Dschungel Django / Il cacciatore di squali / The Shark Hunter

VHS – Edition

Ein Flugzeug stürzt über dem Karibischen Meer ab. Es hat 10 Millionen Dollar an Board. Nur ein Mann überlebt – Django. Er lässt sich auf einer nahe gelegenen Insel nieder, nimmt eine schöne Eingeborene zu glutvollen Geliebten und sinnt darüber nach, wie er an die 10 Millionen Dollar kommt, die jetzt 80 Meter unter der Wasseroberfläche liegen. Er verbündet sich mit Acapulco, einem unbekümmerten und leichtsinnigen Burschen, der aber ein hervorragender Taucher ist. Nach einer Reihe von gefahrvollen Tauchversuchen müssen sie sich eingestehen, dass das Heben des Schatzes nicht so einfach ist, wie sie sich das gedacht haben. Die Ankunft Donavans, eines amerikanischen Versicherungsdetektives, kompliziert die Situation. Donavan nämlich durchschaut sehr schnell, was Django vor hat. Ein Kampf auf Leben und Tod beginnt… (Video Medien Pool)

Was bedeutet es, ein Mann zu sein? Das ist die Frage, die sich viele von uns stellen. Was wird in unserer post-machoistischen, post-feministischen, post-metrosexuellen Ära zum Maß eines Mannes? Was definiert sein Leben, gibt ihm Sinn, macht ihn zu einem Mann? In der Tat ist eine solche Frage schwer zu beantworten, manchmal sogar scheinbar unmöglich zu beantworten. So tritt man in eine Ära der Verwirrung, der Ziellosigkeit ein, bis endlich etwas aus dem Chaos auftaucht, um den Weg zu weisen, um Erleuchtung zu bringen, den Männern auf ihrer Reise zu helfen und die Antwort so klar wie das kristall-blaue Wasser von Cozumel zu gestalten. Was bedeute es, ein Mann zu sein? Man lasse es sich von Franco Nero erzählen. Nein, nein – man lasse es sich von Franco Nero zeigen.

Die ersten fünfzehn Minuten von Enzo G. Castellaris Il cacciatore di squali laufen wie folgt ab. Das Publikum lernt den titelgebenden Hai-Jäger Franco Nero kennen, der aussieht, als wäre er gerade aus dem Dschungel gestolpert und in eine Pfütze verrückter Hippie-Biker gefallen, während er auf einem Felsen mit Blick auf den Ozean sitzt. Plötzlich fällt ihm ein Hai auf, der ihn aufspringen und den Strand entlang rennen lässt (begleitet von Guido und Maurizio DeAngelis‘ Prog Rock Klängen) und sich bemüht, das sich wehrende Tier an Land zu bringen. Dann zieht er sich in seinen Open-Air-Strandbungalow zurück, um sich mit seiner schönen mexikanischen Senorita zu lieben und geht dann in eine Bar, in der er ein halbes Dutzend Schläger verkloppt. Glücklich darüber, dass Franco dem Schlägertrupp den Hintern versohlt hat, nimmt ihn ein Einheimischer zum Paragleiten mit. Ich weiß, ich weiß. Man könnte nun annehmen, es sei schwierig einen menschenfressenden Hai an Land zu ziehen und mit einem sexy Mädchen am Strand Liebe zu machen sowie ein halbes Dutzend angeheuerter Thugs zu verprügeln, aber Paragleiten kann doch dagegen nicht so hart sein. Das ist doch das, was sonnenverbrannte, fette Amerikaner in ihren Urlaubs-Resorts tun, oder? Was soll daran so schwierig sein!? Naja, nichts. Doch während Franco zugegebenermaßen einen Kick vom Paragleiten bekommt, ist es das, was seine Paragleiten-Tour so hart macht: er erspäht aus der Luft einen Hai im Wasser, stößt einen Urzeitschrei aus, schneidet seinen Fallschirm los, springt und taucht ins Wasser, um dem Hai sofort ins Gesicht zu schlagen.

Obwohl alles an dem Film (vom Titel bis zu Franco Neros scheinbar unstillbarem Durst, Haien ins Gesicht zu schlagen) einen glauben lässt, dass es sich hier um ein weiteres Jaws (Der weiße Hai, 1975) Rip-Off nach dem Vorbild von Regisseur Castellaris eigenem L’Ultimo Squalo (The Last Jaws – Der weisse Killer, 1981) handelt, einem Film, der Jaws and Jaws 2 so genau nachahmt, dass eine einstweilige Verfügung gegen ihn erlassen wurde. Eigentlich sollte sichergestellt werden, dass dieses „Plagiat“ niemals in amerikanischen Kinos gezeigt und sogar selbst auf Heimvideo niemals das Licht der Welt erblicken würde. Keine Ahnung was aus dieser einstweiligen Verfügung geworden ist aber den Streifen kann man sich zur Zeit bei Amazon Prime ansehen. Wie auch immer, nach der wahnsinnigen Eröffnungssequenz und Franco Neros Lektion, was einen richtigen Mann ausmacht, entwickelt sich Dschungel Django jedoch nicht in ein Jaws Rip-Off, sondern in eins von einem anderen amerikanischen Film, The Deep (Die Tiefe) von 1977 mit Nick Nolte und Jaqueline „Miss Goodthighs“ Bisset als Taucher, die über ein Vermögen in versunkenen Drogen stolpern. Dieser Flick wurde 2005 als Into the Blue mit Paul Walker und Jessica Alba neu aufgelegt.

