Die Organisation / The Organization

Im Schutz der Dunkelheit überfallen sechs Maskierte eine allem Anschein nach respektable Möbelfabrik – sie erbeuten Heroin für mehrere Millionen Dollar. Doch die sechs sind keine gewöhnlichen Diebe, sondern eine Gruppe ehemaliger Drogenabhängiger, die leidenschaftlich gegen das Verbrechen kämpft. Voller Frust über die Unfähigkeit der Polizei, mit den Dealern in der Stadt aufzuräumen, legen sich die Ex-Junkies mit einem mächtigen Drogenring an. Sie nehmen Kontakt zu Lieutenant Virgil Tibbs auf, gestehen ihm den Einbruch und bitten ihn gleichzeitig um Hilfe und Stillschweigen. Nur widerwillig lässt Tibbs sich darauf ein. Und bald gerät er zwischen die Fronten der Polizei und des skrupellosen Drogenkartells, das ihn für immer zum Schweigen bringen will. (Wicked-Vision)

In Die Organization, dem letzten Film der Virgil-Tibbs-Trilogie, wird nicht nur das Gesetz des abnehmenden Ertrags anschaulich demonstriert. Der Film präsentiert nämlich noch dazu eine Handlung, die sich nicht nur unnötig unlogisch gestaltet, sondern auch die unverzeihliche Sünde begeht, den bereits bestens bekannten Hauptprotagonisten für den Plot ziemlich irrelevant zu machen. Gleichzeitig soll eine Möbelherstellerfirma ausgeraubt werden, wobei die Sequenz so dermaßen unnötig über produziert wurde (anscheinend aus Angst sie könnte der Aufmerksamkeit des Publikums entgehen), so dass man den Eindruck gewinnt, sie könnte höchstens von jemanden erdacht worden sein, der durch das Betrachten von hundert besseren Heist-Filmen übermäßig stimuliert wurde. Die Charaktere bestehen aus einer fröhlichen Bande sozialer Aktivisten, von denen jeder mit einer traurigen Geschichte ausgestattet ist und ein gehöriges Gewicht auf den Schultern zu tragen hat, das sie dazu ermutigt dumm und rücksichtslos zu handeln, was beinahe ihren Untergang garantiert.

Da sich die Aufmerksamkeit der Aktivisten nicht auf irgendjemanden, sondern auf die Mafia richtet (hier vollkommen diskret in „Die Organisation“ umbenannt, damit sich die wirkliche Mafia nicht auf die Füße getreten fühlt), stiehlt die Gruppe eine große Menge an Heroin aus einem geheimen Lager, um der organisierten Kriminalität gehörigen Schaden zuzufügen. Doch ihr zweifelhafter Plan verkompliziert sich, als eine Geisel mit deren Hilfe sie die Möbelfabrik infiltrieren, am Tatort tot aufgefunden wird. Praktischerweise leitet Inspektor Tibbs (Sidney Poitier) die Ermittlungen, da ihn die Aktivisten gezielt kontaktieren (aus Gründen, die niemals erklärt werden), um ihm ihre Tat zu gestehen und um auf seine Unterstützung bei ihrer Verschwörung gegen „Die Organisation“ hoffen zu können.

Was folgt, ist eine Menge an Telefonanrufen seitens der Gangster-Könige, die die Rollen von Unternehmensführern übernommen haben und von denen keiner Einfluss auf den Rest des Films zu haben scheint; anders als die offenkundig höhnischen Mob-Schläger, die keine Schwierigkeiten damit haben, die engagiert sozialbewussten Drogendiebe zu identifizieren und zu eliminieren. Währenddessen verbringt Virgil Tibbs die meiste Zeit damit, seinen Ärger über die Aktivisten zu zeigen, indem er nachdenklich in die Gegend starrt oder seinen frühreifen jungen Sohn in Bezug auf Sex aufklärt (anscheinend eine Fortsetzung seiner Lektionen über Tabak- und Alkoholmissbrauch aus Zehn Stunden Zeit für Virgil Tibbs).

