Die Tollwütigen / I Drink Your Blood

Eine Gruppe junger Leute, die sich „Sados – Söhne und Töchter des Teufels“ nennt, feiert am Waldrand eine Orgie zur Verherrlichung Satans. Ein zufällig des Weges kommendes junges Mädchen, aus dem benachbarten Dorf, wird brutal überfallen und missbraucht. Die Satansanbeter lassen sich in einem verfallenen Haus nieder, wo sie ihren teuflischen und abscheulichen Spielen unbehelligt nachgehen können. Ein Junge aus dem Dorf will dem grausamen Spiel der Satansjünger ein Ende setzen und schmiedet einen Plan: Er will die Bande mit dem Blut eines tollwütigen Hundes vergiften. Er ahnt nicht, dass er damit ein Inferno des Grauens entfacht! (Subkultur Entertainment)

Wie man wissen sollte werden Rednecks in Filmen normalerweise zum größten Teil in zwei Kategorien unterteilt: Familien, die ihre Ernährung mit menschlichem Fleisch ergänzen und ganze Städte, die Besucher foltern und demütigen, bevor sie sie zum Spaß töten. Rednecks in Exploitation Flicks sind fast immer böse. Klar, vielleicht tauchen von Zeit zu Zeit ein paar freundliche im Fernsehen auf, wie in The Beverly Hillbillies oder The Dukes Of Hazzard (Ein Duke kommt selten allein), doch auf der großen Leinwand ist diese Version von Hinterwäldlern so selten wie Schaukelpferdscheiße.

Ein Haufen von jungen Leuten mit (teils) langen Haaren ist in die Stadt eingezogen. Obwohl die Bande eine multiethnische Gruppe darstellt, die aus „Schwarzen“, „Weißen“, „Orientalen“ und „Asiaten“ besteht, predigen sie mit Sicherheit keine Liebe und keinen Frieden. Kein Witz. Stattdessen sind sie alle Teufelsanbeter. Ihr Anführer, Horace, proklamiert sich selbst als „Sohn des Satans“ und behält auch dann ein ernstes Gesicht, als er mitteilt, dass „Satan ein LSD-Liebhaber war.“ Unnötig zu erwähnen, dass sich die Dinge hier in kürzester Zeit ein bisschen verrückt entwickeln werden. Zuerst wird das einheimische Mädchen Sylvia angegriffen und fällt ins Koma. Dann führt eine Rattenjagd im eigenen Spukhotel der Stadt zu ritueller Folter. Und als sich Sylvias Großvater sein Gewehr schnappt, um diese Entarteten ein für alle Mal zu kurieren, verprügeln sie ihn und dosieren ihn mit LSD!

Wenn man dies liest, sollte man bereits die guten, altmodischen Hinterwäldler-Methoden im Umgang mit Außenstehenden kennen. Entweder Sie werden begrüßt, aufgegessen und dann die Unterkünfte mit ihren Körperteilen geschmückt, oder man setzt Sie vor einer schreienden Menschenmenge Erniedrigung, Vergewaltigung und weiteren Gewalteinwirkungen aus. Doch Sylvias feister jüngerer Bruder weiß es nicht besser und kontaminiert in einem Moment knabenhafter Inspiration die Fleischpasteten in Mildreds Bäckerei mit Tollwut!

Die „Hippies“ lassen sich natürlich nicht zweimal bitten und verschlingen die verseuchten Küchlein in null Komma nix. Bald schon fangen sie an zu schwitzen mit Schaum vorm Mund, ganz zu schweigen von starken Bauchkrämpfen, von denen sie heimgesucht werden. Sie stechen dann wiederholt auf einen ihrer eigenen Truppe ein und schneiden ihm ein Bein ab. Als die örtlichen Bauarbeiter ihre Ding-Dongs nicht in ihren Jeans behalten können, weil sie mit den infizierten Mädels knattern wollen, entwickeln sich die Dinge erst richtig chaotisch. Das Publikum wird im Folgendem Szenen mit Erhängen, Erstechen, einer mit einem elektrischen Tranchiermesser abgeschnittenen Hand, Beißen, Würgen, Selbstverbrennung, Tieropfern und Enthauptung ausgesetzt. In einem Augenblick schwieliger Geschmacklosigkeit sticht sich eine Schwangere aus der Gruppe in den Bauch, da sie um die Zukunft ihres ungeborenen Kindes fürchtet. Es folgt ein riesiges Katz- und Mausspiel, das in einem Moment des Massenschlachtens ein glückliches Ende findet. Es gibt nämlich kein Problem, das nicht mit einer Waffe gelöst werden könnte.

