Seminole

Seminole (deutscher Titel: Seminola) ist ein Western von Budd Boetticher aus dem Jahr 1953 mit Rock Hudson, Lee Marvin, Anthony Quinn, Barbara Hale und Richard Carlson.

Der Film handelt von Leutnant Caldwell (Hudson) der 1835 vor dem Kriegsgericht zu seiner Verteidigung erzählt, wie der Konflikt zwischen der US Armee und dem Volk der Seminolen eskalierte. Die Indianer und die eindringenden Siedler geraten immer wieder aneinander. Der neue Kommandeur von Fort King, Major Degan (Carlson), setzt auf eine Politik der harten Hand, und verspricht, die Eingeboren kurzerhand zu vernichten wenn sie nicht in die versprochenen Reservate umziehen. Als der neue Leutnant Caldwell dorthin versetzt wird, seine alte Heimat, geraten er und der Major schnell aneinander. Als seine alte Jugendliebe Revere (Hale) auch noch den Häuptling Osceola (Quinn) heimlich trifft, wird Caldwell widerwillig in einen bewaffneten Konflikt hineingezogen gegen einen Indianerstammt, mit dem er denkt, eine friedliche Lösung finden zu können. Als Osceola zum Gespräch ins Fort kommt, wird er verhaftet, und stirbt in seiner Zelle. Caldwell wird fälschlicherweise deshalb angeklagt. Dann kommt die Wahrheit raus….

Untermalt von der routinierten Musik aus der Feder von Joseph Gershenson (der alte Haudege), marschiert dieser Film vor sich hin. Er mischt ein Militärdrama mit einem Indianer-Abenteuer, eine Prise Liebesgeschichte, eine Prise Bruderkonflikt und eine Prise Politik. Als Geschichtsstunde dient der Film jedoch freilich nicht. Er reduziert diese Episode des Völkermordes auf einen simplen Verhandlungskonflikt, und mit der Darstellung des Seminolenhäuptlings (der halb-Waliser oder Ire war) durch den nicht sehr glaubwürdig wirkenden Anthony Quinn, und die billigen Kulissen, wirkt der Film dann auch nicht im Ansatz authentisch.

Die Außenszenen sehen ein wenig so aus, als hätte man sie im Zoo von San Diego gedreht. Ein armseliger Ersatz für die Sümpfe und Urwälder Floridas des 19. Jahrhunderts, aber das war wohl das Ausmaß der Vorstellungskraft der Studiobosse damals. Boetticher schuf aller Kritikpunkte zum Trotz einen unterhaltsamen, auch spannenden, gut erzählten Film – der jedoch an der Naivität seiner Zeit krankt und daher unglaublich schlecht gealtert ist.

Rock Hudson, hier in seinen jungen Jahren, spielt glaubwürdig den jungen Soldaten der eigentlich besser als der Vorgesetzte versteht, was eigentlich geschieht. Es ist die alte Laier von komplizierter Diplomatie versus simpler Zerstörung. Letztlich setzt sich der Kommandeur durch, aber durch einen Rückanal bekommt die Diplomatie eine Chance. Sie scheitert an Bösewichten auf beiden Seiten. Mitten drin, als neutraler, guter, die „restlichen 99%“ des Militärs repräsentierende Sgt. Magruder (Lee Marvin), der den jungen Leutnant versteht, aber dem Major treu ist. Soweit dazu.

Ein paar blau uniformierte Jungs in lustigen Hüten, die im Sumpf verzweifelt versuchen, eine Kanone durch den Wald zu ziehen. Sie sterben im Pfeilhagel, angetrieben vom Größenwahn eines Kommandeurs. Auf der anderen Seite der Konflikt zwischen den Traditionalisten und den progressiven. Die einen glauben gar nicht an den Verhandlungswillen des weißen Mannes und wollen kämpfen, die anderen sehen darin ihren Untergang und wollen es zumindest versuchen. Was sich rückwirkend gut einschätzen lässt muss damals abstruse Debatten hervorgebracht haben. Durchsetzen konnten sich nur starke Führungspersönlichkeiten, deren Glaubwürdigkeit immer sofort am Ende war, wenn die US Armee mal wieder ihr Versprechen gebrochen hat. Ein Teufelskreis.

Die BluRay aus der Classic Western in HD Reihe von Koch Media bringt den Film in Vollbild und Farbe. Zur Auswahl steht eine englische und die deutsche Tonspur, Untertitel gibt es hier leider keine. An Extras sind nur der US Trailer und eine Bildergalerie mit an Bord. Das Bild ist vertretbar, aber zeigt sein Alter sehr deutlich. Blasse Farben, wenig Schärfe, man hat sicher rausgeholt was ging, und für das Nachmittags-Heimkino reicht es. Ähnlich beim Ton, es rauscht und krächzt, aber reicht völlig aus, ist verständlich und halbwegs Pegelfest.

Insgesamt ist Seminole ein unterhaltsamer Westernklassiker mit einigen guten Performances und einer auch heute noch mitreissenden Geschichte. Ausblenden muss man die etwas billige Machart und eine naive Sicht auf historische Genauigkeit. Dann kann man hier aber Spaß mit haben. Für Fans definitiv einen Blick wert.

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Die BluRay wurde uns freundlicherweise von Koch Media zur Verfügung gestellt. Es waren wie so oft keine ganz guten Bilder vom Film zu finden für diesen Artikel, man möge mir die Auswahl verzeihen.

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Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info, TripleFeatureFoundation.org und FuriousCinema.com

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