The Blues Brothers (Langfassung)

The Blues Brothers ist eine Musikkomödie von John Landis von 1980 mit Dan Aykroyd und dem leider viel zu früh verstorbenen John Belushi in den Hauptrollen. Jetzt in einer neuen „Extended Version Deluxe Edition“ kann man den Klassiker neu erleben.

Jake Blues (John Belushi) kommt nach Jahren aus dem Knast frei, sein Bruder Elwood Blues (Dan Aykroyd) holt ihn ei der Entlassung ab. Die beiden in schwarze Anzüge gekleideten Herren kehren in das Waisenhaus ihrer Kindheit  zurück um zu erfahren, dass Mangels Geld die Diozöse das Gebäude verkaufen würde, und viele Waisenkinder so wie die Blues Brothers es mal waren wären heimatlos. Da die beiden ziemliche Gauner sind, nimmt die Mutter Oberin die Hilfe der beiden nicht an, also beschließen sie, das Geld anders zu beschaffen, und die Rechnung dann direkt im Rathaus zu begleichen. Jake hat den genialen Einfall, die alte Band der beiden wieder zusammen zu trommeln und mit Hilfe einiger Gigs das Geld einzuspielen. Einfacher gesagt als getan, denn die Mitglieder der alten Big Band sind über den Bundesstaat verstreut, in Rente, verheiratet oder sonstwie verplant sind. Die beiden starten mit einem ausgemusterten Polizeiauto los, und sammeln die Bandmitglieder ein, schon bald verfolgt von der Polizei, einem Haufen wildgewordener Nazis, einer Countryband und anderen Spinnern…..

Den Film nach all den Jahren mal wieder zu sehen war ein seltsames Erlebnis. Ich bin selbst großer Blues Fan und war somit immer schon sehr angetan von der Musik und dem Spirit den der Film verkörperte. Hinzugenommen die Coolness der beiden Blues Geschwister und die reihenweise spitzenartigen Cameos, ist The Blues Brothers eigentlich ein Hit meiner Jugend. Dass der Film rein kritisch betrachtet aber wenig auf dem Kasten hat, trübt nach all den Jahren den Gesamteindruck dann doch ziemlich. Dazu weiter unten gleich noch mehr. Das tut der Unterhaltung aber keinen Abbruch, denn nach wie vor ist der crazy Roadtrip mit Elwood und Jake ein unübertroffenes Abenteuer. Der gut gelaunte Mix aus Musik, Komödie, Klamauk, Roadmovie und gesellschaftlich-religiösen Subtexten machen den Film zu einem wilden Potpourri an Gags, Action und guter Stimmung. Aykroyd und Belushi haben hier ikonische Charaktere erfunden, das kann man gar nicht übertreiben. Aykroyd ging später ja mit der/einer Band jahrelang auf Tour, der Film war ein riesen Hit, und vielleicht hat er ja einen guten Teil dazu beigetragen dass diese großartige Musik (wieder) einem breiteren Publik zugänglich gemacht wurde, ich weiß es nicht.

Blues Brothers

Der besondere Charme des Films liegt letztendlich ja in der Leichtherzigkeit, die trotz der etwas harter Parameter (Verbrechen, Nazis, Geldnot, Todesangst, etc.) sich durch den Film zieht wie die Baseline des Titelthemas. Die Blues Brothers sind nicht einfach nur zwei Musiker mit einem schrägen Appetit für Zerstörung und lauen Rythm’n’Blues, sie sind cool. Sie stolpern durch dieses Chaos mit ihren Hüten, ihren billigen Sonnenbrillen, dreckigen Anzügen und dem abgewrackten Polizeiauto – und das immerhin im Auftrag des Herrn! Nebenbei bemerkt war die Synchro immer schon echt auch ziemlich gut. Hatte ich Cameos erwähnt? Neben John Candy, Carrie Fisher und den diversen Musikern immerhin am Ende auch noch Steven Spielberg. Nicht schlecht.

