür, wie schlecht es um die Qualität alter TV Produktionen im digitalen Zeitalter steht.

Regie Alberto Lattuada
Darsteller Gabriel Byrne, David de Keyser, Oliver Reed, Max von Sydow, Eli Wallach, Faye Dunaway u.a.
Genre Abenteuer / Action / Thriller
Filmlänge ca. 278 min
Sprachen Deutsch, Englisch
Untertitel  keine
Produktion Italien/USA 1985
Tonformat Dolby Digital 2.0
Bildformat 1.33:1 (4:3)
FSK ab 12
Im Handel ab 14.01.2016

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christopher columbus DVD

Die DVD wurde uns von Koch Media freundlicherweise bereitgestellt.

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info, TripleFeatureFoundation.org und FuriousCinema.com

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