Train to Busan

Train to Busan (Busanhaeng) ist ein brandaktueller Blockbuster aus Südkorea, in dem Überlebende einer Zombie-Epidemie ihr Glück in einem Schnellzug nach Busan suchen. Doch der Virus ist längst mit an Bord. In Korea schon ein Kassenschlager, lief er in Berlin als Abschlussfilm des 30. Fantasy Film Fest, und hier mein Eindruck davon.

Der etwas überarbeitete Fondmanager Seok Woo (Yoo Gong) muss seine vernachlässigte kleine Tochter Soo-an zur Mutter nach Busan bringen und steigt dazu früh morgens mit ihr in den den KTX Schnellzug. Mit an Bord außerdem eine Baseballmannschaft nebst Cheerleader, alte Mütterchen, ein kräftiger junger Mann mit seiner schwangeren Frau, ein arroganter Geschäftsmann und hunderte anderer unschuldiger Passagiere. Fast, denn auch mit an Bord einige erste Opfer eines biologischen Unglücks in einer nahegelegenen Fabrik. Ein Virus der sich durch Biss ausbreitet und seine Opfer zu fressgierigen Monstern macht. Bis sie sich versehen kämpft die ungleiche Truppe an Überlebenden von verschiedenen Zugabteilen aus ums nackte Überleben, während der Zug weiter in Richtung Busan rattert, in der Hoffnung dass die Stadt sicher ist….

Train to Busan

Nicht ohne Grund wurden im Vorfeld schon Vergleiche zu dem etwas unterirdischen World War Z laut. Ähnlich Red Bull-gepowert sind auch die Zombies in Train to Busan, allerdings sind die Zombiepyramiden nicht ganz so rekordverdächtig. Ebenso fühlt man sich ein wenig an 28 Days Later erinnert, einem damals sehr gut gemachten Zombiefilm, der in ähnlicher Erzählmanier die schleichende Bedrohung und dann dramatische Flut an Infizierten darstellte. In diesem koreanischen Mega-Blockbuster gestaltet sich der Aufbau ähnlich. Während gemächlich die Hauptcharaktere vorgestellt werden und deren quasi-normale Alltagsprobleme, scheint im Hintergrund die Welt zu Grunde zu gehen, und erst ab Minute 45 oder so bricht das Chaos dann über sie her – und das mit aller Gewalt.

Train to Busan

Train to Busan schafft eine nicht ganz astreine Gratwanderung zwischen hervorragend gemachtem Genrefilm und massentauglichem Blockbuster. Für asiatische Verhältnisse relativ zahm, weiß der Film zwar zu erschrecken, gleichzeitig bleibt das ganz aber auf einem Mainstream Niveau, dass dann auch den Kassenerfolg gut erklärt. Der Film spricht die Smartphone Generation genauso an wie die in ihren Konglomeratskarrieren gefangenen koreanischen Yuppies, spielt gezielt mit Klassenkampf-Aspekten und ist sich aber auch nicht zu schön, richtigen Survival-Kampf bis an die Spitze auszureizen. Da fühlt man sich teilweise sogar an PC-Games erinnert, ähnlich detailversessen kämpft man sich in dem Film von vorne bis hinten durch den Schnellzug. Wieso ist eigentlich in Deutschland noch niemand drauf gekommen, in einem ICE einen Zombiefilm zu drehen?

Train to Busan

Schauspielerisch ist der Film erstklassig, und auch die Action ist handwerklich mehr als gelungen. Weniger cool ist der Look des Films, der nicht ganz cinematisch daherkommt, aber zumindest gute Kameraarbeit aufweisen kann. Die Musik schwankt zwischen Fahrstuhl und dramatischem Pochen, damit bewegt es sich für koreanische Verhältnisse fast schon im obere Bereich des Mainstreamkino. Der richtige Star des Films ist die kleine Soo-an Kim, die alles an die Wand spielt. Ich sage dem Mädchen eine rosige Kinozukunft voraus, hoffentlich auch mal ohne spritzendes Blut und Gliedmaßen.