Shark Hunter ist jedoch besser als Die Tiefe oder Into the Blue, obwohl Franco Nero nicht wie Nick Nolte in Die Tiefe aussieht, sondern eher wie Nick Nolte auf einem seiner neueren Fahndungsfotos oder in Zoff in Beverly Hills (1986). Das Wesentliche an Il cacciatore di squali ist, dass Neros Charakter, Mike di Donato, von einem örtlichen Gangster unter Druck gesetzt wird ein abgestürztes Flugzeug voller Geld zu bergen. Franco und sein Paragleit-Kumpel versuchen einen Weg zu finden die Gangster los zu werden und sie auch noch zusätzlich auszutricksen. Trotz der Erwartungshaltung, die von einem Titel wie Shark Hunter geweckt wird (von Dschungel Django schon weniger), gibt es in diesem Film, außer am Anfang und gegen Ende, nicht viel an Hai-Action zu sehen. Der größte Teil der Action dreht sich um Franco Nero in seinem schäbigen Hemd und Latzhose mit Schlag, der sich am Strand in Kämpfe verwickeln lässt, weswegen seine geliebte Juanita (Patricia Rivera) nun von den Gangstern bedroht wird. Ach, und es wird viel getaucht, manchmal sogar mit Haien in der Nähe, was für viele Menschen ein heikles Thema darstellt.

Sollte es an Castellaris Regieführung etwas zu kritisieren geben, so ist es seine Wahl, Aufnahmen von echten Haien zu verwenden, die gefangen und getötet werden. Dies passiert nur ein- oder zweimal, wobei man annehmen kann, dass es sich um Szenen echten Haifischens handelt und die Tiere nicht extra für den Film gequält sowie getötet worden sind, wie es in anderen italienischen Exploitation-Filmen der Fall gewesen ist. Trotzdem sollten Leute, die mit solchen Sequenzen Schwierigkeiten haben, gewarnt sein. Franco Nero zeigt sich hier in guter Form, sieht allerdings vollkommen schmuddelig aus und scheint dringend eine Dusche zu benötigen. Man könnte meinen, ein Typ, der ständig im klaren Wasser von Cozumel, Mexiko, schwimmt und Haie verkloppt, dürfte eigentlich kein mit so viel Dreck und Mist verschmiertes Gesicht haben, außerdem dürfte man von einem Kerl mit einer so hübschen Freundin denken, er hätte mindestens zwei verschiedene Outfits zur Verfügung. Doch das einzige, was er zur Verfügung hat, ist dieses eine Outfit und dann noch das gleiche Outfit mit Hut und Sonnenbrille. Nero versinkt jedoch kopfüber in der Rolle und verleiht ihr Schwerkraft sowie immense Intensität, was den Film ziemlich spektakulär wirken lässt. Franco Nero hat Karriere gemacht, indem er harte Typen gespielt hat, und obwohl er hier nicht so hart und bad-ass ist wie in einigen seiner alten poliziotteschi, verprügelt er immer noch Haie und springt mit Fallschirmen ab, um mit ihnen ringen zu können.

Schließlich erklärt der Film dann auch noch, warum Haie unseren Hauptprotagonisten so wütend machen, was sich allerdings als ziemlich ereignislos und vorhersehbar erweist. Wenn man bedenkt, wie sehr der Kerl Haie hasst und wie er den ganzen Tag herumsitzt und nur darauf wartet sich den nächsten vornehmen zu können, muss man sich schon ernsthaft fragen, warum sie ihm dann überhaupt beim Unterwasserfinale im reinsten Aquaman-Stil zu Hilfe kommen. Wahrscheinlich respektieren sie seinen mörderischen Instinkt eines Raubtiers und seine verwuschelten blonden Locken. Guido und Maurizio DeAngelis‘ Musik trägt eindeutig dazu bei, dass der Film noch viel cooler rüberkommt. G&M, die aus irgendeinem Grund auch unter dem gemeinsamen Namen Oliver Onions arbeiteten, vereinen Rock-, Prog- sowie Film-Orchestrierungen und liefern somit einen großartigen Film-Score, der perfekt zur Action passt und das Blut zum Kochen bringt. All dies kombiniert mit der guten Arbeit vor Ort in Cozumel, lässt einen rundum aufregenden Actionfilm entstehen, der sich letztendlich stark von L’Ultimo Squalo unterscheidet.

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  •  1,33:1
  •  VHS
  •  ca. 82 Minuten
  •  Deutsch
  •  PAL
  •  sehr guter Zustand – Einleger
  •  ungeprüft

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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3 Antworten

  1. Rob sagt:

    Sehr guter Bericht…. Hoffentlich erbarmt sich mal ein Label und bringt den Streifen zumindest mal auf DVD heraus.

  1. 7. Dezember 2020

    […] dabei war, erinnert sich wahrscheinlich noch lebhaft an den Trailer zu „Dschungel Django“. Bluntwolf hat sich mal den dazugehörigen Film […]

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