Etwas seltsam fallen einem nach heutigem wieder-sehen aber vor allem nach all dem zeitlichen Abstand das etwas seltsame Drehbuch mit komischen Charakteren und die unpassenden Musiksequenzen auf. Damit wäre ich nun bei meiner Kritik die ich oben mal kurz angeschnitten hatte. In erster Linie finde ich den Film überfrachtet und oberflächlich. Was soll dieser dämliche Subplot mit der Killerin, was hat es mit Candys Charakter auf sich, warum diese ganze Nazi-Sache, und wie einfach bitte ist es denn letztendlich diese Band wieder zusammen zu bekommen. Mit etwas Abstand finde ich das Drehbuch ist ein großer Haufen Dampf. Aber schnuckelig dennoch der Film. Das andere sind die Musiksquenzen. Das sind ja zumindest auf der Tonspur die Studioaufnahmen, das passt einfach so dermaßen schlecht in den Film und wirkt so künstlich wie Musikvideos, das wurde beim Sequel schon deutlich besser gelöst, und funktioniert – schlechtes Beispiel ich weiß – bei The Big Lebowski viel besser. Ist subjektiv.

Zu den Fassungen. Turbine präsentiert hier in erster Linie die „Extended Version“ (141min), die mit etwa 15 Minuten zusätzlicher Laufzeit im Vergleich zu den altbekannten TV- und Videoversionen die deutlich zu präferierende Fassung darstellt. Neben den längeren Musiksequenzen, was sich alleine schon lohnt, fehlen in den alten Fassungen (128min) eine ganze Reihe doch recht guter Momente, das kann man im Vergleich auf Schnittberichte recht gut nachvollziehen. Kurzum, die alte Kino/Videofassung ist nicht mehr sehenswert. Im Vergleich zu bisher erhältlichen BluRays hat man hier außerdem Farbkorrekturen vorgenommen und sich für diese Präsentation das OK von John Landis eingeholt. Es stellt also eine, könnte man sagen, durchaus definitive Version dar.

Blues Brothers

Zum Ton: Die Räumlichkeit der Atmos Spur kann ich nicht beurteilen, da ich kein entsprechendes System mein Eigen nenne. Erwähnenswert ist jedoch dass Atmos i.d.R. abwärtskompatibel ist, sprich wenn man die Spur auswählt und kein Atmos System hat, kriegt man dennoch was auf die Ohren. Zudem ist nur die neue (nun komplett synchronisierte) Deutsche Fassung in Atmos enthalten, und ich gucke grundsätzlich keine Synchronfassungen wenn es sich nicht vermeiden lässt. Stichpunktartig getestet kann man der Qualität der Synchronspur aber sehr gute Noten ausstellen. Der Originalton leidet wie so oft bei älteren Filmen unter etwas beeinträchtigter Dialogverständlichkeit, insgesamt kriegt man aber ordentlich was auf die Ohren. Das Problem mit dem Film ist ja eher, dass die Musikpassagen relativ unpassende Studioversionen der Songs sind, und bei entsprechender Lautstärke also eben kein Konzertfeeling aufkommt. Wenn man mich fragt eine grundsätzliche Fehlentscheidung der Filmemacher. Insgesamt sehr gute Tonspuren, die auch ausreichend Krachen bei den Actionszenen. Kann man nicht meckern.

Zum Bild: Farblich nachkorrigiert, liefert die BluRay den Film so ab, wie man ihn lange nicht mehr genießen konnte. Zwar zeigt auch er sein Alter teilweise deutlich, aber insgesamt ist es erstaunlich welch starke Farben, Schwarztöne und Kontraste man hier herausgeholt hat. Schäden gibts wenig, dafür angenehmes Maß an Filmkorn und wenig bis kein stark sichtbares Edge-Enhancement. Kurzum, der Film sieht hier sogar vielleicht zu gut aus, ich erinnere mich an alte DVDs, da war der ARD-Look fast schon Teil des Charmes. Erstklassiges Bild, kann man kaum meckern.

