Lone Wolf & Cub 1: Das Schwert der Rache – Kozure Ôkami: Kowokashi udekashi

Lone Wolf & Cub

Japan im 17. Jahrhundert. Wenige Jahre nach den Klankriegen hat das Tokugawa-Shogunat das Land mit eiserner Hand unter sich vereint. Dies ist die Zeit, in der Legenden geboren wurden. Itto Ogami, der oberste Scharfrichter des Shoguns, erwartet die Häscher seines Herrn in weißer Trauertracht. Doch anstatt dem Befehl des Shoguns zum Selbstmord Folge zu leisten, tut er das Unfassbare: Er flieht mit seinem Sohn Daigoro um Rache zu nehmen am Klan der Yagyu, die seine Frau getötet und ihn um die Gunst des Shoguns gebracht haben. Ogami wird zu Okami, dem einsamen Wolf, und betritt mit seinem Sohn den blutigen Weg der Rache, auf dem ihn nur seine überlegene Schwertkunst am Leben hält. (Rapid Eye)

Lone Wolf & Cub

Als Anfang der 1970er nach über 8 Millionen verkauften Exemplaren und zwei Neuauflagen innerhalb kürzester Zeit klar war, dass die Mangaserie Lone Wolf and Cub die Comicwelt Japans im Sturm erobert hatte, verlor die Filmindustrie keine Zeit, an diesem Publikumserfolg teilzuhaben. Der Autor der Serie, Kazuo Koike, wurde für das Drehbuch verpflichtet und Kenji Misumi, der bereits mit seinen Zatoichi-Filmen Aufsehen erregte, übernahm die Regie. Zunächst sollte der Zatoichi – Darsteller Shintaro Katsu die Rolle des Itto Ogami übernehmen, doch er entschied sich, als Produzent im Hintergrund zu bleiben. Vor die Kamera trat schließlich Katsus Bruder, Tomisaburo Wakayama. Er prägte diese Rolle so stark, dass später der Itto Ogami auf den Covern der amerikanischen Comicausgabe seine Züge aufweisen sollte. Diese sechsteilige Filmserie wurde, wie die meisten japanischen Chambara-Serien (blutige Schwertkämpferfilme wie Zatoichi) in einem Guss mit einem weitgehend gleichbleibenden Team produziert und kam in Japan in den Jahren 1972-1974 in die Kinos. Außerhalb Japans sollte die Geschichte von Lone Wolf and Cub zunächst durch die Fernsehserie Kozure Okami, die auch im deutschen Fernsehen gezeigt wurde, und Robert Houstons Zusammenschnitt der ersten beiden Teile der Filmserie, Shogun Assassin, bekannt werden. Aber nicht ohne Grund gilt die vorliegende Umsetzung des Lone Wolf and Cub – Stoffes als Meilenstein des Chambaragenres: In ihrer Bildsprache des Bluts und ihrem präzisen Timing der Schwertkämpfe begeistert und beeinflusst diese Serie Fans und Filmschaffende, wie auch Quentin Tarantino, bis heute.

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500 Goldstücke kostet sein Schwert – aber kein Geld der Welt kann seine Ehre kaufen! Itto Ogami ist der oberste Scharfrichter und Auftragsmörder des Shogun, ein Meister des Schwertes, auf dessen Dienste man nur in besonderen Fällen zurückgreift. Ogami wird das Opfer einer Intrige des Yagyu-Clans, der seine gesamte Familie ausrotten lässt – nur sein kleiner Sohn Diagoro überlebt das Massaker. Er flieht mit ihm und wird zu OKAMI, zum einsamen Wolf, der nur über sein Schwert verfügt und über die Meisterschaft, mit der er es führt. Das ist der Auftakt der legendären, sechsteiligen Saga voller Gewalt und Schönheit, verfilmt nach dem Kult-Manga Lone Wolf & Cub von Kazuo KoikeDie Action-Sequenzen sind fantastisch und visuell fesselnd gestaltet worden, während sich das Spiel mit dem Schwert lebhaft und einfallsreich entfaltet. Viele dieser Szenen sind blutig und brutal, allerdnigs nicht so blutig wie in einigen der späteren Streifen. Lone Wolf & Cub: Das Schwert der Rache (1972) bringt den visuellen Stil der Samurai-Schwertkämpfe aus den Comics wunderbar rüber; die Kameraarbeit ist bei den Action-Szenen frei fließend und boomt mit anmutigen Bewegungen. Der Film kombiniert die Hintergrundgeschichten der Volumes eins und sechs der Lone Wolf & Cub Manga-Reihe: Der Prolog und die erste Rückblende sind aus Volume sechs und die zweite Rückblende später im Film ist aus dem ersten Band. Diese Szenen sind in den meisten Fällen getreu der Originalquelle gefilmt worden.

