Im Rampenlicht des Bösen / The Flesh and Blood Show

Eine Gruppe junger Schauspieler probt in einem alten, halb zerfallenen Theater eines verlassenen Küstenortes das Stück „The Flesh and Blood Show“. Während der Proben wird eine Mitspielerin geköpft aufgefunden, ihre Leiche verschwindet kurz darauf spurlos. Die Polizei tappt im Dunkeln. Nach und nach verschwinden weitere Schauspieler auf geheimnisvolle Weise und tauchen als Leiche wieder auf. Wer ist der Nächste, der dem wahnsinnigen Killer zum Opfer fällt? (Wicked-Vision)

The Flesh and Blood Show wird gelegentlich als Pro-Slasher-Film bezeichnet und hält sicherlich den richtigen Rahmen dafür bereit – Eine Gruppe junger Schauspieler wird angeheuert, um in einem geschlossenen Theater einer Küstenstadt ein ordentliches Stück zusammenzustellen, um den Ort wieder eröffnen zu können. Währenddessen werden sie von einem unsichtbaren Mörder verfolgt. Das klingt doch sehr nach einem möglichen Vorgänger von Michele Soavis Stagefright (Aquarius – Theater des Todes, 1987) oder Jean Pellerins The Clown at Midnight (1998). Die Abstammungsfrage ist jedoch nicht so einfach zu beantworten, da sich The Flesh and Blood Show bis zum letzten Akt nicht richtig wie ein Slasher-Film anfühlt.

Die Schauspieler verbringen eine ganze Menge Zeit damit an ihrer Show zu arbeiten, die sich, soweit man erkennen kann, unerträglich gestaltet, wie eine Version von Oh! Calcutta! (1972), nur ohne Nacktheit. Sie schließen sich zu Gruppen zusammen, verlassen das Theater für eine Weile und reden ziemlich viel. Trotz einigen spannenden Momenten und soliden Stalking-Sequenzen, will sich ein Gefühl von Isolation niemals richtig einstellen, was für einen Slasher-Film als Voraussetzung gesehen werden sollte. Es gestaltet sich für die Besetzung immer viel zu einfach das Theater verlassen zu können (nicht, wie zum Beispiel, im giallo-fantastico L’assassino ha riservato nove poltrone / The Killer Reserved Nine Seats, 1974, in dem die Besucher das bedrohlich wirkende Theater auf mysteriöse Art und Weise nicht verlassen können), wobei Gore und Bodycount nie den Punkt erreichen, der zu dieser Zeit fehl am Platz gewesen wäre. Also handelt es sich hier nicht um einen Streifen im Stile von Im Blutrausch des Satans (1971).

Beim Großteil des Films liegt der Schwerpunkt eher auf Fleisch als auf Blut, was sich nicht allzu überraschend darstellt, da Walker ja aus dem Metier des Sexploitation-Films stammt. Alle jungen Schauspielerinnen haben kein Problem damit sich zu entblößen, sogar wenn es wenig Sinn macht. In der Eröffnungssequenz, beispielsweise, öffnet eine junge Frau mitten in der Nacht die Haustür, ohne sich die Mühe zu machen, einen Morgenmantel oder ähnliches überzustreifen. Um fair zu sein, bekommt man in letzter Minute auch frontale männliche Nacktheit zu sehen, doch zum größten Teil ist die Menge an Fleischbeschau nicht weit von Walkers vorherigem Film, der Sexkomödie Four Dimensions of Greta (Rosemaries Liebesreport in 3 Dimensionen, 1972), entfernt.

Eine andere Sache, die Flesh and Blood mit Four Dimensions gemeinsam hat, ist, dass beide ursprünglich in 3-D gedreht wurden, obwohl sich Im Rampenlicht des Bösen seine dritte Dimension für den von Othello inspirierten Höhepunkt aufspart. The Flesh and Blood Show hat sicherlich seine Momente, wobei Walker einige unterhaltsame Versuche in anspruchsvollem „Kunst“ -Film und -Theater unternimmt, doch bei all den Gesprächen, die die Charaktere führen, wird ihnen nicht wirklich viel Tiefe verliehen, was es manchmal schwierig macht, zwischen ihnen zu unterscheiden. Aufgrund des minimalen Blutvergießens wirkt der Flick eher wie eine auf Erwachsene ausgerichtete Episode von Scooby Doo, als eine kuriose Fußnote in der Geschichte des Slasher-Films, sollte für Fans des britischen Horrors allerdings einen Blick wert sein.

Wicked-Vision veröffentlicht The Flesh and Blood Show als Nummer 03 ihrer Pete Walker Collection im Mediabook (BluRay und DVD), mit drei verschiedenen Cover-Motiven, die jeweils limitiert sind. Bild (1,78:1/1080p) und Ton (Deutsch + Englisch DTS-HD Master Audio 2.0) bewegen sich auf gutem Niveau, da kann man sich nicht beschweren. Deutsche oder englische Untertitel können zugeschaltet werden. Insgesamt handelt es sich bei The Flesh and Blood Show wieder einmal um eine äußerst gelungene Mediabook-Edition mit relativ viel Bonusmaterial, die bei Liebhabern und Freunden von dieser Art von Filmen enorm gut ankommen sollte.

Extras: 24-seitiges Booklet mit einem Text von Dr. Rolf Giesen / Audiokommentar mit Christopher Klaese, Matthias Künnecke und Dr. Gerd Naumann / Interview mit Pete Walker / 3D – Sequenz / Bildergalerie / Trailer.

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  • Actors: Ray Brooks, Jenny Hanley, Robin Askwith, Luan Peters
  • Directors: Pete Walker
  • Subtitles: Deutsch, Englisch
  • Aspect Ratio: 16:9 – 1.78:1
  • FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
  • Studio: Wicked-Vision
  • Theatrical Release Date: 1972
  • Run Time: 96 minutes

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Diese Edition wurde uns freundlicherweise von Wicked-Vision zur Verfügung gestellt.

Das Bildmaterial stammt nicht von dieser Edition.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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