Blues Brothers

Die in drei Wochen erscheinende neue, und auf 5555 Stück limitierte, Universal / Turbine Deluxe Edition ist ein besonderes „Schmankerl“ für Fans. Nicht nur gibt es den Extended Cut auf Disc One in besonderer Aufbereitung (dazu gleich mehr), man bekommt auch noch die BluRay mit der kürzeren Fassung, das Sequel Blues Brothers 2000 und eine weitere Disc voller Extras. Ein kunterbuntes Mega-Geschenk also mit allem was das Blues Brothers Fan-Herz begehrt.

  • BluRay 1 (Extended Version): Deutsch (Dolby Atmos), Deutsch (DTS-HD MA 5.1), (Englisch DTS-HD MA 5.1)
  • BluRay 2 (Kinofassung): Deutsch (DTS-HD MA 5.1), (Englisch DTS-HD MA 5.1)
  • BluRay 3: Blues Brothers 2000
  • Bonus-DVD: Best Of The Blues Brothers – Dokumentation über die Anfänge mit Dan Aykroyd als Gastgeber (deutsch synchronisiert von Thomas Danneberg) (60 min.)

Untertitel gibt es auf Deutsch (halbwegs akkurat, leider oft etwas freizügiger übersetzt beziehungsweise an die etwas freiere Synchro angelehnt), Englisch für Hörgeschädigte sowie eine Untertitelspur die sich auf die Songtexte (auf Deutsch) beschränkt.

Leider lag uns nur eine Pressekopie der Filmdisk vor (auf der sich neben den Trailern und etwas Dolby Atmos Promo-Material nicht viel findet außer dem exklusiven Grußwort von John Landis), allerdings erwarten den Fan auf den anderen Scheiben eine ganze Reihe Extras (ich nehme an zusätzlich zu dem was bisher schon immer auf den DVDs der beiden Filme drauf war). Dazu gehören Hintergrundinfos und Making of (ca 56min), ein Featurette zur Musik (15min), und eine Hommage an John Belushi (10min).

Die Sammlerbox kommt zusätzlich noch mit einem sage und schreibe 48-seitigen Booklet zum Film, einem Nummernschild (sieht man unten auf dem Foto recht gut), einigen Postkarten, einem Wendeposter, Aufkleber, Visitenkarten, Elwoods Führerschein (wessen Idee war das denn, hehe) und einer limitierten Fotokarte mit Jakes Mugshot. Nich gerade wenig.

Insgesamt also, ergibt sich eigentlich als selbstverständlich, eine wahnsinnig coole Neuauflage des Klassikers, die für jeden Fan Pflicht ist, und wirklich Unmengen an Material fürs Geld bietet. Irgendwie vermisse ich sowas wie einen Audiokommentar, aber es kann ja nicht alles perfekt sein. Zugreifen, das ist ein Auftrag Gottes! Der Film ist vielleicht nicht prima gealtert, aber er ist gleichzeitig so etwas wie unsterblich.

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Blues Brothers BluRay Blues Brothers BluRay

Blues Brothers

Die BluRay (Disc 1) wurde uns freundlicherweise von Universal zur Verfügung gestellt. Screenshots einer anderen Ausgabe von BluRay.com

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info und FuriousCinema.com

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2 Antworten

  1. 22. August 2016

    […] Demnächst kommt eine neue Langfassung des Klassikers „Die Blues Brothers“ heraus. War mir bisher unbekannt. Für Sebastian von Nischenkino eine willkommene Gelegenheit sich […]

  2. 15. Januar 2017

    […] super guten Riecher für zeitlose Qualität. Das musste ich kürzlich mal wieder erleben als ich Blues Brothers rezensierte. Der Film ist schlecht gealtert, und das trifft viele seiner Filme so. Auch Die Drei […]