Doctor Mordrid

Unserer Wirklichkeit sind die Orte der Finsternis verborgen. Dimensionen, wo Gut und Böse sich seit Urzeiten bekriegen. Es gibt nur einen, der den Schlüssel zur Dimension der Finsternis hat: Doktor Mordrid. In einem unauffindbaren Schlupfwinkel mitten in New York widmet er sich der schwarzen Magie. Da passiert es: Psycrom, der Quell des Bösen, kommt frei. Der bestialische Geist versucht den Sprung in unsere Wirklichkeit und entfesselt dazu die entsetzlichen Dämonen. Psycroms Ziel: Die Unterwerfung der Welt. Hindernis ist Dr. Mordrid! Mit einer Reihe grausamster Verbrechen versucht Psycrom Mordrid auszuschalten. Doch Mordrid kennt die Gesetze der Finsternis. Die Jagd durch die hochtechnische Welt New Yorks kann nur einer Dimension den Sieg bringen. (Wicked-Vision Media)

Doctor Mordrid gehört zu den besseren Filmen aus dem Full Moon Productions Kanon. Vater und Sohn Albert und Charles Band produzierten mit Full Moon, Empire und mehreren anderen Unternehmen eine Vielzahl von Low-Budget-Genre-Filmen, darunter mehrere Franchises, wie Ghoulies, Trancers, Puppetmaster, Demonic Toys und Subspecies. Doctor Mordrid ist einer von den Filmen, bei denen die Bands von einer produzierenden zu einer leitenden Rolle wechselten, denn beide wurden als Co-Regisseure gelistet. Der einzige andere Streifen, bei dem die beiden gemeinsam als Co-Regisseure fungierten, war der Kinderfilm Dino Kids (1993).

Im Internet kursieren Gerüchte, dass das Drehbuch zu Doctor Mordrid ursprünglich als Drehbuch für einen Film begann, der auf dem Zauberer-Superhelden Doctor Strange von Marvel Comics basiert. Es wird behauptet die Bands hätten die Filmrechte an dem Comic-Buch über mehrere Jahre gehabt, das Projekt aber nicht auf den Weg bringen können. Der Einfluss des Comic-Buches auf den Film ist unverkennbar. Ändert man den Namen des Titelcharakters und stattet Jeffrey Combs mit einem bleistiftdünnen Schnurrbart aus, so sind die Doktoren Mordrid und Strange praktisch identisch. Die Figur des Doctor Strange selbst schaffte es mit dem recht guten TV-Piloten Dr. Strange (1978) mit Peter Hooten und dem animierten Doctor Strange (2007) zu mehreren Filmauftritten, während die Figur in den 2000er Jahren mehrfach als Möglichkeit für eine Filmadaption erwähnt wurde. Schließlich gelang es den Film im Rahmen der Marvel-Comics Übernahme der Welt im Jahr 2016 unter der Regie von Scott Derrickson und mit Benedict Cumberbatch in der Hauptrolle zu verwirklichen.

Nach Berichten des Drehbuchautors C. Courtney Joyner war dies jedoch nicht der Fall. Charles Band besaß niemals die Rechte an Doctor Strange und ein solches Skript soll nie geschrieben worden sein. Band war jedoch ein großer Marvel-Comics Fan. Er hatte den legendären Comiczeichner Jack Kirby, den Schöpfer von Captain America, verschiedenen Marvel Titeln und DCs New Gods engagiert, um Konzepte und Artwork für mehrere Filme zu entwickeln. Eines davon war für Dr. Mordrid, einen Zauberer-Helden. Die Arbeit am Film begann mit circa drei bis vier Artworks und Joyner entwickelte das Drehbuch um diese herum, stets mit Marvels Dr. Strange im Hinterkopf. Joyner zum fertigen Ergebnis: “In the light of the unbelievable superhero movies being made today, something like Doctor Mordrid is just a scruffy little footnote to the genre but I really am proud that I wrote a script directly from material that originated with The King of Komics. I’ve been a fan of Jack Kirby’s forever, and this movie is a direct connection to him, even if its origins seem a bit Strange!”

Doctor Mordrid kreiert genau das Gefühl von Esoterik, das für Dr. Strange von Marvel Comics unerlässlich ist und zwar viel besser als der Animationsfilm von 2007, der unter der offiziellen Leitung von Marvel Comics produziert wurde. Die Esoterik gestaltet sich recht ordinär, strahlt aber unbestreitbar ein gewisses Flair aus – Zaubertränke, magische Apparate, interdimensionale Portale, die imaginative Ansicht eines Dungeons in einer anderen Dimension (in der Luft auf einer Insel schwebend) und die Figur des Wächters, der seinen Dienst fortsetzt, obwohl seine Augäpfel durch einen magischen Feuerball zerstört wurden. Einige clevere Szenen mit Jeffrey Combs in der Polizeistation lassen ihn mit Leichtigkeit seine Handschellen loswerden und ein Taschentuch verwenden, um Yvette Nipar zu hypnotisieren, damit er ihr seine Geschichte erzählen kann.

