La Isla Mínima (Mörderland)

La Isla Mínima (Mörderland) ist ein vielfach ausgezeichneter spanischer Krimi von 2014 des Regisseurs Alberto Rodriguez Librero (Grupo 7, Der Mann mit den Tausend Gesichtern).

Südspanien, September 1980. Der Geruch der Franco Diktatur liegt quasi noch in der Luft, als die zwei Ermittler Pedro (Raúl Arrévalo) und Juan (Javier Gutiérrez) in die Provinz geschickt werden um das Verschwinden junger Mädchen aufzuklären. Nach kurzen Ermittlungen unter den verschrobenen Dorfbewohnern finden sie die ersten Leichen. Es sind grausame Funde die hier zu Tage kommen. Ist ein Serienkiller hier aktiv? Verdächtige Fotoaufnahmen tauchen auf, Betroffene äußern sich nur zaghaft gegenüber den Cops, und zu trauen ist niemandem. Die örtliche Polizei, Großindustrielle, die Familienangehörigen, Nachbarn, Klassenkameradinnen, irgendwie stinkt der Fall zum Himmel. Da geraten plötzlich auch die Ermittler selbst ins Visier, sie scheinen auf der Richtigen Fährte zu sein, ausgerechnet als Pedro beginnt, die junge Vergangenheit seines Partners zu hinterfragen….

La Isla Minima - Mörderland BluRay

Unter de Regie von Alberto Rodríguez Librero entstand dieser etwas düstere Krimi, der bei Kritikern und vor allem bei Festivaljuries extrem gefeiert wurde. Über 30 Preise sahnte der Film ab, darunter mehrere der begehrten Goyas (den spanischen Oscars). Dabei werden immer schnell Vergleiche laut. Es sei die spanische Antwort auf die HBO Serie True Detective (von der ich Staffel 2 noch nicht gesehen habe), und das hat durchaus seine Berechtigung. Aber auch Seven (Sieben) geht stilistisch in diese Richtung der düsteren Cop-Thriller auf der Jagd nach Serienmördern, düstere Geheimnisse die aufgedeckt werden, deprimierende Settings, strömender Regen, graue Himmel, kontroverse Vergangenheiten, usw. Und mitten drin ein nicht ganz astreines, überarbeitetes Detektivduo. La Isla Minima passt hier sehr gut rein, man wird Hals über Kopf in einen post-faschistischen Krimi-Sumpf geworfen, bei dem Mädchen ermordet werden, und verschossene dörfliche Gemeinschaften mit dem ökonomischen Umsturz im Land zu kämpfen haben.

La Isla Minima - Mörderland BluRay

Spanien ist im Herbst 1980 nämlich noch frisch im Umbruch, die vom Königshaus gerettete Demokratie ist erst Monate alt, die alten Kader, Übeltäter, Mittäter, Weggucker und Opfer leben nebeneinander. Es ist eine Zäsur ohne Großreinemachen. Eine Gesellschaft im inneren Zwist, ein Problem dass bis heute nachhallt. Gerade in dörflichen Gegenden, wo jeder jeden kennt, ist sowas besonders schwerwiegend. Die beiden Ermittler kriegen dies schnell am eigenen Leib zu spüren. Dabei lassen die Drehbuchautoren weitgehend die Finger von politischen Aussagen oder großen Verschwörungen. Es reicht, diese Fragen anzudeuten, sie stehen wie der Elefant im Raum, wie eine dunkle Wolke über einem scheinbar simplen Mordfall.

La Isla Minima wartet gleichzeitig mit sehr viel Realismus auf, man fühlt sich sehr authentisch in die 80er versetzt, die Schauspieler sind exzellent und der Produktionswert des Films spricht für sich. Besonders überragend ist der Film im visuellen Sinne. Von den Kulissen über die Naturaufnahmen, es ist ein audio-visueller Albtraum den der Regisseur transportiert, ein Kontrast zwischen einer eigentlich bildhübschen (wenn auch digital aufgebrezelt) Landschaft und dem menschlich Schlechten. Fast scheint es, als ob zwischen all den Flamingos, Feldern, Flüssen und kleinen Wäldern der Mensch hier der wahre Parasit ist, das ist eigentlich der Verdienst des Films, ähnlich auch True Detective, das abscheulige Sujet der Geschichte der überproduzierten Kulisse gegenüber zu stellen. Daher kommt die Wucht bei solchen Produktionen.

