Sirene I – Mission im Abgrund / The Rift

Das Forschungs-U-Boot „Sirene 1“ ist in den Tiefen des Atlantiks, nahe dem gefürchteten „Dannekin-Graben“, spurlos verschwunden. Die Besatzung der „Sirene 2“ enthält den Auftrag, das Unglücksgebiet zu untersuchen. Doch was der eigensinnige Architekt Vick (Jack Scalia), der herrschsüchtige Captain Phillips (R. Lee Ermey) und die aufregend schöne Biologin Nina (Deborah Adair) im Graben vorfinden, lässt ihnen das Blut in den Adern gefrieren: Durch genetische Experimente der „Sirene 1“ wurde in den Tiefen des Meeres ein Monster freigesetzt, das neben sich kein anderes Leben duldet… (Wicked-Vision)

Gerade als man dachte, es sei wieder sicher in Meerwasser Baden gehen zu können, begannen Unterwassermonsterfilme (aus Gründen, die nur kokaingeschwängerten Hollywood-Managern bekannt gewesen sein dürften) gegen Ende der 80er Jahre den Filmmarkt zu überschwemmen. Innerhalb der ersten Hälfte des Jahres 1989 wurde das Publikum mit „big Budget“-Filmen wie Abyss – Abgrund des Todes, Deep Star Six und Leviathan verwöhnt. Auch die Indies versuchten sich auf diese Art und Weise über Wasser halten zu können und brachten Titel wie Evil Below und Lords of the Deep (beide auch 1989) heraus. Natürlich war ein unternehmungslustiger Ausbeuter wie Juan Piquer Simon mehr als glücklich darüber und spendierte den Kinobesuchern im folgenden Jahr Sirene 1 (auch als The Rift bekannt).

Zu Beginn von Sirene 1 wird U-Bootdesigner Wick Hayes (Jack Scalia) von CEO Steensland (Edmund Purdom, in einer Eine-Szene-Rolle) mitgeteilt, dass Sirene 1, Hayes‘ Lieblingsprojekt, das ihm die Regierung einfach weggenommen hat, rund 35.000 Fuß unter dem Meeresspiegel einfach verschwunden ist. Nun wird er gebeten einem NATO-Rettungsteam zur Seite zu stehen, doch Wick will nichts davon wissen, bis er erfährt, dass Mark Massey auch an Bord der Sirene 1 war. Verdammt nochmal, es ist doch jedem bestens bekannt, wie wichtig Mark Massey ist/war, oder!? Aus diesem Grund stimmt er widerwillig zu dem Team beizutreten. An der Spitze dieser Rettungsaktion auf Sirene 2 steht Kapitän Phillips (R. Lee Ermey, der als schroffer Militäroffizier radikal gegen seinen Typ besetzt wurde). Der Rest der Besatzungsmitglieder besteht aus einigen schwedischen Tauchern (mit französischen Akzenten), einem Doktor, der aussieht wie Trapper John, einem Koch (ja, sie haben in dem U-Boot Platz wie in einer Messehalle), dem „schwarzen“ Typen (oder muss man jetzt zwingend Afroamerikaner schreiben?) „Skeets“ (John Toles-Bey, bei dem „Aw, man“ oder „Damn“ in jedem zweiten Satz vorkommt), dem Computerfreak Robbins (Ray Wise) und – hätte man es nicht bereits geahnt – Wicks bald Ex-Ehefrau Nina (Deborah Adair).

Auf dem Weg zum letzten bekannten Aufenthaltsort von Sirene 1 erreicht die Besatzung ein SOS-Notruf, weswegen nun die Region erforscht werden soll, von wo das Signal kommt. In dieser Gegend entdecken sie unerhörtes Pflanzenwachstum (“I could open a sushi bar and retire a millionaire”, bemerkt der Koch). Sven (einer der Taucher) soll die Algen untersuchen (in der einzigen Unterwasserszene des Films) und wird dabei von irgendetwas getötet. Anschließend wird das U-Boot von einem riesigen Kraken oder etwas Ähnlichem angegriffen und beschädigt, doch Wick ist klug und geschickt genug, um das Monster zu verscheuchen sowie das Unterseeboot zu retten. Solche Schrecken würden jeden normalen Menschen sofort zurück an die Meeresoberfläche schicken, doch diese Typen hier repräsentieren hingebungsvolle Filmfiguren, die selbstverständlich weiterhin dem SOS-Signal folgen. Während einer der größten Betrügereien, die jemals in Unterwasserfilmen stattgefunden haben, entdeckt die Crew eine „unter Luftdruck stehende unterirdische Höhle“. Natürlich steigen die entbehrlichen Besatzungsmitglieder hier aus dem U-Boot, um die billigen Sets … ähm … Höhlen zu erkunden. Zu ihrer Überraschung finden sie dort ein eingerichtetes Labor und den Absender des SOS-Signals, der schon längere Zeit verstorben zu sein scheint.

