Rasputin – Der wahnsinnige Mönch

Im Russland der ersten Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts liegt die Frau eines Gastwirts im Sterben: Sie hat das Fieber und der behandelnde Arzt behauptet, dass er nichts für sie tun kann. Als sich ihr Mann und ihre Kinder an ihrem Bett versammeln, ist die Stimmung unter den Kunden im Erdgeschoss gedämpft. Wenn Rasputin (Christopher Lee) hereinpoltert und ein oder zwei Flaschen Wein verlangt, wird er von ihnen ermahnt leise zu sein. Rasputin erkennt schnell warum es in der Gaststätte so still zugeht, stürzt die Treppe hinauf ins Schlafzimmer der Kranken, wo er ankündigt, er könne die Patientin retten – er legt ihr seine Hände auf, um die Krankheit aus ihrem Körper zu ziehen.

Es ist wohl unnötig zu erwähnen, dass Hammers Version von Rasputin (GCDb) nicht die historisch akkurateste ist und hinsichtlich dessen kein großes Epos darstellt. Außerdem wurde der Film beinahe ausschließlich im Studio gedreht, doch einen großen Vorteil hatte die Produktion mit der Starqualität seines Hauptdarstellers. Um auf die Dracula-Vergleiche zurückzugreifen, wurde nicht nur der sogenannte Wahnsinnige Mönch von Lee gespielt, sondern es wurden auch die gleichen Ressourcen (Schauspieler, Sets, usw.) wie bei der jüngsten Adaption des Blutsaugers, Blut für Dracula, zum Einsatz gebracht. Die Ähnlichkeiten sind für diejenigen, die diese sehen wollen, offensichtlich.

Lees Entschlossenheit, so viel wie möglich über die wirkliche historische Figur herauszufinden, um damit seine Darstellung zu begründen, sollte sich auszahlen. Außerdem hatte er als Junge tatsächlich die Attentäter des Schurken kennengelernt, einer von vielen Vorfällen in seinem reichen und erfüllten Leben, die mit seiner Arbeit in Verbindung stehen würden. Daher bedeutete es ihm offensichtlich sehr viel, diese Rolle zu übernehmen. Man kann mit Sicherheit sagen, dass er sich hundert Prozent in die Figur hineinwarf, mit großen, starren Augen, schrill bellender Stimme und übermäßigem Genuss sinnlicher Vergnüglichkeiten. Diese Darstellung führt jedoch dazu, dass sich ein merkwürdiges Mitgefühl für die russische Königsfamilie einstellt. Etwas, das von den zeitgenössischen Beobachtern oder der tatsächlichen Historie nicht geteilt wurde, doch hier sind die, die wir zu sehen bekommen – der Zar ist seltsamerweise ausgeschlossen – anscheinend vollkommen anständig.

Rasputin erschleicht sich seinen Weg in den inneren Kreis der Königsfamilie durch die Hofdame Sonia, die von Barbara Shelley in einer weiteren Horrorrolle gespielt wird, in der ihre Figur unter den unwiderstehlichen Einfluss des Bösen gerät – genau wie in diesem Dracula Film, in dem sie zuvor zu sehen gewesen war. Da es sich hier um einen Hammer Film handelt, erfand und betonte man natürlich eine schauerliche Atmosphäre für die Erzählung, weswegen man schon mal abgeschnittene Hände, Säure im Gesicht und blutigen Selbstmord zu sehen bekommt, so als wäre das Studio besorgt gewesen, eine weniger aufsehenerregende Version der Ereignisse hätte das Projekt finanziell scheitern lassen.

Nachdem sich Rasputin im königlichen Hof eingenistet hat, beginnt er damit die Royals um seinen kleinen Finger zu wickeln. Doch nicht alles läuft für ihn so wie gewünscht, denn es gibt Pläne für seine Ermordung, als er sich zu Hofe immer mehr Feinde macht, wie zum Beispiel Sonias Bruder Dinsdale Landen, der überhaupt nicht mag was mit seiner Schwester geschieht. Der Film nimmt sich viel zu ernst für das, was eigentlich grelles und reißerisch aufgemachtes Material darstellt (und dabei handelt es sich nicht nur um die zunehmend hellen Outfits von Sir Christopher), sodass er dazu neigt, die Stimmung zu drosseln, indem er nicht in Boshaftigkeit schwelgt, sondern eine Dosis moralischer Pein präsentiert.

Rasputin erscheint als Mediabook sowie als Softbox im Hause Anolis Entertainment, wobei man dem Label zu dieser gelungenen Veröffentlichung wiedereinmal gratulieren kann. Die Scheibe weiss nicht nur auf technischem Gebiet zu überzeugen, sondern hat wie immer auch wieder Einiges an interessanten Extras zu bieten. Das Bild wird in High Definition Widescreen (16:9; 2.35:1) 1920x1080p präsentiert und sieht wunderbar aus. Bei der Qualität der beiden angebotenen Tonspuren (Deutsch und Englisch DTS HD-MA 2.0 Mono) gibt es ebenfalls keine Beschwerde anzumelden. Wer den Film in der Originalsprache anschauen möchte, dem Englischen aber nicht mächtig ist, hat die Möglichkeit deutsche Untertitel zuzuschalten. Neben den drei Audiokommentaren mit Christopher Lee, Barbara Shelley, Francis Matthews, Suzan Farmer / mit Dr. Rolf Giesen und Volker Naumann / mit Uwe Sommerlad und Volker Kronz, die wie gewohnt sehr informativ sind, kann man sich zusätzlich die Featurettes Tall Stories – The Making of Rasputin The Mad Monk und Hammer Novelisations – Vom Film zum Buch anschauen. Weiterhin halten die Extras einen US-Double Feature Trailer, einen britischen Kinotrailer und eine Bildergalerie bereit. Außerdem kann man sich die Filmversion im Originalformat von 2.55:1 anschauen. Das 28-seitige Booklet, geschrieben von Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad ist exklusiv nur im Mediabook enthalten und liegt zu einer Beurteilung leider nicht vor. Wir bedanken uns für die tolle Veröffentlichung eines in der Vergangenheit zu Unrecht geschmähten Films und freuen uns bereits auf viele weitere „Gruselfilme“ aus dem Hause Hammer beziehungsweise Anolis!

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Darsteller: Suzan Farmer, Francis Matthews, Barbara Shelley, Christopher Lee, Alan Rickman
Regisseur(e): Uli Edel, Don Sharp
Format: Limited Edition, Widescreen
Untertitel: Deutsch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 2.35:1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Anolis Entertainment
Produktionsjahr: 1966
Spieldauer: 92 Minuten

Diese Edition sowie das Bildmaterial wurde uns freundlicherweise von Anolis Entertainment zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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