I Drink Your Blood repräsentiert einen verdammt geschmacklosen Film, der mit Manson Hippies, Blutopfern und exzessiver Fußfolter aufwartet. Was Manson betrifft, so wird der Charlie-Einfluss noch deutlicher, wenn die „Hippies“ das Wort „PIG“ mit Lippenstift auf ein potenzielles Opfer schreiben. Der verrückte Elektro-Noise-Soundtrack von Clay Pitts trägt wunderbar zum Wahnsinn des Streifens bei und verflüssigt den Geist des Zuschauers in selbst gebrannten Schnaps. Die Verfolgungsjagden, die unter Happy-Go-Lucky-Sounds ablaufen (die einzige „richtige“ Musik in diesem Film), sehen stark nach Slapstick aus, wobei man sich immer wieder fragt, wann die (Benny) Hills Angels denn nun endlich auftauchen. Die Spezialeffekte gestalten sich positiv miserabel: Der Pappmaché-Kopf ist zum Beispiel als ein echter Heuler zu beschreiben, während der Anblick von Millionen wahnsinniger Typen, die mit weißem Zeug um den Mund herumrennen, an die alten Gerüchte über Marc Almond erinnern.

Trotzdem erweist es sich als ein wenig schwierig zu verstehen, warum aus Die Tollwütigen solch ein Kultklassiker geworden ist. Oh sicher, als er zusammen mit I Eat Your Skin in einer Drive-In Doppelvorstellung gespielt wurde, stellte dies eine Killer-Werbekampagne dar, doch dem Film fehlt irgendetwas. Eine Gelegenheit für eine großartige Freak-Out-Szene wird verschenkt, während Großvater voll auf LSD ist (allerdings ist diese Sequenz nur im Director’s Cut zu sehen). Alles, was er tut, ist in der Küche zu sitzen, um zu weinen sowie zu schreien. Er scheint zwar Halluzinationen von den toten Eltern seiner Enkelkinder zu haben, doch es werden keine Farben, Stimmen oder verrückte Musik zum Einsatz gebracht. Nichts! Das Schauspiel ist bestenfalls als mittelmäßig zu bezeichnen, ist weder kompetent noch inkompetent genug, um das Interesse des Zuschauers sehr lange aufrechtzuerhalten. Nicht, dass es darauf ankommen würde, da die meisten Charaktere sowieso ziemlich langweilig angelegt worden sind. Außerdem erweist sich der Gore-Faktor einfach nicht als „krank“ genug, um ihn auf die hohen Standards eines beispielsweise H. G. Lewis zu heben. Ein großartiger Plot wurde leider verschwendet; Tollwutfilme sind schließlich sehr schwer zu finden bzw. zu bekommen. Einen Blick ist der Streifen allerdings alle Male wert. Auch, wenn man dann nur sagen kann, dass man ihn gesehen hat. Außerdem macht es sich gut den Flick zu kennen, wenn man mit anderen Splatter-Nerds spricht.

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Subkultur Entertainment bringt Die Tollwütigen als Nr. 09 ihrer Grindhouse-Collection Vol. 2 in einer tollen DVD / BluRay-Combo Veröffentlichung heraus, die auf 1000 Stück limitiert ist. Das Bild wird uns im 1,66:1 (1080p) / 1,33:1 (4:3 PAL) Format präsentiert, ist sehr gut restauriert worden und lässt kaum Raum zum Meckern. Der Ton bietet mit der deutschen und der englischen zwei Spuren (DTS-HD MA Mono; Dolby Digital 1.0 Mono), die beide angenehm zu hören sind. Hierfür können wahlweise deutsche oder englische Untertitel zugeschaltet werden. Als besonderes Extra beinhaltet die Combo ein 16-seitiges Booklet mit dem Titel „Mistgeburt – Hinterwäldler-Horror: David E. Durston und sein Film I DRINK YOUR BLOOD“ mit einem tollen, interessanten Text von Pelle Felsch, der einiges zu berichten weiß und seinen Aufsatz sogar auf etwas ungewöhnliche Art und Weise beginnt, denn „Es wird politisch.“ Die klasse Veröffentlichung kommt in einem ansprechend gestalteten Pappschuber daher, hat diesmal aber leider kein unterschiedliches Covermotiv zu bieten. Die restlichen Boni sind enorm umfangreich ausgefallen und werden deswegen etwas weiter unten aufgeführt.