 

La Isla Minima - Mörderland BluRay

Die BluRay die jetzt bei Koch erscheint, bietet den spanischen Originalton (getestet) oder die deutsche Synchronfassung, sowie deutsche Untertitel. Spanische oder Englische Untertitel gibt es leider nicht. Mit de Qualität ist das so eine Sache. Ich empfand es so: Hintergrundgeräusche machen ein wenig Probleme, so klingt z.B. das Regengeräusch im Hintergrund eher nach einem säuseln oder rauschen, das ist finde ich stark auffällig und klingt nach Schlamperei bei den Toningenieuren, aber ob das auf der Ebene der BluRay Tonabmischung passierte oder bei der Abmischung des Filmtons an sich, ist fraglich. Mir fiel es jedenfalls sehr unangenehm auf, das trübt den Eindruck des ansonsten sehr guten Tons ein wenig. Dieser bietet prima Tiefen, gute Dialogverständlichkeit und schöne Dynamiken auch bei leisen Szenen, allerdings ist die Räumlichkeit eher so naja.

Extras gibt es eine ganze Menge. Making Of (20min) halbwegs interessant mit vielen Einblicken aber dennoch von der Natur her Promo-Material, Outtakes (3:40min) bei so nem ernsten Film recht angenehm, Deleted Scenes (3:40min) von denen etwa die hälfte davon doch recht erhellende Momente darstellen, Videotagebuch (12min) das ist zusammen mit dem Making-Of ein sehr schöner und menschlicher Einblick in die Dreharbeiten, Behind the Scenes (23min) das geht dann schon nochmal etwas tiefer als das Making Of, hätte man aber vielleicht auch alles zusammen in eine umfassendere Doku packen können, Special Effects (4:30) ein kurzer Einblick in die Effektarbeit und wie immer ist das sehr ernüchternd, wie viel getrickst wird auch bei Sujets bei denen man sich eigentlich erwartet dass hier einfach nur gekonnt gefilmt wurde, was leider meist nicht so ist, Musik (4min) kurzes Treatment des exzellenten Soundtracks im Film, leider kommt hier niemand zu Wort oder sonst was, sehr schade eigentlich, außer ein paar Fotos aus dem Studio ist hier nix zu sehen, Artworks (2:20min) eine Slideshow aus Fotos, Konzeptzeichnungen, Filmpostern usw., Storyboard (1:30min) ein paar Auszüge aus den Storyboards zum Film, Drehbuch (0:50min) uninteressante kleine Slideshow mit Fotos vom Drehbuch, und letztendlich noch Trailer Deutsch, Trailer Spanisch und eine Trailershow anderer Filme.

La Isla Minima - Mörderland BluRay

Die Qualität des Bildes ist sehr gut. Der Film ist ja auch ingesamt umwerfend, visuell gesehen. Farbenprächtige Vogelperspektiven wechseln sich mit den drögen Eindrücken des ländlichen Andalusiens ab. Beklemmende Atmosphäre oder regnerische Felder, es sieht alles sehr klasse aus. Die BluRay zeigt hier echt was sie kann, wenn man auch bei Nahaufnahmen teilweise noch einen  Tick mehr Schärfe erwartet hätte, aber es soll ja auch alles in diesem etwas faden 80er Look daher kommen.

Insgesamt kann La Isla Minima auf ganzer Linie punkten, auch wenn die Conclusio vielleicht ein wenig von der Stange wirkt, und auch ein wenig anti-klimaktisch. Der Film zeigt wunderschöne Bilder, zieht den Zuschauer in den Bann und kann aber trotz der Thematik auch unterhalten. Es ist ein Beispiel für das neue spanische Kino jenseits des Absurden, wie man es z.B. von Alex de la Iglesia erwarten würde. Einen Hauch überproduziert, bestimmt ein wenig zu viel digitale Nachbearbeitung (aber das ist überall so, da braucht man sich keine Illusionen machen) und – ich hüpfe – leider ein paar kleine Schwächen beim Ton, ansonsten kann man auch die BluRay sehr empfehlen. Eine visuelle Wucht ist das Produkt, wenn auch die vielen Extras nach etwas mehr klingen als sie in der Substanz dann sind, ein Audiokommentar wäre zum Beispiel noch interessant gewesen. Der Film ist sehr empfehlenswert, wenn man sich auch nicht übermäßig viel erwarten sollte, er ist trotz allen Kontexts konventionell.

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Die BluRay wurde uns freundlicherweise von Koch Media zur Verfügung gestllt.

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info und FuriousCinema.com

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Eine Antwort

  1. 14. Oktober 2017

    […] unseren Ritt durch das neuere spanische Kino fort. Auf dem Cover steht von den Machern von Mörderland, aber wer das sein soll weiß ich nicht, vielleicht ist damit nur die Produktionsfirma […]