Das Schweigen der Hammel / Il silenzio dei prosciutti / The Silence of the Hams

Ein Serienkiller schlägt zu… immer wieder! Detective Jo Dee Fostar (Billy Zane) soll den Fall klären und nur einer kann ihm helfen: Dr. Animal (Dom DeLuise), ebenfalls ein Serienmörder, der in einem Hochsicherheits-Irrenhaus sitzt. Er verarbeitete seine Opfer vorzugsweise zu leckerer Pizzasoße. Die Zeit läuft: Jane (Charlene Tilton) setzt sich mit dem Geldkoffer ihres Chefs ab und landet im Friedhof-Motel, welches vom seltsamen Antonio Motel (Ezio Greggio) geführt wird. Dort lebt er mit seiner Mutter (oder dem, was von ihr übrig ist…). Nach einer Dusche verschwindet Jane. Kann Jo Dr. Cannibal zum Reden bringen? Findet er den Killer? Und wo ist Jane? Ein wahnsinniger Countdown beginnt… (Turbine Medien)

In der großartigen Tradition von Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug (1980) und Die nackte Kanone (1988), handelt es sich hier um eine dieser Slapstick-Parodien, die nach dem Prinzip arbeitet, so viele Witze wie möglich rauszuhauen und zu hoffen, dass mindestens ein paar von ihnen zünden. In Das Schweigen der Hammel tun dies ungefähr ein halbes Dutzend, was für das Genre bereits als überdurchschnittlich gilt. Der größte Teil des Rest-Films ist ungefähr so lustig wie eine verpfuschte Vasektomie. Vielleicht sollte man vorm „Genuss“ des Streifens schon ein paar Biere getrunken haben!? Zum Hauptziel der Parodie wurde PSYCHO (1960) auserkoren, wobei der einzige überzeugende Teil des Drehbuchs die endgültige Identifizierung der Person darstellt, die den Autor/Regisseur dieses Schlamassels, Ezio Greggio, unter der Dusche ermordet hat. Ein weiteres Hauptziel (obwohl sekundär zu Psycho), ist – wie man vom Titel erwarten kann – Das Schweigen der Lämmer (1991). Es gibt auch zahlreiche Hinweise auf andere Noir- und/oder Horrorfilme, wie zum Beispiel Basic Instinct (1992), Dressed to Kill (1980), Misery (1990), Bram Stokers Dracula (1992), Eine verhängnisvolle Affäre (1987), Die Addams Family (1964–66, die Fernsehserie, nicht die späteren Filme), Die Nacht der lebenden Toten (1968), Krieg der Sterne (1977), Terminator (1984) und sogar Michael Jacksons Thriller (1983).

Die Handlung ist natürlich als extrem klapprig zu bezeichnen. Der FBI-Neuling Jo Dee Fostar (Billy Zane) wird von seinem Chef Pete Putrid (Stuart Pankin) der Fall des Psycho Killers zugewiesen, der bereits 120 Opfer gefordert hat. Jo Dees Freundin Jane Wine (Charlene Tilton) möchte ihn heiraten, doch er lehnt wegen Geldmangels ab. Als ihr Maklerchef Mr. Laurel (Rip Taylor) ihr 400.000 Dollar in bar anvertraut, um sie auf die Bank zu bringen, flieht sie mit dem Geld und endet in einer regnerischen Gewitternacht im Cemetery Motel, wo der gruselige Antonio Motel (Ezio Greggio) lautstarke Konfrontationen mit seiner mysteriösen Mutter abhält, die in der finsteren alten Villa mit Blick auf das Motel wohnt. Zu diesem Zeitpunkt interessiert sich Jo Dee (ein hohler, oberflächlicher Kerl) eigentlich mehr für Janes Schwester Lily (Joanna Pacula), doch nachdem er von dem witzig benannten Detektiv Martin Balsam (Martin BalsamDer Clan, der seine Feinde lebendig einmauert; Im Dutzend zur Hölle) hört, dass Jane 400.000 Dollar unterschlagen hat, ist er sofort darauf bedacht, sie aufzuspüren. Er erkennt (irgendwie!?), dass die beiden Fälle zusammenhängen, was von Dr. Animal Cannibal Pizza (Dom DeLuise) bestätigt wird, dem serienmordenden inhaftierten Psychiater, den er bei seinen Versuchen den Psycho Killer aufzuspüren, konsultiert hat.