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Der Dialog weicht jedoch leicht von den Vorlagen ab: Die erste Rückblende, in der Itto von den Yagyu verraten wird, füllt den Bildschirm mit einer Flut von menschlichen Emotionen. Sie zeigt auf, dass die Beziehung zwischen Ogami und seiner Frau von Fürsorge und Zärtlichkeit geprägt war. Der Moment, als Azami ein letztes Mal das Gesicht ihres Sohnes berührt bevor sie stirbt, ist sehr traurig. Dies ist eine der wenigen Gelegenheiten in Film und Serie, zu denen der an den Bushido-Kodex gebundene Mann sehr emotional zu erleben ist. Lone Wolf & Cub: Das Schwert der Rache ist nicht so glatt oder technisch geschmeidig wie die Samurai-Filme von Akira Kurosawa und teilt auch nicht Kurosawas Auge für das Spektakel. Außerdem sind Akiras Samurai-Epen mit sorgfältigerer Charackterentwicklung ausgestattet. Die Denkweisen und die Überzeugungen der Samurai werden hier mit einem authentischen Blick auf die Epoche der Shogunate etwas besser konstituiert. Trotzdem hat der „Einsame Wolf“ selbstverständlich seine ganz eigenen Qualitäten. Die Szene, in der Itto seinem Sohn die Wahl zwischen der Kugel oder dem Schwert überlässt ist zum Beispiel sehr intensiv, spannend und begründet Ittos sowie Daigoros Bund als Lone Wolf & Cub. Diese Entscheidung Daigoro zuzumuten ist gleichzeitig grausam und mitfühlend. Als Daigoro das Schwert berührt wird damit sein Weg fatalistisch und schlimmer als der Tod. Dies ist ein weiterer, selten ergreifender Moment für Okami, da er seinen Sohn liebt und weiss, dass ihr gemeinsamer Weg nun von Einsamkeit und Tragödie geprägt sein wird.

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Ittos Liebesszene mit der Prostituierten ist sogar erotisch aber auch nicht allzu explizit und bleibt die einzige Liebesszene, die er während der gesamten Lone Wolf & Cub Reihe erleben darf. Sie zeigt, dass Itto das Gefühl der Schande zugunsten des Mädchens überkommt, um die Ausgestoßene retten zu können. Ansonsten wird Itto genauso wie die Entwicklung der Handlung von Lone Wolf & Cub: Das Schwert der Rache vom Rachemotiv beherrscht. Das Thema wird in der gleichen Weise wie in vielen italienischen Western entwickelt, was den Film wie einen japanischen Spaghetti-Western anmuten lässt. Ehre und Rache sind, nach Daigoro, die beiden wichtigsten Dinge für Itto. Die finale Konfrontation baut sich dann mit einer enormen Spannung auf und weiß mit äußerst ansprechendem „Schwert-Spiel“ sowie einigen blutigen Augenblicken zu überzeugen. Die Kamera, der Schnitt und die Requisite sind erstklassig. Tomisaburo Wakayama war aufgrund seiner körperlichen Ähnlichkeit die perfekte Besetzung für die Rolle des Itto Ogami. Akihiro Tomikawa spielt den niedlichen Daigoro Ogami. Der Gewaltgrad befindet sich hier auf der Ebene der Streetfighter-Filme. Uneingeschränkt empfehlenswert!

Rapid Eye Movies bringt den Film im Rahmen ihres Lone Wolf & Cub 3 Disc-Blu-ray-BOX-SETs als Digipack im Schuber heraus und hat damit gute Arbeit geleistet. Die Bildqualität ist zwar nicht ständig auf allerhöchstem Niveau, doch insgesamt kann man mit der Veröffentlichung mehr als zufrieden sein.

Lone Wolf & Cub

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Lone Wolf & Cub

Japan, 1972
Regie: Kenji MISUMI
Hauptdarsteller: Tomisaburo WAKAYAMA, Fumio WATANABE, Tomoko MAYAMA, Shigeru TSUYUGUCHI, Tomo UCHIDA, Taketoshi NAITO, Yoshi KATO
Produktionsfirma: Katsu Production Co. Ltd.

LONE WOLF & CUB Blu-ray-BOX-SET
– Digipack im Schuber
– 3 Blu-ray Discs, ca. 537 Min. ab 18
– Sprache/Ton: Japanisch (Mono)
– Untertitel: Deutsch (opt.)
– Bildformat: 16:9 – 2.35:1
– Extras: Booklet

 Diese BluRay sowie das Bildmaterial wurde uns freundlicherweise von Rapid Eye Movies zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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