Sieben Tote in den Augen der Katze / La morte negli occhi del gatto

Die junge, hübsche Corringa (Jane Birkin), ihres teuren Internats verwiesen, reist zum Schloss ihrer Ahnen nach Schottland, um dort ihre Tante Mary (Francoise Christophe) und ihre Mutter zu besuchen. Noch ahnt die junge Frau nicht, dass der Landsitz von einem finsteren Serienkiller heimgesucht wird. Die einzige, stumme Zeugin der sieben Morde ist eine scheinbar harmlose Siamkatze. Werden die Überlebenden ihrem blutigen Schicksal entkommen können..? (Alive!)

Sieben Tote in den Augen der Katze stellt so etwas wie einen Rückschritt dar. In vielerlei Hinsicht befindet sich der Streifen in Ton und Geist näher an den grellen und farbenfrohen italienischen Gothic-Horror-Filmen der 60er Jahre, bei denen Regisseur Antonio Margheriti so etwas wie ein Spezialist war. Mit seiner Epoche, den von Kerzen beleuchteten Korridoren, den zwielichtigen „roten Heringen“ und dem Herumlaufen eines Statisten in einem von Motten zerfressenen Gorilla-Kostüm fühlt sich das Ganze wie ein viel älterer Film an, als er wirklich ist. Die Geschichte basiert angeblich auf einem Roman von Peter Bryan, was jedoch recht unwahrscheinlich zu sein scheint. Obwohl es einen Kameramann mit diesem Namen gab, der zum Drehbuchautor umschulte und in der britischen Filmindustrie arbeitete (er schrieb für Hammer die Drehbücher zu Der Hund von Baskerville, 1959 und Nächte des Grauens, 1966), schien er doch keine Romane geschrieben zu haben.

Es könnte sogar sein, dass der Name einfach nur erfunden wurde, um dem Film ein literarisches Gütesiegel zu verleihen. In vielerlei Hinsicht repräsentiert der Streifen einen typischen „Old Dark House“ – Thriller, wie er in den 20er Jahren mit dem Erfolg von Bühnenstücken (und nachfolgenden Filmversionen) wie The Bat / The Bat Whispers (1920 / 1930), geschrieben von Mary Roberts Rinehart und Avery Hopwood sowie John Willards The Cat and the Canary (1922 / Spuk im Schloss, 1927 / Erbschaft um Mitternacht, 1939 / Die Katze und der Kanarienvogel, 1978) populär wurde. Es gibt geheime Tafelbilder, wogende Vorhänge und unterirdische Katakomben in Hülle und Fülle zu bestaunen. Glücklicherweise präsentierte sich Regisseur Antonio Margheriti trotz des angestaubten Charakters des Drehbuchs in äußerst guter Form. Während sein erster Giallo, Nude… si muore (1968), unter einer flachen, fast nachlässigen Herangehensweise litt, wurde dieser mit großartigem Stil inszeniert.

Carlo Carlinis Breitbild-Farbfotografie ist prächtig anzusehen. Die allererste Einstellung – ein mit Blut bespritzter Bettpfosten, der mit Spinnweben bedeckt ist – bringt die Dinge auf die richtige Art und Weise in Gang, wobei Margheriti und Carlini dank einiger Buntglasfenster und Lampen mit bunten Schirmen viel Kreativität in Bezug auf Farbe an den Tag legen. Margheritis Tendenz, Szenen in langen Master-Einstellungen abzudecken, ist bei mobiler sowie auch flüssigerer Kameraführung nicht sehr offensichtlich. Man kann nicht anders, als das Gefühl zu bekommen, dass das gotische Ambiente seine Fantasie anregte, was zu seinem einzigen wirklich engagierten Beitrag zum filone führte. Die Produktionswerte sind insgesamt als recht gut zu bezeichnen. Die Settings sind attraktiv gestaltet und gut verkleidet, während die Kinematographie durchweg als Blickfang zu beschreiben ist. Riz Ortolanis Soundtrack besteht einfach aus einer Wiederholung von Cues, die für Margheritis La vergine di Norimberga (Das Schloss des Grauens, 1963), Danza macabra (Castle of Blood, 1964) und Nella stretta morsa del ragno (Dracula im Schloß des Schreckens, 1970) geschrieben wurden, allerdings trägt die Musik trotzdem zur allgemeinen Atmosphäre altmodischer Nostalgie bei.