Leider hat der Film etwas mit dem üblichen niedrigen Budget der Bands zu kämpfen. Das wird nämlich nur so weit gestreckt, wie es für die Geschichte notwendig ist und niemals darüber hinaus. Daher herrscht eine gewisse Frugalität von Szenen, Action und Drehorten, um Budget einsparen zu können. Zu Gunsten des Streifens gestaltet sich dies allerdings nicht so schmerzhaft wie bei anderen Band-Filmen – vor allem der unglaublich billigen Dino Kids Serie. David Allen steuerte brauchbare Stop-Motion-Animationseffekte bei – in einer Szene, die Nachts im Museum (2006) vorwegnimmt, besteht der Höhepunkt darin, dass sich die Zauberer im Natural History Museum duellieren, indem sie Dinosaurierskelette zum Leben erwecken und gegeneinander kämpfen lassen. Jeffrey Combs, der durch den von Band produzierten Re-Animator (1985) bekannt wurde, gibt hier eine seiner besten Vorstellungen als Hauptprotagonist, während sich Yvette Nipar nicht nur als unglaublich pfiffige Nachbarin erweist, sondern zugleich als eine der besten Schauspielerinnen, die je in einer Full Moon-Produktion zu sehen waren. Brian Thompson, als böser Zauberer Psycrom, stellt eine gewisse brutale Präsenz dar, obwohl man sich wünscht, die Rolle des Bösewichts wäre mit einem Schauspieler besetzt worden, der körperlich nicht so bedrohlich wirkt, dafür aber eine gewisse intellektuelle Bedrohung vermuten lässt. Zudem präsentieren sich Psycroms Akolythen auch als ziemlich lächerliche Fatzken und sehen dabei aus wie Rock’n’Roll-Groupies, oder sowas Ähnliches. Der Dialog ertönt aus Thompsons Mund eher hölzern, während Jeffrey Combs ihm ordentlich Leben einhaucht. Insgesamt handelt es sich bei Doctor Mordrid um einen kleinen, feinen Film, mit dem man durchaus Spaß haben kann, wenn man sich nicht zu viel davon verspricht.

Wicked-Vision Media veröffentlicht Doctor Mordrid als Nummer 2 ihrer Full Moon Collection im Mediabook (DVD+Bluray) mit drei verschiedenen Covern, die alle limitiert sind. Bild (1,78:1/1080p) und Ton (deutsch DTS-HD Master Audio 2.0, englisch DTS-HD Master Audio 5.1) bewegen sich auf hohem Niveau. Die Extras haben einige Highlights zu bieten und zwar Audiokommentare mit Regisseur Charles Band und Hauptdarsteller Jeffrey Combs, sowie mit Torsten Dewi und Marco Erdmann, ein 24seitiges Booklet mit einem Essay von Torsten Dewi und einem exklusiven Interview mit Lee MacLeod. Die weiteren Boni bestehen aus dem Originaltrailer, einem deutschen Trailer, einem alternativen Trailer sowie einer Bildergalerie. Abgerundet werden die Extras mit den featurettes Videozone: „Hinter den Kulissen von Doctor Mordrid“, Dokumentation: „Raw Footage: Hinter den Kulissen“ (BD only) und Interviews mit Stuart Gordon, Jeffrey Combs, Barbara Crampton und Comic-Legende Jack Kirby. Insgesamt handelt es sich bei Doctor Mordrid um eine sehr gelungene Mediabook-Edition, die bei Liebhabern und Freunden von „Trash“- und Superheldenfilmen sehr wahrscheinlich ziemlich gut ankommen könnte.

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Darsteller: Yvette Nipar, Brian Thompson, Jeffrey Combs, Keith Coulouris, Pearl Shear
Regisseur(e): Albert Band, Charles Band
Sprache: Deutsch (DTS HD 2.0 Stereo), Englisch (DTS HD 2.0 Stereo), Englisch (DTS-HD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Region: Alle Regionen
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Wicked-Vision Media
Produktionsjahr: 1992
Spieldauer: 75 Minuten

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Diese Edition wurde uns freundlicherweise von Wicked-Vision Media zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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