Wick schnappt sich einige Daten-Discs, kurz bevor alle von schleimigen mutierten Kreaturen angegriffen werden, die den unter hohem Druck stehenden Spezialwaffen der Crew nicht gewachsen sind. Zurück auf der Sirene 2 schauen sie sich die Scheiben an und finden heraus, dass die Regierung hier unten genetische Experimente durchgeführt hat. Ja, das habt Ihr richtig gelesen. Die US-Regierung hat sich dafür entschieden ihre riesige DNA-Mutationsmaschine in einer Höhle zu errichten, die sich 35.000 Fuß unter der Wasseroberfläche im Ozean befindet. Einen noch unbequemeren sowie unwirtlicheren Ort gab es wohl nicht!? Was ist nun der wahre Grund, warum die Crew hierher geschickt wurde und wer hat sie hinters Licht geführt? Da der Film nur knapp 79 Minuten lang läuft, kann man Sirene 1 zu keiner Zeit als langweilig bezeichnen. Tatsächlich spielt sich der Streifen wie Abyss – Abgrund des Todes gemischt mit Aliens – Die Rückkehr bei schnellem Vorspulen ab. Das Sub-Drama entwickelt sich zuerst aus der Monsterjagd und später aufgrund des schleimigen Verräters. Natürlich war Simon bewusst, dass er sehr wahrscheinlich nicht mit den großen Budgets im Stile eines James Cameron mithalten kann, also machte er das Naheliegendste – er gestaltete den Flick verrückt, lächerlich, leicht grotesk und blutrünstig.

Jedes Mal, wenn ein Monster „entsorgt“ wird, wird das auf klebrige Art und Weise erledigt, wovon es in der letzten halben Stunde reichlich „zu bestaunen“ gibt. Das Gleiche gilt auch für die Menschen. Als einer der Truppe von einem der Monster infiziert wird, bittet er ein Besatzungsmitglied verzweifelt ihn zu töten, wobei der Bitte nachgekommen wird, indem man ihm den gesamten Kopf wegbläst. Der Film wurde definitiv billig gemacht (jemals ein Sub-Interieur mit Deckenplatten gesehen?), was ihm allerdings einen gewissen Charme verleiht. Die Hauptdarsteller (Jack Scalia, R. Lee Ermey, Ray Wise) verkörpern ihre Rollen ziemlich gut, während sich Simon völlig verweigert in der Kameraabteilung etwas an Einfallsreichtum walten zu lassen. Es handelt sich hier nicht um den schlechtesten Unterwasserfilm aus dieser Zeit (das wäre dann wohl am ehesten Lords of the Deep), weswegen der Streifen auf jeden Fall mindestens einen Blick wert ist, sollte man in der richtigen Stimmung sein. Also, die Art von Stimmung, in der man eine Person akzeptiert, die mutierten Seetang erspäht und ihn dann automatisch berührt oder Jack Scalia – samt ausgefeilter Frisur – , der U-Boote für seinen Lebensunterhalt entwirft, für nicht so weit hergeholt hält. Man stelle nur sicher, dass man sich auf dem Weg zurück an die Oberfläche nicht zu schnell fortbewegt, um mögliche Komplikationen zu vermeiden.

Wicked-Vision veröffentlicht Sirene I – Mission im Abgrund als Nummer 38 ihrer Collector’s Edition im Mediabook (BluRay und DVD), mit drei verschiedenen Cover-Motiven, die jeweils limitiert sind. Bild (1,66:1/1080p) und Ton (Deutsch + Englisch DTS-HD Master Audio 2.0 / Dolby Digital 2.0) bewegen sich auf ziemlich gutem Niveau, da kann man sich nicht beschweren. Deutsche oder englische Untertitel können zugeschaltet werden. Insgesamt handelt es sich bei Sirene I wieder einmal um eine äußerst gelungene Mediabook-Edition mit nettem sowie interessantem Bonusmaterial (vor allem die Interviews), die bei Liebhabern und Freunden von Unterwasserfilmen Filmen und/oder Fans von Jack Scalia, Ray Wise bzw. R. Lee Ermey enorm gut ankommen sollte.

Extras:

  • 24-seitiges Booklet mit einem Essay von Christoph N. Kellerbach
  • Featurette: „Danger Below – Die Effekte von ,Sirene1‘“
  • Featurette: „What Lurks in the Dark?” – Spezialeffekt-Legende Colin Arthur über „Sirene 1“
  • Interview mit Darsteller Ray Wise
  • Interview mit Darsteller Jack Saclia
  • Interview mit Darsteller R. Lee Ermey
  • Deutscher Trailer
  • Originaltrailer
  • Bildergalerie

Beim Wicked-Shop oder bei Amazon bestellen

  • Alterseinstufung : Freigegeben ab 16 Jahren
  • Regisseur : Simon, Juan Piquer
  • Laufzeit : 1 Stunde und 23 Minuten
  • Darsteller : Scalia, Jack, Wise, Ray, Adair, Deborah, Emey, R. Lee, Pouget, Ely
  • Untertitel: : Deutsch, Englisch
  • Studio : Wicked Vision Distribution GmbH

Beim Film-Retro-Shop bestellen

Diese Edition sowie das Bildmaterial wurde uns freundlicherweise von Wicked-Vision zur Verfügung gestellt.

Banner by Mondo Digital

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

Das könnte dich auch interessieren …