Blutiger Schweiss / Die Ratten von Milano / Poliziotti violenti / Crimebusters

VHS – Edition

Die brutale Gewalt internationaler Waffenhändler kennt keine Grenzen und keine Gefühle. Konflikte zwischen Korruption und Karriere – das unsichtbare Netz internationaler Waffenschieber. Machtkämpfe zwischen Militär und Politik und die Unbestechlichkeit eines Einzelgängers sind die Hauptthemen dieses spannenden Thrillers, der alle Machenschaften des weltweiten Waffengeschäfts bloßstellt. Major Altieri und Kommissar Tosi decken Zusammenhänge auf, die bis in die oberste Spitze der Regierung reichen und das sichere Todesurteil für die beiden Männer bedeuten, die sich der Gewalt entgegenstellen. (Arcade Video)

Kurzinhalt inkl. Spoiler !!!

Er wurde befördert und nach Rom versetzt, um zu verhindern, dass er Korruptionsfälle innerhalb der Armee aufklären kann. Major Paolo Altieri vom Fallschirmjägerkorps vereitelt die Entführung eines Kindes, wird aber selbst Opfer eines gewaltsamen Angriffs der Banditen. Bei dieser Gelegenheit stellt er fest, dass die Kriminellen ein experimentelles Maschinengewehrmodell benutzt haben, das eigentlich nur in seinem eigenen Korps Verwendung findet. Altieri wird Freund sowie Mitstreiter des Polizeikommissars Tosi und nimmt an mehreren Razzien gegen kriminelle Aktivitäten teil. Nachdem Altieri einigen Anschlägen auf sein Leben entkommen konnte (bei einem stirbt jedoch seine Freundin) und von seinem Vorgesetzten zum Rücktritt vom Korps gezwungen worden ist, weil er einen Offizier geschlagen hat, gelingt es Altieri schließlich den Kopf der zwielichtigen Waffenhändler zu entlarven: ein angeblich argloser Industrieller, der Anwalt Vieri, der viele hochrangige Offiziere bestochen hat, die alle in einen verrückten subversiven Plan zum Sturz der Demokratie verwickelt sind. Altieri steht Vieri letztendlich gegenüber und erschießt ihn in Notwehr, wird aber seinerseits, aufgrund eines tragischen Missverständnisses, von seinem Freund Tosi getötet.

Wie es auch beim Italo-Western geschehen war, implodierten die poliziotteschi schließlich aufgrund eines Übermaßes an Brutalität: ein grande bouffe von Gewalt, das den didaktischen Impetus der Prototypen hinter sich gelassen hatte und seine Kraft aus sich selbst zog. Wenn auch immer ein Verbrecher sein Maschinengewehr abfeuerte, kam eine arme Frau vorbei gelaufen, die erschossen oder – noch schlimmer – vom Auto der Kriminellen überfahren wurde. Das gewalttätige Ereignis, das zunächst brutal an alltägliche Nachrichten erinnerte, wurde zu einem festen Bestandteil, zu einer Zutat, die nach Belieben der Filmemacher eingesetzt wurde und somit seine Wirkung verlor. Michele Massimo Tarantinis Die Ratten von Milano repräsentiert ein typisches Beispiel dafür: die obligatorischen Schießereien und Verfolgungsjagden werden von einem Soundtrack aus verschiedenen Schreien mit lächerlichem Effekt begleitet. Darüber hinaus wird der Held Paolo Altieri (Henry Silva) in einer Szene Zeuge eines Handtaschenraubes, als zwei Kriminelle auf einem Motorrad ein Dienstmädchen in einem Park überfallen. Altieri greift ein und vereitelt den Fluchtversuch der Delinquenten. Die Verbrecher landen auf dem Boden und werden von einer Gruppe wütender Damen umzingelt, die damit beginnen, sie mit ihren Handtaschen zu verprügeln. Die subjektive Aufnahme der Kleinkriminellen von unten zeigt die durch eine hohe Winkeleinstellung deformierten Gesichter der Frauen, die in Richtung Kamera schreien und beleidigen.

Es handelt sich dabei um eine Szene, die an eine aus John Waters’ Pink Flamingos (1972) erinnert, wo ein Polizist getötet und gefressen wird, doch hier zieht die paroxistische, entnervte Inszenierung das Groteske nicht so sehr in Betracht wie Waters es getan hat, weswegen sich das Ergebnis unfreiwillig komisch gestaltet. Im Übrigen ist Die Ratten von Milano trotz (oder gerade wegen) seiner vier Drehbuchautoren (darunter auch Sauro Scavolini sowie der zukünftige Dario Argento Mitarbeiter Franco Ferrini) als Standard-Material zu bezeichnen. Der politische Blickwinkel wirkt ähnlich überstürzt und endet in der üblich subversiven Verschwörung gegen die Demokratie – ein weiteres Element, das durch die Gleichgültigkeit des Filmemachers seiner evokativen Kraft beraubt wird, indem der zwielichtige Industrielle Ettore Manni den x-ten Monolog über die „erzieherische“ Notwendigkeit sozialer Unordnung zum Besten gibt: „Ordnung hat einen Preis, den man zahlen muss. Die öffentliche Meinung muss sich an dem orientieren, was wir wollen, um das Vertrauen in einen starken Staat zurückzugewinnen, den wir liefern werden.“ Ähnlich banal präsentiert sich der monolithische Held, gespielt vom gelangweilt wirkenden Henry Silva, der Antonio Sabato als ebenso uninteressanten Sidekick im Gepäck hat. „Du redest nicht viel“, sagt die verliebte Anna (Silvia Dionisio) zu Altieri und fängt hinter den marmorartigen Zügen des Helden doch tatsächlich einen Hauch von Menschlichkeit ein. Unglücklicherweise für das arme Mädchen folgt ihr Geliebter nicht dem Rat eines gemein aussehenden Schlägers, der ihm (in der vielleicht denkwürdigsten Zeile des Films) mitteilt: „Wenn du in Rom bleiben willst, respektiere das elfte Gebot: kümmere dich um deine verdammten eigenen Angelegenheiten!“ Die schöne Anna wird in einem gemütlichen Restaurant von einer Bombe in die Luft gejagt, bevor sie einen J&B oder einen Fernet Branca bestellen kann. Wie traurig!

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  • Artikel-Nr.: V23186
  • Bildformat: 1,66:1
  • Medium: VHS
  • Spielzeit: ca. 90 Minuten
  • Sprache: Deutsch
  • TV-Norm: PAL
  • Zustand: Ungekürzte Fassung – (sehr) guter Zustand – Glasbox – komplett
  • FSK: 18
  • Tonformat Analog: Mono
  • Medium:
  • FSK-Logo:

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Filmliebhaber aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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