Die Organisation präsentiert einiges an Chaos sowie Mord und Totschlag, ohne dass die Handlung merklich voranschreitet; unsere Kreuzritter sind zu keiner Zeit in der Lage „Die Organisation“ ernsthaft und geschweige denn nachhaltig in die Bredouille zu bringen, während die Bösewichte immer wieder von der Wiederbeschaffung ihrer Drogen abgehalten werden (wahrscheinlich weil ihre Handlanger versuchen, auch wirklich jeden zu töten, mit dem sie in Kontakt kommen). Unterdessen gibt sich Tibbs ziemlich bedrückt, weil Barbara McNair hier auf eine Figur der ehelichen Unterstützung reduziert wird, die darauf beschränkt ist, seinen Arm zu berühren und „Virg“ zu sagen. Jeglicher Nervenkitzel, der durch eine klimaktisch lange Verfolgungsjagd durch einen U-Bahn-Bautunnel erzeugt werden könnte, wird dadurch deutlich abgemildert, dass sich keiner der Baustellenarbeiter auch nur im geringsten von den Schießereien um sie herum beeindrucken lässt. (Man vergesse die albern ungeschickten Gangster, diese Gewerkschaftstypen, das sind harte Jungs!) Eine letzte Wendung wurde sicherlich als eine Form von großartiger Ironie angedacht, doch letztendlich betont sie nur, was für eine Zeitverschwendung die „Virgil-Tibbs-Trilogie“ seit dem zweiten Film geworden ist. So, nun bin ich fertig mit meinem kleinen „Rant“ und sehr gespannt darauf, ob überhaupt irgendjemand diesen Text gelesen sowie herausgefunden hat, dass ich es mit meiner negativen Kritik diesmal absichtlich übertrieben habe!? Selbstverständlich reicht Die Organisation nicht im Geringsten an In der Hitze der Nacht heran, lässt sich allerdings sehr viel besser konsumieren als Zehn Stunden Zeit für Virgil Tibbs und stellt gleichzeitig einen recht unterhaltsamen Flick dar, der sich jedoch nicht frei von Fehlern präsentiert.

Wicked-Vision veröffentlicht Die Organization als Nummer 05 ihrer Black Cinema Collection in einer Scanavo BD-Box (Blu-Ray und DVD), die auf 1.500 Stück limitiert ist. Bild (1,85:1; 1080p / 1,85:1 anamorph) und Ton (Deutsch + Englisch DTS-HD Master Audio 2.0 / Dolby Digital 2.0) bewegen sich auf ziemlich hohem Niveau, da kann man sich absolut nicht beschweren. Außerdem können deutsche oder englische Untertitel zugeschaltet werden. Insgesamt handelt es sich bei Die Organization wieder einmal um eine äußerst gelungene Edition mit interessantem sowie umfangreichem Bonusmaterial, die bei Liebhabern und Freunden der „Virgil-Tibbs-Trilogie“ enorm gut ankommen sollte.

Bonusmaterial:
• 16-seitiges Booklet mit einem Essay von Thorsten Hanisch (Tibbs auf Abwegen – Notizen zu „Die Organization“) –> der Autor sinniert hier recht informativ über die „Virgil-Tibbs-Trilogie“
• Audiokommentar von Dr. Gerd Naumann und Christopher Klaese –> wie gewohnt, sehr informativ sowie unterhaltsam
• Featurette: „Blaxploitation zwischen Independent und Hollywood“ mit PD Dr. Andreas Rauscher –> recht informativ
• Originaltrailer
• Deutscher Trailer
• Bildergalerie

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  • Seitenverhältnis: 16:9 – 1.85:1, 16:9 – 1.77:1
  • Alterseinstufung: Freigegeben ab 16 Jahren
  • Regisseur: Medford, Don
  • Laufzeit: 1 Stunde und 46 Minuten
  • Darsteller: Poitier, Sidney, McNair, Barbara, North, Sheree, Garfield, Allen
  • Untertitel: Deutsch
  • Studio: Wicked Vision Distribution GmbH

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Die Screenshots stammen NICHT von dieser Edition !!!

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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