Boni auf der Blu-ray:

  • Grindhouse erleben: Trailershow (Wunderland der Liebe – Der große deutsche Sexreport | Krokodile Bruce Lee Superstar | Ilsa – die Tigerin Die Sadisten des Satans) (14:03 Min.)
  • Grindhouse erleben: Double-Feature – englische Trailer zwischen „Die Tollwütigen“ und „I Eat Your Skin“ (Die Bestie mit dem Skalpell | Pigs | Scum of the Earth | Die Viper) (9:22 Min.)
  • Audiokommentar mit David E. Durston und Darsteller Bhaskar
  • Interview bei der Aufnahme des Kommentars (8:56 Min.)
  • Audiokommentar mit den Darstellern Jack Damon und Tyde Tierney, 2015
  • Audiointerview mit David E. Durston über Produzent Jerry Gross (7:10 Min.)
  • „Going for the Jugular“ – Interview mit Regiseur David E. Durston (59:51 Min.)
  • „The Bela Lugosi Story“ – nicht verwendetes Interviewsegment (3:43 Min.)
  • The I Drink Your Blood Show – Diskussionsrunde mit Cast & Crew (29:00 Min.)
  • CULT MOVIES Awards – Preisverleihung mit David E. Durston, 2002 (9:35 Min.)
  • Alternative Szenen (wahlweise mit Audiokommentar) (5:59 Min.)
  • Outtakes (3:15 Min.)
  • Deutsche Vorspänne:
    • „Die Tollwütigen“ (1:50 Min.)
    • „Blood-Suckers“ (0:56 Min.)
  • Trailer:
    • „Die Tollwütigen“, Bildformat 1.66:1 (Langfassung) (2:51 Min.)
    • „Die Tollwütigen“, Bildformat 1.33:1 (Kurzfassung, Open Matte) (2:32 Min.)
    • „I Drink Your Blood & I Eat Your Skin“, Bildformat 1.66:1 (Langfassung) (2:51 Min.)
    • „I Drink Your Blood & I Eat Your Skin“, (Kurzfassung, Open Matte) (2:33 Min.)
  • Radio-Spot (US) (1:02 Min.)
  • DVD-Promo Japan, 2003 (0:59 Min.)
  • Bildergalerie (35:54 Min.)
  • Deutsche Super8-Fassung:
    • Teil 1: „Haus des blutigen Schreckens“ (15:54 Min.)
    • Teil 2: „Die Satansbande“ (9:26 Min.)
  • Kurzfilm „The Evil King Cobra Dance“ (6:14 Min.)
  • Easter Egg „Sanitation – Rodent and Insect Control“ (9:28 Min.)
  • Reunion im Beverly Cinema, 2003 (34:59 Min)
  • Cinema Wasteland: Q&A David E. Durston und Lynn Lowry, 2004 (17:12 Min.)
  • Cinema Wasteland: Autogrammstunde David E. Durston, 2004 (3:49 Min.)
  • Mahonig Autokino „Double-Feature“, 2015 (5:47 Min.)
  • Easter Egg (2:20 Min.)
  • Bonusfilm I Eat Your Skin [Englisch DTS-HD MA 1.0 Mono, deutsche und englische Untertitel, 1,85:1, 1080p] (81:22 Min.)
  • „Swamp Man“ – Interview mit 2nd Unit Regisseur William Grefe (18:13 Min.)

Boni auf der DVD:

  • Grindhouse erleben: deutsche Trailershow wie Blu-ray
  • Grindhouse erleben: Double-Feature – englische Trailer zwischen „Die Tollwütigen“ und „I Eat Your Skin“ (Sex and the Other Woman | Boss Nigger | Bruce and Shaolin Kung Fu | The Born Losers Fight for Your Life) (13:23 Min.)
  • Audiokommentar mit David E. Durston und Bhaskar
  • Audiokommentar mit Jack Damon und Tyde Tierney
  • Alternative und gelöschte Szenen mit alternativem Kommentar (5:44 Min.)
  • Deutscher Trailer (2:26 Min.)
  • Bildergalerie (10:24 Min.)
  • Bonusfilm I Eat Your Skin [Englisch Dolby Digital 1.0 Mono, deutsche und englische Untertitel, 1,33:1] (78:02 Min.)

Diese Edition wurde uns freundlicherweise von Subkultur Entertainment zur Verfügung gestellt.

Das Bildmaterial stammt nicht von dieser Edition!

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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