Die Besetzung befindet sich sicherlich auf der eklektischen Seite. Hauptdarstellerin Jane Birkin macht eine besonders gute Figur als gefährdete Corringa, eine Cousine, die sich einen denkbar schlechten Zeitpunkt für einen Besuch im Ahnenschloss ausgesucht hat. Es handelt sich dabei um keine besonders tiefgehende Rolle, doch Birkin spielt sie auf äußerst sympathische und ansprechende Art und Weise. 1946 in London geboren, wurde sie durch ihren Auftritt in Michelangelo Antonionis Blow Up (1966) bekannt, in dem sie und Gillian Hills in einer Nacktszene zu sehen sind, die damals als ziemlich skandalös galt. Birkin heiratete 1965 den Oscar prämierten Komponisten John Barry. Die Ehe wurde jedoch 1968 aufgelöst und sie interessierte sich anschließend für den französischen Musiker Serge Gainsbourg. Die beiden würden viele Jahre lang Partner sein, wobei ihr Bund zur Geburt einer Tochter führte, Charlotte Gainsbourg, die später selbst Schauspielerin wurde und in 21 Gramm (2003) und den umstrittenen Lars von Trier Filmen Antichrist (2009) sowie dem zweiteiligen Nymphomaniac (2013) auftrat.

Birkin war in Filmen von unterschiedlichster Herkunft zu sehen und ist bis heute aktiv. Sieben Tote in den Augen der Katze stellt sich als ihr einziger Giallo-Auftritt heraus. Ihr Geliebter, Serge Gainsbourg, ist zur Stelle, um den ziemlich schläfrig aussehenden Polizeiinspektor zu spielen, wobei seine Anwesenheit extrem nach Stunt-Casting stinkt. Gainsbourg interessiert sich nicht für die Rolle, während seine Szenen rar gesät sind. Er wurde 1928 in Paris geboren und war ein Mann mit vielen Talenten: Sänger, Songwriter, Musiker, Filmmusikkomponist, Schauspieler, Regisseur, Schriftsteller usw. Er hatte eine lange und produktive Karriere, seine späteren Jahre waren jedoch von unberechenbarem Verhalten aufgrund Alkoholmissbrauchs geprägt. Er starb 1991 an einem Herzinfarkt. Zu den Nebendarstellern gehört der großartige Anton Diffring (Agenten sterben einsam, Die Bestie mit dem feurigen Atem, Hexen geschändet und zu Tode gequält), der seine übliche eisige Professionalität in die Rolle des Hausarztes einbringt, der möglicherweise auf eine falsche Fährte führen soll oder auch nicht. Bekannte Giallo-Gesichter wie Luciano Pigozzi als Angus, Venantino Venantini als Father Robertson und Franco Ressel als ein weiterer Priester sind genauso mit von der Partie, wie die deutsche Schauspielerin Doris Kunstmann als Susanne (Trotta – Die Kapuzinergruft, Alle Menschen werden Brüder, Hitler – Die letzten zehn Tage), die eine gewohnt gute Figur abgibt.

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  • Darsteller: Jane Birkin, Hiram Keller, Françoise Christophe
  • Regisseur(e): Anthony M. Dawson
  • Format: Dolby, PAL, Breitbild
  • Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)
  • Region: Region 2
  • Bildseitenformat: 16:9 – 2.35:1
  • Anzahl Disks: 1
  • FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
  • Studio: Alive – Vertrieb und Marketing/DVD
  • Produktionsjahr: 1973
  • Spieldauer: 90 Minuten

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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2 Antworten

  1. 19. Juni 2020

    […] anderen, kitschigeren Horrorfilme im Comicstil – wie zum Beispiel La morte negli occhi del gatto (Sieben Tote in den Augen der Katze, 1973), La vergine di Norimberga (Das Schloss des Grauens, 1963) oder I lunghi capelli della morte […]

  2. 3. Juli 2020

    […] chiave (Your Vice Is a Locked Room and Only I Have the Key, 1972), La morte negli occhi del gatto (Sieben Tote in den Augen der Katze, 1973), Il profumo della signora in nero (The Perfume of the Lady in Black, 1974), Spasmo (1974), […]

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