Django – 10.000 Blutige Dollar / 10.000 dollari per un massacro / 10.000 Dollars Blood Money

Django gehört zu den besten Kopfgeldjägern der Gegend und ist ein Mann fester Prinzipien. Ein Prinzip ist, dass er nur Aufträge annimmt, die ihm mindestens 10.000 Dollar einbringen. Der junge Bandit Manuel gehört nicht zu diesem Kreis. Er steht erst bei mageren 2000. Doch als Manuel die Tochter des Großgrundbesitzers Mendoza entführt, setzt dieser die geforderte Summe aus. (Koch Media GmbH)

Die Eröffnungssequenz von Django – 10.000 Blutige Dollar kann mit gutem Gewissen als pure Magie bezeichnet werden. Gianni Garko liegt am Strand und spricht mit einem Mann, der neben ihm liegt, wobei die Kamera ein wenig nach rechts schwenkt, während Garko ironisch bemerkt: „Ah, das Meer, mein Freund. Das Meer ist wirklich großartig. Aber dich interessiert es ja nicht. Dich interessiert nur noch der Himmel, stimmt’s?“ Erst dann erkennt das Publikum, dass Garko mit einem Toten spricht und als er die Leiche auf seinem Pferd verfrachtet, begreift es auch, dass er ein Kopfgeldjäger ist. Diese eher satirisch angelegte Szene, die sowohl grimmig als auch witzig rüberkommt, gibt somit den Ton für eine der besten inoffiziellen Django-Fortsetzungen vor. Mit seinen homosexuellen Untertönen, der empörenden christlichen Symbolik und dem überschwänglichen Gebrauch von Maskara stellt der Streifen gleichzeitig auch eine der seltsamsten dar.

Der mexikanische Bandit Manuel Vasquez (Claudio Camaso) rächt sich an dem reichen Landbesitzer Mendoza (Franco Bettella), der ihn einst ins Gefängnis gebracht hatte, indem er alle seine Männer tötet und seine Tochter Dolores (Adriana Ambesi) entführt. Django (Gianni Garko als Gary Hudson gelistet) wird gebeten das arme Mädchen aus Manuels Klauen zu befreien, doch er will nicht für einen reichen Großgrundbesitzer arbeiten und verlangt deshalb einen Preis, den der habgierige Mendoza nicht zahlen will – die 10.000 Dollar des Titels. Als er in einen Hinterhalt gerät und beinahe umgebracht worden wäre, wird er von der Saloon-Dame Mijanou (Loredana Nusciak), die heimlich in ihn verliebt ist, wieder gesund gepflegt. Sie bittet ihn, sein gefährliches Leben aufzugeben und ihr nach San Francisco zu folgen. Er willigt ein, will aber erstmal noch schnelles Geld verdienen und tut sich deshalb mit Manuel zusammen. Der Bandit verspricht ihm kein unschuldiges Blut zu vergießen, doch sein nächster Überfall entwickelt sich zu einem Blutbad und eines der Opfer ist Mijanou.

Durch die Ausarbeitung von Djangos Beziehung zu Mijanou versuchen Regisseur Romolo Guerrieri und seine Drehbuchautoren (Franco Fogagnolo, Ernesto Gastaldi, Luciano Martino und Sauro Scavolini) dem Django-Charakter eine psychologische Dimension hinzuzufügen. Seine tragische Liebesbeziehung zu Mijanou spiegelt sich in der Beziehung zwischen Manuel und Dolores Mendoza wider, die er entführt und anschließend entjungfert. Im klaren Bezug zur populären (und inoffiziellen) katholischen Mythologie stellt sie die Jungfrau dar, die zur Hure und schließlich zur hingebungsvollsten Anhängerin ihres Herrn wird, die auch seinen Tod betrauert. Als sie von Djangos Freund Fidelio (Fidel Gonzales) befreit wird, flieht sie zurück zu Vasquez, weil sie sich in ihn verliebt hat. Das Motto „Jungfrau/Hure“ wird in der populären italienischen Kunst oft verwendet, doch anscheinend war der Vatikan weder damit zufrieden, noch mit einer anderen religiösen Symbolik, die im Film Anwendung findet. Irgendwann landet Garko auf dem Boden, auf dem Rücken liegend, seine Arme weit ausgebreitet. Höchstwahrscheinlich soll dies einen visuellen Hinweis auf Caravaggios berühmtes Gemälde von St. Paul darstellen, der auf dem Weg nach Damaskus von seinem Pferd fällt. Erschwerend kommt (für die katholische Kirche) hinzu, dass sich die Szene zu einer Art Ringkampf zwischen Garko und Camaso entwickelt, der so eindeutig homosexuell orientiert ist, sodass man blind sein muss, um dies übersehen zu können.