Die letzten Etappen der Suche werden von The Ranger (John Astin) und The Ranger‘s Frau (Nedra Volz) geleitet. Die Nebenbesetzung ist mit bekannten Gesichtern gespickt. Mehrere Filmregisseure haben kleinste Rollen übernommen, zum Beispiel Mel Brooks als Kunde des Jack the Ripper Motor Court, oder Joe Dante, John Carpenter und John Landis. Ersterer hat einige weitaus bessere Parodien als diese gedreht, während sich Letzterer für einen der hier parodierten Filme verantwortlich zeigt, nämlich den Video-Kurzfilm Michael Jacksons Thriller. Wesentliche Beiträge leisten außerdem:
Phyllis Diller, als Laurels ältere, verwirrte Sekretärin
Larry Storch, als Putrids Vorschriften besessener, unfallanfälliger Sergeant
Bubba Smith als Olaf, dem die 400.000 Dollar wirklich gehören
Tony Cox, als Wachmann im Gefängnisflügel, in dem Dr. Animal festgehalten wird
Andre Rosey Brown, als massiver aber äußerst unnatürlich sprechender Motorradpolizist, der die flüchtende Jane kilometerweit verfolgt, bevor er zufällig vom Blitz getroffen wird
Shelley Winters als Antonio Motels Mutter – nein, nicht die, die durch seine ungeschickten Präparationskünste erschaffen wurde, sondern seine echte, lebende, tretende, fluchende und messerstechende alte Mutter.

Darüber hinaus gibt es einige (normalerweise sehr gute) Nachahmungen realer Figuren zu sehen: John Roarke als George H.W. Bush, Pat Rick als Bill Clinton, Kenneth Davitian als Luciano Pavarotti, Lynn Shirey als Hillary Clinton und Cornelia Johnsson als Sharon Bone. Die Pavarotti-Imitation ist wirklich die einzige, bei der der Humor gut eingesetzt wird. Während Putrid und Jo Dee die Szene der jüngsten Untat des Psycho Killers inspizieren, sinniert Jo Dee laut und betrachtet die Körperteile: “You sure there’s only one victim? There’s enough stuff there for twins.” Augenblicke später verbinden sich die Körperteile wieder, woraus Pavarotti entsteht und in eine Arie ausbricht. Die Voice-Over-Stimme (von Greggio) verkündet dem Publikum währendessen: “Yes, it was Pavarotti, who had eaten a cow and farted himself to pieces” – eine Dialogzeile, die so außerordentlich unsubtil ist, so dass sie irgendwie eine Barriere durchbricht, um intellektuellen Glanz à la François Rabelais zu erlangen. Es sind sogar noch einige andere kurze Momente im Drehbuch zu finden, die man tatsächlich als witzig bezeichnen kann. Irgendwann sagt Dr. Animal zu Jo Dee: „Ich bin seit acht Jahren an diesem Ort eingesperrt. Von all den Dingen, die ich verloren habe, denke ich, dass ich meinen Verstand am meisten vermisse.“ Und da ist noch dieser Dialog:
Dr. Animal: Wovor hast du am meisten Angst?
Jo Dee: Sardellen.
Dr. Animal: Gute Antwort.
Die Zeile, die dem Publikum am wahrscheinlichsten ein Lachen entlocken wird, ist eine von Martin Balsam, der schon den Detektiv in Hitchcocks Psycho gespielt hatte. „Es fühlt sich so an“ sagt er, als er das Haus hinter dem Motel betritt, „als hätte ich das schon einmal gemacht.“

