Li Feng, die einarmige Schwertkämpferin / Nu du bei dao

Li Feng, bekannt als „die Töterin“, wird von Räubern gefürchtet und von ihren Feinden gehasst. Immer wieder trachten ihr die Gegner nach dem Leben. Eines Tages wird sie von der Bande des Li Te Lin im Wald überfallen und in einen Kampf verwickelt, den sie für sich gewinnt. Plötzlich begegnet ihr ein alter Mann, der ihr hinterrücks mit einem vergifteten Schwert den linken Arm verletzt. Um durch das Gift nicht zu sterben, lässt Li Feng ihren Arm abtrennen. Als auch Chen Feng Pei, der sie gesundpflegt und geschützt hat, Opfer der Banden wird, nimmt Li Feng das Schwert wieder in die Hand und begibt sich auf die Jagd…

Wenn das Publikum zum ersten Mal auf die Heldin Li Feng (Ching Ching Chang) stößt, übertrifft die Anzahl ihrer funktionierenden Gliedmaßen tatsächlich die Zahl eins – erst nachdem ihr linker Arm durch eine Klinge vergiftet wurde, wird der Titel wahr. Li Feng wird durch den mysteriösen, maskierten schwarzen Drachen vorm Tod gerettet, allerdings auf Kosten ihres infizierten Arms. Li will sowohl den Drachen finden (um sich bei ihm zu bedanken), als auch den Banditen, der für ihren Mangel an Gliedmaßen verantwortlich ist. Sie trifft zuerst auf den Drachen und hat schließlich einen One-Night-Stand mit ihm, um am nächsten Tag rücksichtslos fallengelassen zu werden (er unterstellt ihr, mehr oder weniger, eine Hure zu sein und gibt ihr eine Perle als Bezahlung, die sie mit bloßen Händen zermalmt).

Sie schwört Rache an dem Mann, der ihre Keuschheit genommen hat und beginnt deshalb jedem nachzujagen, der mit dessen markantem Hut und Umhang (der aussieht wie ein schwarzer Imker mit Schwertern) durch die Landschaft wandert. Es stellt sich heraus, dass es sich dabei um eine überraschend große Menge von Menschen handelt, die nur zu der Anzahl derer beiträgt, die bereits einen Groll gegen Li hegen. Zugegeben, in diesem Fall kann man ihre Gründe für Klage nachvollziehen, da sie nicht viel mehr als eine unglückliche Wahl der Kleidung getroffen haben. Nun stellt sich noch zusätzlich heraus, dass Lis Wunsch nach Rache stark fehl am Platz ist, da ihr Verführer nur vorgab der Schwarze Drache zu sein, um ihr Vertrauen gewinnen zu können. Dieser Film aus dem Jahr 1972 kam fünf Jahre nachdem Jimmy Wang Yu den männlichen Vorgänger von Li Feng in Chang Chehs wegweisendem Hong Kong Film One-Armed Swordsman (Das goldene Schwert des Königstigers, 1967) gespielt hatte, der ein neues blutiges Genre von Kampfkunstfilmen geschaffen hat, das von Antihelden bevölkert wird.

Ein direkterer Vorfahr scheint hier jedoch wahrscheinlich die japanische Serie zu sein, zu der auch Lady Sazen Drenched Shallow Sword (One-Eyed, One-Armed Swordswoman) von 1969 gehört. Dort hat die Protagonistin auch in der Augenabteilung nur 50% zu bieten. [Obwohl der Charakter der behinderten Kriegerin noch weiter zurückreicht, vielleicht bis 1937 mit Onna Sazen, gespielt von Hara Komako] Als solches gibt es nicht viel Neues, doch die Idee, dass die Heldin einen Großteil des Films auf der Suche nach Rache an unschuldigen Parteien verbringt, weiß zu gefallen. Chang erledigt trotz des Armmangels einen anständigen Job, um sich selbst zu verteidigen, auch wenn sich das Überangebot an Trampolinarbeit während der Actionszenen enttäuschend gestaltet, insbesondere angesichts ihrer gelegentlich beeindruckenden Fähigkeiten. Irgendwann sieht es so aus, als würde der Schwarze Drache den Tag retten. Das passiert allerdings doch nicht ganz so wie vermutet und Li muss nicht nur gegen den Hauptschurken, sondern auch gegen dessen Kumpels und ihre Speere (die Säure versprühen) alleine kämpfen. Die Speere stellen nicht ganz genau das dar, was man als traditionelle Kampfkunstwaffe bezeichnen würde – tatsächlich scheint es wahrscheinlicher zu sein, dass sie sich aus einem 60er Jahre 007 Knock-off verirrt haben – doch das kann man noch knapp durchgehen lassen. Gleiches gilt für den gesamten Film.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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