Django – 10.000 Blutige Dollar kann man als einen sogenannten „Zwillingsfilm“ zu Per 100.000 dollari ti ammazzo (Django der Bastard, 1967) ansehen, der auch in der Django – Italo-Western-Box enthalten ist. Zusätzlich zum „schmutzigen“ Look der Filme, durch den sich die meisten Zuschauer mit dem Genre identifizieren konnten, wollten die Produzenten Mino Loy und Luciano Martino diesen beiden Streifen ein romantischeres, dekadentes Aussehen verleihen. Gianni Garko hatte die Idee mit dem Seidenschal, während der ausführende Produzent Sergio Martino (der ein Jahrzehnt später beim „Twilight-Spaghetti-Western“ Mannaja – Das Beil des Todes Regie führen sollte) die berühmte Eröffnungsszene am Strand entwickelte. Dieser hier war auch der erste Film, in dem der „Held“ den Verlust eines geliebten Menschen betrauern durfte. In einer für das Genre sehr gewagten Szene bricht Django innerlich zusammen, als er Mijanous tote Augen erblickt. Keine der Hauptfiguren ist ausschließlich eindimensional angelegt worden, denn selbst der sadistische Manuel ist in der Lage, Zuneigung und Trauer an den Tag zu legen, als er neben seinem toten Vater niederkniet.

Django – 10.000 Blutige Dollar repräsentiert einen äußerst interessanten, allerdings auch etwas verwirrenden Italo-Western. Die meisten Leute ziehen ihn seinem „Zwillingsfilm“ Per 100.000 dollari ti ammazzo jedoch vor. Die Beziehungen zwischen den verschiedenen Charakteren verleihen dem Film eine emotionale Tiefe, die den meisten anderen Spaghetti-Western fehlt. Gleichzeitig haben einige Szenen einen eher komischen oder sogar parodistischen Touch verpasst bekommen, denn als Django eines seiner Opfer buchstäblich in die Luft jagt, wird zum Beispiel der vorhersehbare Witz über „Asche zu Asche und Staub zu Staub“ gemacht. Django hat ein Pferd, das so gehorsam ist wie ein Hund, während manche Charaktere bizarre Namen wie Fidelio (bedeutet fidelity = Treue), Dolores (lateinisch = Schmerzen), Seven Dollars, Scarface oder Stardust tragen. Garko und Camaso neigen dazu, ihre Rollen zuweilen etwas zu übertreiben, wobei man allerdings den Eindruck bekommt, dass sie dazu aufgefordert wurden, denn insgesamt funktioniert ihr Zusammenspiel recht gut. Trotzdem stiehlt Fernando Sancho als Manuels Vater Stardust ganz locker alle Szenen, in denen er auftritt. Nora Orlandis Score kann als feine, melancholische Musik bezeichnet werden, die perfekt zur Stimmung des Films passt. Django – 10.000 Blutige Dollar gestaltet sich brutal, anders, oftmals grotesk und ist prächtig arrangiert worden. Die grandiose Eröffnungssequenz (von manchen als Hommage an Ingmar Bergmans Das siebente Siegel angesehen) und die geschickt inszenierte Schießerei in der Geisterstadt inmitten eines Sandsturms verleihen dem Film einen grandiosen, fast surrealistischen Look.

In der Django – Italo-Western-Box zusammen mit Django – Der Bastard und Django – Die Bibel ist kein Kartenspiel enthalten.

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  • Seitenverhältnis: ‎16:9 – 1.77:1
  • Alterseinstufung: ‎Freigegeben ab 16 Jahren
  • Regisseur: ‎Romolo Guerrieri, Giovanni Fago, Domenico Paolella
  • Medienformat: ‎Dolby, PAL, HiFi-Sound
  • Laufzeit: ‎4 Stunden und 33 Minuten
  • Darsteller: ‎Gianni Garko, Loredana Nusciak, Claudio Camaso
  • Untertitel: ‎Deutsch
  • Sprache: Italienisch (Dolby Digital 2.0), Deutsch (Dolby Digital 2.0)
  • Studio: ‎Koch Media GmbH

Auch einzeln bei Amazon erhältlich

  • Seitenverhältnis: ‎16:9 – 2.35:1, 16:9 – 1.77:1
  • Alterseinstufung: Freigegeben ab 16 Jahren
  • Regisseur: Guerrieri, Romolo
  • Laufzeit: ‎1 Stunde und 34 Minuten
  • Darsteller: ‎Garko, Gianni, Nusciak, Loredana, Camaso, Claudio, Ambesi, Adriana, Lantieri, Franco
  • Untertitel: ‎Deutsch
  • Sprache: ‎Italienisch (Dolby Digital 2.0), Deutsch (Dolby Digital 2.0)
  • Studio: ‎Koch Media GmbH

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Filmliebhaber aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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