Furz-, Kack- und Peniswitze herrschen ziemlich vor: Schon früh entdeckt Jane, dass Jo Dee wirklich eine Waffe in der Tasche hat – oder zumindest in der Hose. Und lasst mich den Vibrator-Witz nicht vergessen, so sehr ich es mir auch wünsche. Wirkliche Momente von Komödie kommen höchstens in den Szenen mit Dom DeLuises Dr. Animal vor, einem Psychopathen, der sich seiner intellektuellen und sogar paranormalen Fähigkeit sehr sicher ist und dennoch die Pizza zu Anthony Hopkins‘ Gourmet-Standard Hannibal Lecter im Originalfilm darstellt. Wirklich, die einzige andere bemerkenswerte Leistung – obwohl Zane kompetent spielt und Astin seine Rolle als Gomez Addams fachmännisch rekreiert – kommt von Joanna Pacula, die offensichtlich angewiesen wurde, das Zelluloid zu verbrennen und genau das tut sie, aber auf sehr amüsante Art und Weise. Diese noirische Parodie kann sich zumindest auf die Fahne schreiben lustiger zu sein als Leslie Nielsen ist sehr verdächtig (1998), das Leslie Nielsen-Vehicle, das einige Jahre später auf den Markt kam. Doch dieser Film stellt auch keine große Hürde dar.

Das Schweigen der Hammel erscheint als 2-Disc-Mediabook (DVD + Blu-ray) im Hause Turbine Medien GmbH, wobei man dem Label zu dieser gelungenen Veröffentlichung nur gratulieren kann. Über den Film lässt sich zwar sicherlich streiten aber dafür weiß die Scheibe nicht nur auf technischem Gebiet zu überzeugen, sondern hat auch Einiges an sehr interessanten Extras zu bieten. Das Bild wird in 1,85:1 / 1080P, 1,85:1 / 16:9 präsentiert und sieht wirklich klasse aus. Es zeigt sich sehr farbenfroh, enorm scharf und wunderbar detail- und kontrastreich. Bei der Qualität der beiden angebotenen Tonspuren (Deutsch HD-DTS MA 5.1, Deutsch HD-DTS MA 2.0, Englisch HD-DTS MA 5.1, Englisch HD-DTS MA 2.0, Deutsch DD 5.1, Deutsch DD 2.0, Englisch DD 5.1, Englisch DD 2.0) gibt es ebenfalls keine Beschwerden anzumelden. Außerdem gibt es die Möglichkeit deutsche oder englische Untertitel zuzuschalten.

Bonusmaterial:
Audiokommentar mit Autor/Produzent/Regisseur Ezio Greggio, den Darstellern Billy Zane und Charlene Tilton sowie Casting Director Craig Campobasso* – Ein Hoch auf die Hammel – Neu produzierte Interview-Dokumentation mit Autor/Produzent/Regisseur Ezio Greggio, Produzentin Julie Corman, Casting Director Craig Campobasso, Komponist Parmer Fuller sowie den Darstellern Billy Zane, Charlene Tilton, Stuart Pankin und Lance Kinsey* (ca. 88 Minuten) – Mein Kumpel Bubba – Interview mit Lance Kinsey über seinen Police Academy-Kollegen Bubba Smith* (ca. 13 Minuten) – Trailer (USA & Deutschland – 4:3 Retro-Fassung (SD, Open Matte) – der Buchtteil von Christoph N. Kellerbach gestaltet sich recht umfangreich, unterhaltsam und interessant.

*mit optionalen deutschen und englischen Untertiteln

Im Turbine-Shop oder bei Amazon bestellen

  • Seitenverhältnis : 16:9 – 1.85:1, 16:9 – 1.77:1
  • Alterseinstufung : Freigegeben ab 12 Jahren
  • Regisseur : Greggio, Ezio
  • Laufzeit : 1 Stunde und 21 Minuten
  • Darsteller : Zane, Billy, DeLuise, Dom, Tilton, Charlene, Balsam, Martin, Pankin, Stuart
  • Sprache, : Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)
  • Studio : Turbine Medien
  • Anzahl Disks : 2

Diese Edition wurde uns freundlicherweise von Turbine Medien zur Verfügung gestellt.

Das Bildmaterial stammt nicht von dieser Edition.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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