Dressed to Kill

Vor der Leere ihrer Ehe flüchtet sich Kate (Angie Dickinson) im Badezimmer in Tagträume voller Erotik und Gewalt. Ihr Psychiater Dr. Robert Elliott (Michael Caine) rät ihr diese Phantasien auszuleben. Doch die prickelnde Begegnung mit einem Unbekannten nimmt ein schreckliches Ende: Kate wird mit einem Rasiermesser ermordet. Einzige Zeugin der Tat ist die Edelprostituierte Liz (Nancy Allen) die sich gemeinsam mit Kates halbwüchsigem Sohn auf die Suche nach dem Mörder macht. Wieso stammt das Messer ausgerechnet aus Dr. Elliotts Praxis? (Filmconfect Home Entertainment GmbH)

Hausfrau Kate Miller (Angie Dickinson) steht unter der Dusche und genießt es wirklich abgebraust zu werden, während sich ihr Mann ein paar Meter entfernt vor dem Spiegel rasiert. Tatsächlich verliert sie sich während des Duschens in sexuellen Träumereien. Doch gerade als sie sich ihren Fantasien vollkommen hingibt, taucht ein Mann hinter ihr auf und packt sie, greift sie an – oder etwa doch nicht? Eigentlich repräsentiert das Ganze einen frustrierten sexuellen Traum, in den sich Kate flüchtet, während ihr Mann eines Morgens Sex mit ihr hat. Sie ist alles andere als zufrieden mit ihm im Bett, weshalb sie auch einen Psychiater besucht, Dr. Robert Elliott (Michael Caine), um über ihre Probleme sprechen zu können. Sie hat auch einen Sohn im Teenageralter, Peter (Keith Gordon), der so etwas wie ein Wunderkind darstellt. Was sich noch als nützlich erweisen soll, wenn sein Mastermind in der zweiten Hälfte des Films dringend benötigt wird.

Dressed to Kill repräsentiert eines der umstrittensten Werke des Drehbuchautors und Regisseurs Brian De Palma. Der Film kam zu einer Zeit heraus, als Filme, die Gewalt und insbesondere Gewalt gegen Frauen darstellten, Proteste sowohl in den Medien als auch innerhalb von Interessengruppen auslösten, als die nachlassende Zensur der späten 60er Jahre etwa zehn Jahre später die Früchte des Sex und des Blutes getragen hatte, auch in Mainstream-Filmen. Ob man mit diesem besonderen Werk nun zurechtkam, hing davon ab, auf welcher Seite man sich befand: entweder auf der Seite des Mörders oder auf der Seite der potenziellen Opfer. Trotz all der herzlosen Inszenierungen von Brutalität präsentierenden set-pieces gestaltete es sich schwierig darauf zu schließen, dass De Palma wollte, dass sich das Publikum auf die Seite des Mörders schlägt.

Ein weiteres, anderes Problem lag dann darin, dass der Mörder ein Transsexueller zu sein schien, was einige als einen Schritt nach vorn (oder zurück) zu Alfred Hitchcocks Psycho betrachteten. Auf den ersten Blick wurde dem Publikum damit suggeriert, dass Transsexuelle in psychiatrische Kliniken gehören, weil ihre Identitätsprobleme sie mit einem Rasiermesser in der Hand hinter Menschen herjagen lassen, um diese in Scheiben und Würfel zu schneiden. Andererseits konnten die Zuschauer allerdings auch feststellen, dass der Mörder hier so dermaßen extravagant dargestellt war, so dass man hier auf keinen Fall auf jeden Transsexuellen schließen konnte.

Immerhin achtete De Palma darauf dokumentarisches Material eines echten Falles in den Film einzufügen, der vollkommen glücklich und ausgeglichen zu sein scheint, als würde sich der Regisseur angesichts der Kritik, die er zu umwerben schien, verstecken wollen. Filmfans hingegen sind dankbar für De Palmas Styling und seinen trickreichen Ansatz, die erkennen lassen, dass er eher ein Regisseur der Kunst um der Kunst willen ist, wobei man hier nicht leugnen kann, dass Kunst auf beeindruckende Art und Weise gehandhabt wurde. Sogar Sequenzen, die die Handlung nicht notwendigerweise weiter zu fördern scheinen – zum Beispiel die Kunstgalerieszene – laden das Publikum dazu ein, sich zurückzulehnen und die Raffiniertheit von De Palmas überwältigender Technik zu genießen.

Natürlich repräsentiert der gesamte Film eine riesige Täuschung, genauso wie die Charaktere, da die meisten der Hauptprotagonisten eine Persönlichkeit an den Tag legen, die etwas zu verbergen hat, oder zumindest ein Doppelleben führt. Leider bedeutet dies, dass der Mörder viel einfacher zu entlarven ist, als es wohl beabsichtigt war. Doch das ist beinahe schon egal, da man das Talent des Regisseurs und einen absurden, jedoch irgendwie amüsanten Plot-twist bewundern kann. Nancy Allen, damals De Palmas Ehefrau und Muse, taucht nach einer dieser großen Wendungen auf, um das hochklassige Callgirl Liz Blake zu verkörpern, das in den Mord verwickelt und zum Ziel für denjenigen wird, der die Verbrechen begeht. Selbst sie besitzt ein gewisses Maß an Duplizität, schon allein deshalb, weil sie mit ihren finanziellen Mitteln an der Börse spekuliert, wo das echte Geld liegt. Doch es sind diese set-pieces, an die man sich erinnert, die zukünftige Betrachtungen umso faszinierender gestalten (nachdem man weiß, was passiert), da man nun auf De Palmas Fingerspitzengefühl und seine Art und Weise, wie er seine Charaktere wie Schachfiguren hin und her bewegt, achten kann. Pino Donaggio steuert einen typisch üppigen, jedoch seltsam romantischen Soundtrack bei.

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  • Seitenverhältnis : 16:9 – 2.35:1
  • Alterseinstufung : Freigegeben ab 16 Jahren
  • Regisseur : de Palma, Brian
  • Medienformat : Breitbild
  • Laufzeit : 1 Stunde und 45 Minuten
  • Darsteller : Caine, Michael, Dickinson, Angie, Allen, Nancy, Gordon, Keith, Franz, Dennis
  • Untertitel: : Deutsch, Französisch, Englisch
  • Sprache, : Deutsch (DTS-HD 2.0), Englisch (DTS-HD 2.0), Französisch (DTS-HD 2.0), Unbekannt (Dolby Digital 2.0)
  • Studio : Filmconfect Home Entertainment GmbH (Rough Trade)

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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