Train to Busan ist ein kurzweiliger Zombie-Actionfilm mit einem passablen Maß an Horror und Splatter, guter Machart und einem gelungenen Drehbuch. Genrefans kommen hier voll auf ihre Kosten, so lange man sich kein Umberto Lenzi Genre-Hardcore erwartet. Hoffentlich beschert man dem Film einen richtigen Kinostart in Deutschland.


Der andere Film den ich auf dem Festival sehen konnte ist das Überlebensdrama Desierto, meine Kritik dazu hier.

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info und FuriousCinema.com

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2 Antworten

  1. Mirco sagt:

    Hallo Sebastian,
    danke für Deine Kritik.
    Zuerst eine kleine Korrektur: Der Manager bringt seine Tochter zu deren Mutter nach Busan – nicht zur Oma. „Oma“ ausgesprochen auf Koreanisch heißt Mama auf Deutsch. Dass der südkoreanische Lowbudget-Film nicht die „cinematische“ Qualität von Hollywoods Blockbuster-Produktionen mit meist über 100 Mio Dollar erreichen kann, darf man doch erwarten. Auch die Südkoreaner können nicht zaubern. Eigentlich sollte man die Leistung des Produktionsteams würdigen, dass sie mit so wenig so viel erreicht haben. Südkoreanische Filme werden im Westen leider häufig verkannt. Vielleicht weil die Zuschauer mit Hollywood-Produktionen vollgepumpt sind und schwer haben die Figuren voneinander zu unterscheiden. Hinzu kommt noch die sprachliche und kulturelle Barriere: Wer schaut sich schon Filme in Programmkinos mit Untertitel an?

    Und zu Deiner Frage, warum die deutschen Filmemacher nicht drauf gekommen sind einen Zombifilm im ICE-Zug zu drehen. Tja, vielleicht weil sie generell keine Horrorfilme drehen? Wenn ich an deutsche Horrorfilme denke, muss ich sehr weit zurückblicken. Nein, die deutschen Filmproduzenten sind risikoscheu und produzieren lieber „sichere“ Filme wie Komödien oder Buchverfilmungen, oder sie gehen gleich nach Hollywood. Schade eigentlich, denn gerade die alten deutschen Horrorfilme waren die guten Vorlagen und Ideengeber für die Hollywoodproduktionen. Wahrscheinlich scheuen die Filmemacher aber auch zu sehr von den sehr kritischen deutschen Kritikern.

    Ich finde wirklich schade, dass die Filmverleiher in Deutschland sich nicht trauen auch mal südkoreanische Filme in den deutschen Kinos zu zeigen. „Train to Busan“ war nicht nur in Südkorea sehr erfolgreich, sondern auch in vielen asiatischen Ländern und auch in Frankreich. In den USA liefen nur in einigen ausgewählten Kinos. Die Reaktion der Zuschauer waren überwiegend sehr positiv.

    Ich persönlich bin kein Horrorfilm-Fan – bin mir aber ziemlich sicher, dass George A. Romero auf diesen Film sehr stolz gewesen wäre, würde er noch unter uns weilen.

    • Sebastian sagt:

      Hi und danke für den Kommentar. Das mit Oma korrigiere ich. Ich habe nirgends angedeutet dass ich mit cinematischen Qualitäten das Budget eines Hollywood Blockbusters meine, es gibt deutlich cinematischere Filme aus Korea. Dass in Deutschland keine Horrorfilme gedreht werden ist denke ich nicht komplette wahr, aber insgesamt leider in der Tat etwas dürftig, gerade im Mainstream. Da traut man sich in der Tat viel zu wenig, aber das gilt denke ich allgemein, nicht nur hinsichtlich des Horrorgenres… dass Onkel George den Film gemocht hätte, da bin ich mir auch sicher! Nochmal danke fürs lesen und kommentieren!